Demonstrationen

Rund 60 000 Menschen demonstrieren für mehr Klimaschutz

"Ohne Bäume keine Träume": Wieder trägt Fridays For Future den Klimastreik massiv auf die Straße. Wenn auch mancher müde ist: Die Bewegung will die Politik nicht in Ruhe lassen.

Die Kundgebung von Fridays For Future am Brandenburger Tor zum globalen Aktionstag für mehr Klimaschutz ist zu sehen.

Die Kundgebung von Fridays For Future am Brandenburger Tor zum globalen Aktionstag für mehr Klimaschutz ist zu sehen.

Foto: dpa

Berlin. Rund 60 000 Menschen haben am Freitag in Berlin für mehr Klimaschutz demonstriert. Auf einer Kundgebung mit Bühnenshow am Brandenburger Tor und einer bunten Demonstration durch das Regierungsviertel forderten sie einen "Neustart" bei der Klimapolitik in Deutschland. Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus, um das globale Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, lautet die Kritik der Bewegung Fridays For Future (FFF).

Diese hatte anlässlich eines weltweiten Aktionstages zu dem Protest aufgerufen. Die Klimaaktivisten sprachen von "unglaublichen" 60 000 Teilnehmern, die Polizei von mehreren Zehntausend.

Rund ein Jahr nach dem Start von FFF in Deutschland appellierte Mitbegründerin Luisa Neubauer an die Anhänger, nicht nachzulassen. Die Bundesregierung habe "keinen Bock" und "keinen Plan", mehr gegen den Klimawandel zu tun. "Darum müssen wir weitermachen, obwohl wir müde sind und alle sagen, ihr schafft es nicht", so Neubauer.

"Wir haben bewiesen, dass diese Jugend, diese Generation die politischste von allen ist", fuhr sie fort. Diese Jugend müsse mit der gleichen Einstellung weiter für mehr Klimaschutz eintreten wie diejenigen, die einst zum Mond geflogen seien oder die Berliner Mauer zu Fall gebracht hätten: "Unmögliches ist möglich." Neubauer weiter: "Wir wissen, dass Klimaschutz nicht leicht ist, nicht bequem ist, aber eben notwendig. Wir wissen, dass die einzige Sache, vor der wir nicht weglaufen können, unsere Zukunft ist."

Viele der überwiegend jungen Teilnehmer der Proteste hatten Plakate dabei. "Ohne Bäume keine Träume", war darauf zu lesen, oder: "Die Zukunft ist #kohlefrei", "Artensterben kann Spaß verderben", "Keine Kohle, kein Atom, sondern nur noch Ökostrom". Ein Schüler sagte auf dpa-Anfrage: "Ich hätte gerade eigentlich Geschichtsunterricht. Wichtiger als Geschichte ist jedoch momentan meine Zukunft."

Während des partyähnlichen Demonstrationzuges wurden auf mitfahrenden Lastwagen Reden gehalten. Von anderen hallten fetzige Beats durch die Straßen. Immer wieder skandierten die Demonstranten: "Wir sind hier, wird sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut."

Auf der Bühne am Brandenburger Tor traten auch Musiker auf, etwa die Band Seeed. Deren Sänger Peter Fox forderte nicht nur von der Politik mehr Einsatz für den Klimaschutz, sondern auch von jedem einzelnen. "Checkt Euren Lifestyle", sagte er zu den Zuhörern. "Wir sollten bereit sein, unsere Gewohnheiten zu ändern." Neues müsse nicht immer schlecht sein. "Lasst uns den Arsch hochkriegen, let's go", beendete Fox seine kurze Ansprache.

DGB-Chef Reiner Hoffmann dankte als weiterer Redner den jungen FFF-Klimaschützern für ihr bisheriges Engagement. "Wir brauchen Euch, um gemeinsam für eine saubere Umwelt und soziale Gerechtigkeit zu kämpfen." Gleichzeitig kritisierte er AfD-Politiker, die einen durch Menschen verursachten Klimawandel leugnen. "Wir müssen die rechte Mischpoke in die Schranken weisen." Sie verbreite "Fake News" über die Klimapolitik.

Vor der Kundgebung gingen ein Dutzend Aktivisten bei fünf Grad Außen- und ähnlicher Wassertemperatur für das Klima baden: Die Mitglieder der Jugendorganisation des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprangen nahe dem Bundestag in die Spree. "Die Bundesregierung hat ein Klimapaket entwickelt, mit dem sie den Klima- und Umweltschutz baden schickt", sagte Fabian Gacon von der BUND-Jugend Berlin. Ein anderer Teilnehmer sagte nach seinem Bad, es sei ein "tolles Gefühl" gewesen. Aber: "Es war unglaublich kalt."

Wegen der Proteste waren diverse Straßen in der Berliner Innenstadt zeitweise gesperrt, Autofahrer mussten auf Umfahrungen Geduld aufbringen. Bus- und Straßenbahnlinien wurden umgeleitet. Der Pariser Platz östlich des Brandenburger Tores wurde laut Polizei gesperrt, um Gästen des Bundespresseballs am Abend im Hotel Adlon die Anreise zu ermöglichen.