Straßenverkehr

Ingenieure fordern niedrigeres Verkehrstempo in Städten

Wie kann der Straßenverkehr sicherer gemacht werden? Auch durch neue Verkehrsregeln in Städten, sagt der Verband deutscher Ingenieure.

Zwischen Auto- und Radfahrern kommt es häufig zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr.

Zwischen Auto- und Radfahrern kommt es häufig zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Seit Jahren bleibt die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland relativ konstant. Auch in Berlin war zuletzt keine signifikante Abnahme der Opferzahl zu erkennen. Das Ziel bei Regierungen und Verbänden heißt jedoch „Vision Zero“, null Tote im Straßenverkehr.

Bis 2030 will die Bundesregierung die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten zumindest halbieren. Um das zu erreichen arbeitet auch der Verband deutscher Ingenieure an Vorschlägen. Die Karossenbauer sind dabei schon länger zum Schluss gekommen: Mit sichereren Autos und mehr Technik alleine wird das Ziel vor allem kurzfristig nicht zu erreichen sein.

Verband plädiert auf andere Regeln im Straßenverkehr

Der Verband plädiert deshalb neben technischen Entwicklungen der Fahrzeuge unter anderem auf andere Regeln im Straßenverkehr. „Wir müssen den Verkehrsraum anpassen“, sagte Jürgen Bönninger, Geschäftsführer der Fahrzeugsystemdaten GmbH aus Dresden am Rande einer VDI-Tagung zum Thema Verkehrssicherheit in Berlin.

Bönninger sprach von einer „kompletten Umordnung“ des Straßenraums, etwa mit einer klareren Trennung von Autos und verletzlichen Verkehrsteilnehmern, wie Radfahrer, denen zusätzliche Spuren zur Verfügung stehen sollten.

Fußgänger und Radfahrer müssen besser geschützt werden

Während unter Kraftfahrern die Zahl der Toten weiter zurückgeht, steigt in Deutschland der Anteil an ungeschützten Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern oder Radfahrern, die im Straßenverkehr ums Leben kommen. Zwei von drei Personen, die 2018 auf Berlins Straßen starben, stammen aus dieser Gruppe.

Um sie besser zu schützen, sei es nötig, Verkehrsregeln anders als heute ortsabhängig anpassen zu können. „In urbanen Städten muss die Regelung stattfinden“, so Bönninger. Das sieht die Straßenverkehrsordnung bisher nicht vor. Auf Hauptstraßen ist es in Städten bis heute rechtlich ohne gesonderte Begründung nicht möglich, Tempo 30 auszuweisen.

Hier forderte Bönninger ein Umdenken: „Wenn eine Stadt Tempo 10 an einer Stelle für richtig hält, soll sie das selbst entscheiden können.“ Sinnvoll seien auch situationsabhängige Verkehrsregeln. Geschwindigkeitsbegrenzungen etwa könnten sich mit der Uhrzeit und Verkehrslage anpassen.