Medizin

Charité und Helios werben für geplantes Krebszentrum in Buch

In Buch soll eine Anlage für eine besondere Krebsbehandlung entstehen. Doch die spätere Finanzierung der Therapie ist unsicher.

Die Protonentherapie kostet bis zu 30.000 Euro.

Die Protonentherapie kostet bis zu 30.000 Euro.

Foto: BSIP / UIG via Getty Images

Berlin. Das Universitätsklinikum Charité und der private Klinikkonzern Helios planen die Einrichtung eines Protonentherapiezentrums in Buch, in dem eine besonders präzise und schonende Krebstherapie möglich sein soll. Doch das Kooperationsprojekt steht vor einer Hürde: Denn die Krankenkassen sind bei dem Projekt, vor allem der späteren Finanzierung der Behandlungen, zurückhaltend. Vereinbarungen zur Kostenübernahme fehlen bislang.

Helios und Charité sind dagegen von dem Projekt überzeugt. 45 Millionen Euro will Helios in den Bau des neuen Zentrums mit Anbindung an das Klinikum in Buch sowie die Medizintechnik investieren. Die Charité übernimmt die wissenschaftliche Begleitung, um neue Erkenntnisse über die moderne Therapieform gewinnen.

Bei der Protonentherapie lassen sich laut Experten Tumore präziser behandeln als bei einer gewöhnlichen Bestrahlung, sodass umliegende Organe geschont werden. Zudem ließen sich Nebenwirkungen und das Risiko für Folgetumore reduzieren, sagt Robert Krempien, Chefarzt der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Helios Klinikum in Buch, der auch betont: „Es gibt eine große Zahl an Patienten, die für die Therapie infrage kommen.“

Therapie eignet sich besonders für krebskranke Kinder

Geeignet ist sie unter anderem für die Behandlung von Gehirn- und Rückenmarkstumoren. In der geplanten Anlage in Buch könnten jährlich 500 bis 700 Patienten behandelt werden, so die Einschätzung von Helios. Denn angeboten wird eine Protonentherapie in Nordostdeutschland bislang noch nicht. Stattdessen müssen Patienten etwa nach Heidelberg, Essen oder Dresden fahren.

Von einer Protonentherapie könnten besonders auch Kinder profitieren. Ihre Körper sind kleiner, „deshalb ist es noch wichtiger, dass präziser bestrahlt wird“, erklärt Patrick Hundsdörfer, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum in Buch. Zudem wachse das Risiko, nach einer konventionellen Bestrahlung erneut einen Tumor zu bekommen, mit jedem Lebensjahr. Der Arzt hat deshalb bereits zahlreiche Kinder zur Protonentherapie an andere Zentren vermittelt.

„Das ist eine große Anstrengung für die Familien“, sagt er. Die Kinder seien von der parallel stattfindenden Chemotherapie geschwächt und müssten dann durch die Gegend fahren. „Ich bin fassungslos, dass das Projekt hier stockt. Das ist aus meiner Sicht als Kinderonkologe nicht zu verantworten“, sagt Hundsdörfer.

Kapazitäten für Protontherapie aus Sicht der Krankenkassen ausreichend

Die Zurückhaltung der Krankenkassen hängt mit den Kosten der Protonentherapie zusammen: 26.000 bis 30.000 Euro kostet die Behandlung, die damit etwa fünf bis sechs Mal so teuer ist wie eine konventionelle Bestrahlung. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, betont jedoch, dass sich langfristig durch die Protonentherapie sogar Kosten sparen ließen, weil Langzeitnebenwirkungen reduziert werden.

Die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen- und verbände in Berlin (ARGE) stehe dem Vorhaben durchaus aufgeschlossen gegenüber, sagt Dirk Becker, Sprecher der AOK Nordost. Der Medizinstandort Berlin könnte so gestärkt werden, wenn es einen Fokus auf die Forschung gebe.

Allerdings weist Becker darauf hin, dass aus Sicht der Kassen die vorhandenen Kapazitäten für die Protonentherapie in Deutschland ausreichend seien. Die Kosten für die Behandlungen an den anderen Standorten wird in Einzelverfahren erstattet; Teil der Regelversorgung ist die Therapie nicht.

Bis in Buch Patienten behandelt werden könnten, werde es aber bis mindestens zum Jahr 2022 dauern, erklärt Becker. „Insofern besteht aus Sicht der ARGE keine Notwendigkeit, zum jetzigen Zeitpunkt bereits einen Vertrag abzuschließen.“

Baugenehmigung für Krebszentrum in Buch soll nächstes Jahr folgen

Anders stellt sich das für den Klinikkonzern Helios dar, der möglichst Sicherheit über die Kostenübernahme haben möchte, bevor Millionen in die Technik investiert werden. Bis dahin wird es aber noch etwas dauern. „Wir befinden uns zurzeit in der Baugenehmigungsphase“, sagt Sebastian Heumüller, Regionalgeschäftsführer Helios Region Ost. Diese werde wohl bis mindestens Mitte 2020 dauern, etwa weil eine „enorme Strahlenschutzplanung“ erforderlich sei. Bei der anschließenden Bauzeit wird mit zwei Jahren gerechnet.