Bildung

Mehr als 130 Schulleitungsposten in Berlin sind unbesetzt

Es geht um Schulleiter und deren Stellvertreter. In einigen Fällen sind Stellen schon seit Jahren vakant.

Die Margarete-von-Witzleben-Schule ist aktuell ohne Schulleitung.

Die Margarete-von-Witzleben-Schule ist aktuell ohne Schulleitung.

Foto: imago stock / Manja Elsässer

Die Zahl der Berliner Schulen ohne Leitung bleibt anhaltend hoch. Aktuell sind 35 Rektorenstellen unbesetzt, in 29 Fällen dauert die Vakanz auf der Führungsebene schon mindestens drei Monate an. Das geht aus der Antwort von Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Dirk Stettner hervor. Binnen eines Jahres ist die Zahl der offenen Leitungsposten demnach um knapp 50 Prozent gestiegen. Noch im Oktober 2018 mussten 20 Schulen in Berlin ohne Rektor oder Rektorin auskommen. Schlechter noch sieht die Entwicklung bei den stellvertretenden Schulleitern aus. An 102 Schulen ist die Position des Konrektors derzeit nicht besetzt. Ganze 99 Einrichtungen warten schon mindestens ein Vierteljahr auf eine Nachbesetzung des zweiten Leitungspostens.

Sechs Standorte sind komplett ohne Leitung

Häufig müssen Lehrerkollegium und Schüler deutlich länger ohne Führungspersonal auskommen. An 15 Schulen fehlen Rektor oder Rektorin laut Angaben der Senatsbildungsverwaltung schon mindestens ein Jahr. Auf neue Stellvertreter warten die Schulen teils noch deutlich länger. Offizielle Co-Leiter gibt es an 13 Standorten seit mindestens fünf Jahren nicht mehr. Besonders hart hat es die Liebmann-Schule in Kreuzberg und die Schule am Hasenhegerweg in Neukölln erwischt. Beide sind seit mehr als einem Jahr offiziell komplett führungslos. An vier weiteren Standorten sind derzeit ebenfalls beide Stellen unbesetzt.

Freie Leitungspositionen werden kommissarisch besetzt

Für die offenen Leitungsstellen gebe es verschiedene Gründe, teilte Stoffers in ihrer Antwort mit. Dazu gehörten vor allem „unvorhersehbare und kurzfristige Personalaustritte“, zu wenige Bewerber und dadurch notwendige Neuausschreibungen sowie „Konkurrentenstreitigkeiten und Klageverfahren“, schreibt die Bildungsstaatssekretärin. In vielen Fällen würden freie Leitungspositionen durch Lehrkräfte zeitweise kommissarisch besetzt. Die Lehrer würden dann entsprechend von ihren Unterrichtsstunden entbunden.

„Das ist komplett fahrlässig“, urteilt Dirk Stettner über die angespannte Situation. Die Senatsbildungsverwaltung dürfe nicht zulassen, dass mehrere Institutionen mit Hunderten Kindern vollständig führungslos seien. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion verweist auf eine weitere parlamentarische Anfrage. Demnach seien im vergangenen Schuljahr 156 Lehrkräfte ganz oder teilweise vom Schuldienst in die Bildungsverwaltung abgeordnet wurden.

Viele Stellen müssten nicht mit Lehrern besetzt werden

„Viele dieser Stellen müssten nicht mit Lehrern besetzt werden“, sagt Stettner. Die Pädagogen sollten stattdessen in den Schulen eingesetzt werden. Was, so der Oppositionspolitiker, sei denn wichtiger als Bildungsorte mit einer funktionierenden Leitung auszustatten. „Hier wird die falsche Priorität gesetzt“, kritisiert Stettner die von Senatorin Sandra Scheeres (SPD) geführte Bildungsverwaltung.

Wie viele offene Leitungspositionen zwischenzeitlich kommissarisch besetzt werden, konnte die Bildungsverwaltung nicht mitteilen. Gerade an dieser Stelle sieht Stettner in der Praxis Handlungsbedarf: Um Anrecht auf Zulagen zu bekommen, müssen temporär in der Leitung eingesetzte Lehrkräfte die Führungsposition 18 Monate lang ununterbrochen wahrnehmen, schreibt Bildungsstaatssekretärin Stoffers in der Antwort an Stettner.

Daneben müssten zudem noch die „haushaltsrechtlichen und laufbahnrechtlichen Voraussetzungen“ erfüllt sein. Unnötig hohe Hürden, findet Stettner. „Wenn ich die Schulleiterstellen nicht regulär schnell besetzt bekomme, muss ich jene, die es kommissarisch machen, belohnen.“ Ohne den Anreiz, so seine Annahme, gebe es für viele keinen Grund, die Mehrarbeit auf sich zu nehmen.