Feier

Eisbär Hertha feiert im Berliner Tierpark ersten Geburtstag

In Berlin feiert Eisbärin Hertha im Tierpark ihren ersten Geburtstag. Für sie und Mama Tonja gab es auch eine Überraschung.

Berlin. Am ersten Dezember und ersten Advent feiert die kleine Eisbärin Hertha im Berliner Tierpark ihren ersten Geburtstag. Passend dazu hat Hertha eine lebensgroße Eins aus Eis in weihnachtlichem Rote-Beete-Rot geschenkt bekommen. Auch ihre Paten hatten eine Überraschung für Herthas Ehrentag vorbereitet. Die Mannschaft von Hertha BSC spendierte dem kleinen Eisbären ein ganz besonderes Spielzeug: Ein eisiger, mit Rotkohl blau-weiß gefärbter Fußball zum Trainieren.

Der Tierpark hatte angekündigt, Hertha zum ersten Geburtstag eine Überraschung zu bereiten. Besucher konnten am Sonntagmorgen an der Eisbärenanlage dabei zusehen, wie das Bärenkind die große Eins neugierig von allen Seiten untersuchte, während Mama Tonja erstmal nur Augen für die eingefrorenen Leckereine, wie Äpfel, Birnen und Möhren hatte. Einige der Tierpark-Besucher brachten der kleinen Eisbärin mit "Happy Birthday" sogar ein Geburtstagsständchen.

An Hertha kann man beobachten, wie schnell das Jahr vergangen ist: Aus einem Würmchen mit einem Gewicht von ein paar Hundert Gramm ist innerhalb von zwölf Monaten eine mehr als 115 Kilo schwere Jung-Eisbärin geworden.

Hertha habe sich in den zwölf Monaten rasant entwickelt, sagte Säugetierkurator Florian Sicks. Anfangs habe sie wegen der extrem fettreichen Muttermilch stark zugelegt. Inzwischen reiche Hertha das nicht mehr, sie fresse hauptsächlich große Mengen an Fleisch und Fisch. Dass diese Entwicklung nicht selbstverständlich ist, zeigt die Erfahrung früherer Jahre: Der Nachwuchs von Mutter Tonja (10) war jeweils sehr jung gestorben. Und auch Publikumsliebling Knut im Berliner Zoo verstarb bereits mit knapp viereinhalb Jahren.

Eine sehr junge Dame namens Hertha
Eine sehr junge Dame namens Hertha

„Das war für unsere gesamte Tierpark-Mannschaft schon ein besonderes Ereignis“, erinnert sich Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem an Hertha's Geburt. „Bei ihrer ersten Untersuchung im Februar brachte sie gerade einmal 8,5 kg auf die Waage – inzwischen sind es mehr als zehn Mal so viel. Tonja kann stolz auf sich sein, sie hat ihre Mutterrolle perfekt gemeistert.“

Eisbär Hertha lernt im Tierpark das Jagen

Seit März ist Hertha - benannt in Kooperation mit dem Berliner Verein - auf der Außenanlage zu sehen und lernte zum Beispiel schwimmen. Nachdem Fans anfangs in Reihen am Gehege standen, hat der große Trubel nun nachgelassen.

Trotzdem sieht der Tierpark zweifelsfrei einen positiven Einfluss von Herthas Medienpräsenz auf die Besucherzahlen des im Osten der Stadt gelegenen Parks. Die Zahlen stiegen bereits seit 2014 und seien das ganze Jahr über hoch gewesen, sagte Sicks. Welchen Anteil die Eisbärin daran genau habe, sei aber unklar. Die 2019er-Zahlen werden 2020 erwartet.

So klein und tapsig war Klein-Hertha noch vor wenigen Monaten:

Im Tierpark-Alltag gilt es nun, Hertha zu beschäftigen: Ein Wochenplan solle für maximale Abwechslung sorgen. „Jetzt spielt sie ganz viel und lernt das Jagdverhalten instinktiv“, berichtet Sicks. Hertha geht im Grunde auf Robbenjagd - nur ohne Robben. „Wir können natürlich kein Lebendfutter verfüttern.

Aber der Eisbär liebt es, Beute zu machen, sich auf etwas drauf zu schmeißen, sich anzuschleichen, irgendwo unter die Eisscholle zu tauchen, um auf der anderen Seite wieder hochzuspringen.“ Mit Spezial-Eisbärenspielzeug aus den USA - Bällen und einer Art Tonne etwa - werde dies bedient.

Hertha zieht in einen anderen Zoo um - Tonja soll wieder ein Junges bekommen

Beschäftigt werden die Eisbären zudem mit Gegenständen an Bungee-Seilen, an denen sie ziehen können, sowie mit Holzstückchen mit Geruch, die etwa mit Lebertran oder Ölen behandelt wurden. Hertha und Tonja konkurrierten inzwischen auch viel um Spielzeug, berichtet Sicks. Sie seien zwar immer noch viel zusammen, aber andauernde Nähe zur Mutter sei inzwischen nicht mehr nötig. Damit deutet sich an: Fans der jungen Eisbärin müssen sich darauf einstellen, sich in nicht allzu ferner Zukunft von ihr zu verabschieden.

Eisbär Hertha bekommt eine Scholle
Eisbär Hertha bekommt eine Scholle

Sie werde voraussichtlich im Winter 2020/21 oder Anfang des Frühjahrs 2021 im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms an einen anderen Zoo abgegeben, so Sicks. Noch stehe nichts fest. „Letztlich ist es das Ziel, für Hertha ein geeignetes Männchen zu finden.“ Mit zwei oder zweieinhalb Jahren trennten sich auch in der Natur die Wege von Mutter und Jungtier.

Im Tierpark könnte Tonja dann erneut Junge bekommen: „Es liegt natürlich im Interesse des Artenschutzes, dass Tonja bald wieder Nachwuchs zur Welt bringt“, sagte Sicks. Womöglich werde dafür Eisbär Wolodja zurückgeholt, Herthas Vater. Dieser ist seit einiger Zeit nicht in Berlin - weil er anderswo für Nachwuchs sorgen soll.