Kurzschlussgefahr

Flughafen BER: Mieter fürchten neue Verzögerungen

Duty-free-Shops und Cafés sollen zur Eröffnung des BER den Betrieb aufnehmen. Doch eine Rückrufaktion könnte alles verzögern.

Wegen eines Produktionsfehlers müssen sogenannte Stromschienen in den Zwischendecken am BER ausgetauscht werden. Gewerbemieter befürchten deswegen Verzögerungen.

Wegen eines Produktionsfehlers müssen sogenannte Stromschienen in den Zwischendecken am BER ausgetauscht werden. Gewerbemieter befürchten deswegen Verzögerungen.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Schönefeld. Wegen einer Rückrufaktion am Flughafen BER befürchten zahlreiche Gewerbemieter neue Verzögerungen bei den weiteren Bauarbeiten. Wie die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) auf Anfrage der Berliner Morgenpost bestätigte, müssen in einigen Gewerbeeinheiten sogenannte Stromschienen ausgetauscht werden.

„Hierbei handelt es sich um einen Fabrikationsfehler, der dem Hersteller bereits bekannt ist“, sagte Flughafen-Sprecher Daniel Tolksdorf am Donnerstag. Die Bauteile stammen von Siemens. Der deutsche Industriekonzern ist von Anfang an auf der BER-Baustelle aktiv.

Nach Informationen der Morgenpost sollen sich auf den metallischen Stromschienen sogenannte Whisker gebildet haben. Das sind millimeterkleine Haarkristalle, die allerdings unter elektrischer Spannung Kurzschlüsse verursachen können. Grund für das Whiskerwachstum ist ein zu geringer Blei-Anteil in der Legierung der Stromschienen. Das Bauelement ist Teil der Zwischendecken, die für den Aus- und Wiedereinbau der Technik nun wieder aufgerissen werden müssen.

Rückrufaktion am BER soll bis zum ersten Quartal 2020 abgeschlossen sein

Nach Morgenpost-Information sind von den Arbeiten ein Großteil der rund 200 Gewerbeflächen am BER betroffen. Der FBB-Sprecher bestätigte die Größenordnung auf Anfrage, nannte jedoch keine konkreten Zahlen. Nach Angaben der Flughafengesellschaft seien die Mieter in einem Schreiben über die Notwendigkeit der Bauarbeiten informiert worden. Mitte November sei mit den vorbereitetenden Arbeiten begonnen worden, so Tolksdorf. „Wir rechnen mit einer Fertigstellung im ersten Quartal 2020“, erklärte er weiter.

Mieter allerdings sind in der Sache weniger optimistisch. „Der Flughafen spielt das Thema herunter“, sagte der Mieter einer Gewerbefläche der Berliner Morgenpost. Tatsächlich kommt es bereits jetzt zu Verzögerungen. Wie die Morgenpost aus einer mit dem Vorgang vertrauten Quelle erfuhr, soll der Hersteller der Stromschienen Lieferschwierigkeiten haben. Demnach soll die Wartezeit für die Produkte derzeit zwischen drei und vier Monate betragen.

Probleme mit den Stromschienen gibt es nicht nur am BER

Das liegt auch daran, dass es nicht nur am BER Probleme mit den Bauteilen geben soll, sondern auch in anderen Gebäuden, in denen die Stromschienen eingebaut worden sind. Der Flughafen dementierte den Sachverhalt auf Anfrage nicht. Man halte aber an dem für die Fertigstellung geplanten Zeitraum fest, so FBB-Sprecher Tolksdorf.

Dennoch mehren sich unter den Mietern die Zweifel, ob alle Gewerbeeinheiten am BER zeitgleich zu der geplanten Betriebsaufnahme des Flughafens im Oktober 2020 fertig werden. Aufgrund des Austauschs der Stromschienen soll es bei zahlreichen Mietern Unsicherheiten zum weiteren Innenausbau ihrer Objekte geben.

Flughafenchef will am Freitag BER-Eröffnungstermin verkünden

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup will nach der Sitzung des Aufsichtsrats am Freitagabend verkünden, an welchem Tag dort nach jahrelangen Verzögerungen die ersten Flugzeuge abheben sollen. Mit einem konkreten Termin dürfte der öffentliche Druck auf die Verantwortlichen noch einmal zunehmen. Schon sechsmal ist die Eröffnung bislang verschoben worden. Dass es diesmal – mit neun Jahren Verspätung – tatsächlich klappen könnte, glauben inzwischen aber immer mehr Beteiligte. Zuletzt hieß es auch in Regierungskreisen, der termingerechte Start sei nicht gefährdet.

Doch es wird eng. Noch immer müssen zahlreiche Mängel an den Kabelverbindungen abgearbeitet werden, auch wenn dies zu einem erheblichen Teil bereits geschehen sei, wie Lütke Daldrup betont. Nachgeprüft werden müssen aber auch Brandschutzsysteme wie etwa sogenannte Rauchschürzen sowie die technischen Systeme des Bahnhofs im Zusammenspiel mit den Anlagen des darüber liegenden Flughafens. Diese sollen in den nächsten Wochen beginnen.

Gewerbemieter am BER bezweifeln Aktualität der Konzepte

Einige Gewerbemieter befürchten unterdessen bereits, dass der BER schon vor der geplanten Eröffnung nicht mehr dem heutigen Stand der Technik entspricht. Einige Konzepte, etwa was die Anzahl der Kontaktpunkte mit den Passagieren angeht, seien seit 2012 nicht mehr überarbeitet worden, kritisiert ein Mieter. Angesichts des digitalen Wandels bewege sich ein Fluggast heute wesentlich autarker durch einen Airport.

Weil sich das Konsumentenverhalten verändert habe, benötige man in einem Airport demnach weniger Schalter, sondern vielmehr eine offenere Gestaltung mit vereinzelten Pick-up-Flächen, so ein Mieter. Über ein anderes Raumlayout sei aber seitens der FBB bis heute nicht gesprochen worden, beklagte er.

Der Flughafen will sich auf diese Diskussion nicht einlassen. „Das Interieur ist Sache der Mieter“, teilte ein Sprecher mit. Insgesamt soll am Terminal 1 des BER auf einer Fläche von mehr als 19.000 Quadratmetern Gewerbe angesiedelt werden, darunter Cafés, Restaurants, Duty-free-Shops, Fundbüros und Flughafen-Lounges.