Transsexualität

Trans Pride Flagge vor dem Rathaus Schöneberg gehisst

In Schöneberg wird am Transgender Day of Remembrance der Opfer transfeindlicher Gewalt gedacht

Der Bezirk gedenkt mit der blau-rosa-weißen Flagge der Opfer transfeindlicher Gewalt

Der Bezirk gedenkt mit der blau-rosa-weißen Flagge der Opfer transfeindlicher Gewalt

Foto: Julia Lehmann

Vor dem Rathaus Schöneberg ist die blau-rosa-weiße Flagge gehisst. Die Trans Pride Flag repräsentiert die Gemeinschaft transsexueller Menschen. Am heutigen Transgender Day of Remembrance, am Gedenktag der Opfer transfeindlicher Gewalt, soll insbesondere derer gedacht werden, die durch transfeindliche Angriffe getötet oder in den Selbstmord getrieben wurden. Gerade dort, wo Homo- und Transsexualität gelebt wird, in Schöneberg, ein wichtiges Statement.

Rita Hester war eine transsexuelle, afroamerikanische Frau. Sie wurde 1998 in Massachusetts, USA, ermordet. Und obwohl der Mord an ihr nie aufgeklärt wurde, waren sich viele einig, dass es sich hier um einen Fall transphober Gewalt handeln muss. Seit 1999 wird ihr zu Ehren der Transgender Day of Remembrance begangen.

Innerhalb eines Jahres sterben 323 transsexuelle Menschen

Gedacht werden soll vor allem der 323 Opfer weltweit, die seit 1. Oktober 2018 bis 30. September 2019 in diesem Zusammenhang zu Tode kamen. Nancy de Monza aus Italien, Milo Mazurkiewicz aus Polen, Gökce Naz Saygi aus der Türkei, Nika Surgutskaya aus Russland und Bee Love Slater aus den USA stehen stellvertretend für diese Tode.

Als Bezirk, in dem der bekannte Regenbogenkiez zuhause ist, ist bereits am Dienstag am Schöneberger Rathaus nun mehr zum zweiten Mal die Trans Pride Flagge gehisst worden. Der benachbarte Justizsenat nahm sich der Würdigung in diesem Jahr erstmalig an. Dort wurde im Beisein von Senator Dirk Behrendt und der Trans-Community um den Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg die blau-rosa-weiße Flagge ebenfalls gehisst.

Das bedeuten die drei Farben in den Streifen der Trans Pride Flagge:

blau: Männlichkeit

rosa: Weiblichkeit

weiß: nicht-binäre, intergeschlechtliche und transitionierende Menschen

Auch wenn sich die Akzeptanz von lesbischen, schwulen, bisexuellen sowie trans- und intergeschlechtlichen (LSBTI) Menschen deutlich positiv entwickelt, erfahren viele Betroffene noch immer Diskriminierung und Gewalt. Transfeindlichkeit ist Alltag, ohne dass er als solcher wahrgenommen wird. Viele nehmen Angriffe als gegeben hin, schreibt der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg auf seiner Internetseite.

Seit 2015 haben LSBTI-Fachstellen in Berlin 540 Fälle von Diskriminierung und Gewalt gegen LSBTI Personen dokumentiert. Es ist von einer deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen. Und das auch in der Regenbogenstadt Berlin. Berlin habe ein anhaltend hohes Gewaltniveau im öffentlichen Raum, sagt Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands Berlin-Brandenburg mit Blick auf die Kriminalitätsstatistik, die in den nächsten Wochen veröffentlicht wird.

Berliner Fußballverband trifft wichtige Entscheidung zugunsten von Trans-Menschen

Gerade dort, wo Homosexualität oder Transsexualität offen gelebt wird, in Schwulenvierteln wie Schöneberg etwa, würden sich Angriffe häufen, sagt Steinert. Er hält es gerade deshalb für wichtig, dass dort eine Würdigung der Opfer stattfindet und gleichermaßen signalisiert wird, dass Gewalt und Diskriminierung hier keinen Platz haben. „Schöneberg war mit seinem Regenbogenkiez immer Vorreiter“, so Steinert. Sichtbarkeit und negative Reaktionen würden häufig zusammenhängen.

„Auch bei uns wird in den Medien immer wieder über Angriffe auf transgeschlechtliche Menschen berichtet. Ich finde es sehr wichtig, dass Transfeindlichkeit, wo immer und in welcher Form sie auch auftritt, thematisiert und verurteilt wird“, sagt Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler.

Erste Zufluchtswohnung für schwule Männer und Trans-Menschen in Berlin

Einen wichtigen Vorstoß hat es am Wochenende beim Sport gegeben. Der Berliner Fußball-Verband (BFV) hat bei seinem Verbandstag entschieden, dass Menschen mit dem Personenstandseintrag „divers“ selbst entscheiden können, ob ihre Spielberechtigung für die Frauen- bzw. Mädchenteams oder die Herren- bzw. Jungenteams erteilt werden soll. Als erster in Deutschland habe der BFV diesen wichtigen Schritt gemacht, sagt Jörg Steinert. Trans-Menschen dürften auch im Sport – für viele ein wichtiger Lebensbereich – nicht ausgeschlossen oder benachteiligt werden.

Neben der Beratung und dem Schutz für Opfer gibt es seit gut einem Monat in Berlin eine Zufluchtswohnung für Menschen, die wegen ihrer Sexualität verfolgt oder bedroht werden. Seit vielen Jahren habe sich der Lesben- und Schwulenverband dafür eingesetzt, sagt Jörg Steinert. Für schwule Männer und Trans-Menschen habe es so etwas nie gegeben. Umso glücklicher ist er nun darüber, dass wieder ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung gemacht wurde.

Hier finden Sie Hilfsangebote für Schwule, Lesben und Trans-Menschen:

Lesbenberatung Berlin e.V.

Mann-O-Meter e.V.

Schwulenberatung Berlin gGmbh

Polizei Berlin, Ansprechperson für LSBTI