Schlossparkklinik

Weizsäcker-Sohn erstochen – Wenn Ärzte zu Opfern werden

Der Angriff auf Fritz von Weizsäcker ist nicht der erste in Berlin. Es kam bereits mehrfach zu Gewalt gegen Ärzte.

Krankenwagen stehen am Dienstagabend vor der Schlosspark-Klinik. Dort wurde Fritz von Weizsäcker nach einem Patientenvortrag erstochen.

Krankenwagen stehen am Dienstagabend vor der Schlosspark-Klinik. Dort wurde Fritz von Weizsäcker nach einem Patientenvortrag erstochen.

Foto: Thomas Peise

Der Angriff auf Chefarzt Fritz von Weizsäcker in der Charlottenburger Schlossparkklinik am Dienstagabend ist nicht die erste tödliche Attacke auf einen Mediziner in Berlin in der jüngeren Vergangenheit. Im Januar 2018 war in Marienfelde der Arzt Dr. Martin D. (67) erschossen worden. Er hatte gerade seine Praxis in Marienfelde verlassen, als ein Täter mehrere Schüsse auf ihn abgab. Der schwer verletzte Mediziner war von Zeugen im Hof des Büro- und Praxiskomplexes entdeckt worden. Ein Notarzt konnte dann jedoch nur noch den Tod des Mannes feststellen. Der Täter konnte unerkannt fliehen. Die Ermittler gingen schnell davon aus, dass der Täter Ortskenntnis gehabt haben muss. Weil die Ermittlungen der 8. Mordkommission aber in einer Sackgasse stecken, lobte die Staatsanwaltschaft in diesem Jahr, gut ein Jahr nach der Tat, eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. Der Fall konnte immer noch nicht aufgeklärt werden.

Angriffe auf Ärzte in Berlin: 72-Jähriger erschießt Kieferchirurg

Im Juli 2016 hatte ein Patient des Benjamin-Franklin-Klinikums der Charité in Steglitz Kieferchirurg Thomas P. erschossen. Danach erschoss der 72 Jahre alte Täter, Reiner B. aus Spandau, sich selbst. Der Mediziner erlag damals trotz sofort eingeleiteter Notoperation und mehrstündiger Reanimationsbemühungen seiner Kollegen seinen Verletzungen. Er hinterließ eine Frau und zwei Kinder. Täter und Opfer hatten sich seit Jahren gekannt. Der Todesschütze war wegen einer schweren Erkrankung im Franklin-Krankenhaus in Behandlung. Das Spezialgebiet des getöteten Oberarztes waren schwere Tumorerkrankungen.

Laut einer älteren Studie der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, die einen Fachartikel zum Thema Angriff auf Mediziner veröffentlicht hatte, werden jedes Jahr durchschnittlich zwei Ärzte in Deutschland von Patienten lebensgefährlich verletzt oder getötet. Betroffen seien vor allem Psychiater, Nervenärzte, Psychotherapeuten und Hausärzte. In der Regel würden Patienten aus Enttäuschung über die Behandlung oder über Gutachten handeln.

73 Gewaltfälle gegen Ärzte in Deutschland pro Tag

Laut einer aktuelleren und kontrovers diskutierten Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) aus dem Jahr 2018 und der NAV-Virchow-Bund kommt es in Deutschland am Tag in Arztpraxen 288-mal zu körperlicher Gewalt gegen Mediziner und Mitarbeiter. Später mussten die Macher der Studie gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“ allerdings einräumen, dass sie sich verrechnet hatten. Tatsächlich kommt es in Deutschland am Tag zu 73 Fällen von Gewalt gegen Mediziner und ihre Mitarbeiter. In die Studie flossen nicht nur tatsächliche Angriffe ein, sondern auch „physische Drohungen“. Da dieser Begriff juristisch ungenau ist, kann nicht exakt gesagt werden, wie genau die Zahlen sind. Insgesamt waren die Antworten von 7561 Ärzten ausgewertet worden. Diese Antworten waren wiederum auf alle 147.000 Mediziner in Deutschland hochgerechnet worden.

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