Neuer Konzernsitz

Pop wirbt mit Tesla-Ansiedlung um Siemens

Die Wirtschaftssenatorin will den Hauptsitz der Konzernsparte Siemens Energy in die Stadt locken.

Brandenburg freut sich auf Tesla

Der US-Autobauer will vor den Toren Berlins eine neue Fabrik bauen.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Das geplante Werk des Elektroauto-Pioniers Tesla vor den Toren Berlins könnte der deutschen Hauptstadt auch im Werben um die Ansiedlung der Siemens-Konzernsparte Energy helfen.

In einem Brief, den Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) in der vergangenen Woche an den designierten Siemens-Energy-Vorstandschef Michael Sen schickte, verwies sie explizit auf die Möglichkeiten, die sich auch für Siemens aus der Tesla-Ansiedlung ergeben könnten. Das Papier liegt der Berliner Morgenpost exklusiv vor.

Die Hauptstadtregion sei aufgrund ihrer positiven Entwicklung in den letzten Jahren, vor allem im Bereich Energie und Automotive, der ideale Ort, um energietechnische Innovationen zu erarbeiten. Dadurch sei es auch möglich, die Produkte anwendungsorientiert weiterzuentwickeln und einzusetzen, schrieb die Politikerin.

„Diese Standortqualitäten haben Tesla überzeugt, sich mit der Gigafactory 4 im Berliner Umland zur Produktion auch von Batteriespeichern und mit einem Design- und Engineering-Center in Berlin anzusiedeln“, so Pop weiter.

Tesla-Ansiedlung bietet auch für Siemens neue Möglichkeiten

Das Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide und das in Berlin geplante Design- und Entwicklungszentrum böte Siemens somit auch in der deutschen Hauptstadt die Möglichkeit, mit „großen Unternehmen aus der Automobilindustrie und im Bereich der Batteriezellproduktion zusammenzuarbeiten“, schrieb Berlins Wirtschaftssenatorin.

Pop verwies zudem darauf, dass darüber hinaus inzwischen weitere vielversprechende neue Projekte die „idealen Gegebenheiten und die für energietechnische Innovationen vorhandenen Kompetenzen und Testräume in Berlin“ nutzen würden.

Siemens sucht bereits seit mehreren Monaten nach einem neuen Standort für den Hauptsitz des künftigen Konzerns Energy. Deutschlands größtes Industrieunternehmen plant zudem, Energy – und damit das traditionsreiche Energiegeschäft mit der bisherigen Sparte Gas and Power und der Mehrheitsbeteiligung an dem Windkraftspezialisten Siemens Gamesa – im kommenden Jahr an die Börse zu bringen.

Da das Geschäft für rund 40 Prozent der Siemens-Konzernumsätze steht, würde Energy von Beginn an im Dax notiert sein. An der Spitze des neuen Konzerns soll Michael Sen stehen, der bereits Erfahrungen mit Börsengängen hat. Zuletzt brachte er im März des vergangenen Jahres die Siemens-Medizintechniksparte Healthineers an die Börse. Mittlerweile ist das Unternehmen im MDax notiert.

Künftiger Siemens-Energy-Chef Michael Sen hat in Berlin gelernt und studiert

Die Personalie Sen hat auch beim rot-rot-grünen Senat die Hoffnung geweckt, Siemens könnte sich als Standort für den Energy-Sitz am Ende doch für Berlin entscheiden. Denn Sen, so heißt es, habe Berlin zumindest in guter Erinnerung, legte er doch hier die Grundlagen für seine Managerkarriere.

In den Neunzigerjahren hatte er zunächst seine Stammhauslehre bei Siemens Berlin und dann auch sein Betriebswirtschaftslehre-Studium an der Technischen Universität absolviert.

Berlins Politiker werben seit einem guten halben Jahr um den Sitz der neuen Konzernzentrale. Dabei geht es auch um Prestige. Siemens Energy wäre der erste, lang ersehnte Dax-Konzern in der deutschen Hauptstadt. Nach Informationen der Morgenpost hat sich auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) schon mit Siemens-Konzernchef Joe Kaeser dazu ausgetauscht. Kaeser gilt als Berlin-Freund, der bei öffentlichen Auftritten nur allzu gerne auf die Berlin-Vergangenheit seines Konzerns hinweist: 1847 wurde Siemens in einem Kreuzberger Hinterhof gegründet.

Siemens-Chef Joe Kaeser entscheidet nicht allein

Kaeser allerdings wird die Entscheidung über den neuen Sitz von Siemens Energy nicht allein fällen. Zwar wird der Vorstand formal eine Vorgabe machen, das letzte Wort hat aber der Aufsichtsrat – und dort spielen auch Arbeitnehmervertreter eine Rolle.

Die Gewerkschaft IG Metall, die auch im Siemens-Aufsichtsrat vertreten ist, hatte zuletzt kein Geheimnis daraus gemacht, dass man sich den Energy-Konzernsitz in Erlangen vorstellen könnte. Auch München sei möglich – oder gar ein Doppelstandort in beiden bayrischen Städten.

Das Rennen allerdings sei noch offen, verriet eine mit den Gesprächen vertraute Quelle der Berliner Morgenpost. Eine Entscheidung, wo die Zentrale von Siemens Energy angesiedelt wird, solle erst im Januar fallen.

Bis dahin wird sich Siemens auch mit Berlin-Vertretern zu weiteren Gesprächen treffen: Einem konstruktiven Austausch zur weiteren Zusammenarbeit des Berliner Senats mit Siemens Energy sehe sowohl sie als auch Müller mit großem Interesse entgegen, schrieb Wirtschaftssenatorin Pop am Ende ihres Briefs.