BVG

Massive Ausfälle bei Berliner U-Bahn wegen Graffiti

Viele Züge der U-Bahnflotte sind beschmiert – und müssen dennoch fahren. Sonst gäbe es massive Verspätungen.

Graffiti auf einem U-Bahn-Waggon an der Station Birkenstraße.

Graffiti auf einem U-Bahn-Waggon an der Station Birkenstraße.

Foto: Christian Latz / BM

Berlin. Zugegeben: Auf dem gelben Untergrund der Waggons macht sich manches bunte Motiv optisch ganz gut. Für die Berliner Verkehrsbetriebe jedoch sind die mit Graffiti vollgesprühten U-Bahnen ein riesiges Problem – und zeigen, wie sehr die BVG an ihre Belastungsgrenze geraten ist.

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Kaum noch ein Zug ist in Berlins Untergrund ohne Graffiti unterwegs. Bei vielen Bahnen reiht sich ein Sprühbild an das nächste. Es sei ein „drastischer Anstieg von Farbangriffen“ zu verzeichnen, sagt Unternehmenssprecherin Petra Nelken. Rund 30 Prozent der gesamten U-Bahnflotte seien an manchen Tagen großflächig mit Graffiti beschmiert. Besonders groß sei das Problem auf den Linien U6 und U9.

Graffiti bei der Berliner U-Bahn - Auch beschmierte Züge müssen fahren

Lange ging die BVG gegen dieses Szenario rigoros vor. Tauchte auf einer U-Bahn ein Graffito auf, wurde sie umgehend aus dem Betrieb gezogen und gereinigt. Die Sprayer sollten nicht das Erfolgserlebnis genießen, ihre Werke durch die Stadt fahren zu sehen. Die Strategie mussten die Verkehrsbetriebe schon vor Monaten aufgeben. Zu groß ist der Mangel einsatzbereiter Fahrzeuge mittlerweile. Die BVG kann sich längst nicht mehr erlauben, während der Reinigung auf die Wagen zu verzichten.

Die Ausfälle durch Graffiti und Vandalimus bei der U-Bahn häufen sich

Trotz des Strategieschwenks: Die Zugausfälle häufen sich massiv. In den ersten fünf Monaten 2019 fuhren die U-Bahnen wegen Vandalismusschäden rund 35.000 Kilometer weniger als geplant, zeigen BVG-Daten. Mehr als verdreifacht hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr. Aktuell summieren sich die Ausfallkilometer der U-Bahn 2019 bereits auf mehr als 50.000. „Wir haben keine Reserven mehr“, gesteht Nelken. „Im Grunde genommen müssen wir alles einsetzen, was wir haben.“

Daran wird sich sobald nichts ändern. Um die Vergabe des Großauftrags zur Lieferung von 1500 neuer U-Bahnwagen an den Hersteller Stadler wird zurzeit vor Gericht gestritten. Die ersten Züge sollten eigentlich 2021 geliefert werden. Der Termin ist längst hinfällig. Fahrgäste sollten sich an die vollgesprühten Züge gewöhnen.

Graffiti-Beseitigung kostet jährlich zwei Millionen Euro