Tourismus

Berlin-Reisen für Berliner: Für 138 Euro ins Luxushotel

Nicht jedem gefällt, dass die Zahl der Touristen in Berlin seit Jahren steigt. Hoteliers reichen Einwohnern nun die Hand.

Touristen in Berlin: 20 Prozent der Stadtbewohner sind genervt, der Großteil nutzt aber auch selber gerne touristische Angebote. Nun startet erneut die Aktion  "Erlebe Deine Stadt" der Tourismus-Vermarkter von "Visit Berlin".

Touristen in Berlin: 20 Prozent der Stadtbewohner sind genervt, der Großteil nutzt aber auch selber gerne touristische Angebote. Nun startet erneut die Aktion "Erlebe Deine Stadt" der Tourismus-Vermarkter von "Visit Berlin".

Foto: Reto Klar

Berlin. Einmal im Jahr reichen Berlins Hoteliers den Bewohnern der Stadt gewissermaßen die Hand: „Erlebe Deine Stadt“ heißt das Format, das die landeseigene Tourismusmarketinggesellschaft „Visit Berlin“ vor zehn Jahren ins Leben gerufen hat. Berliner können dabei sozusagen zum Sonderpreis eine Nacht in einem besseren Hotel der Stadt verbringen.

Dazu gibt es allerlei Annehmlichkeiten wie ein Abendmenü, Frühstück und einen Willkommensdrink. Frühanreise und Spätabreise ist in dem Angebot ebenso inklusive wie die Nutzung von Wellness- und Fitnessbereich. Rund 50.000 Berliner haben das Angebot seit Bestehen bereits genutzt.

In kommenden Jahr laden Berlins Hoteliers vom 4. auf den 5. Januar zu einem Kurzurlaub in der eigenen Stadt ein. 138 Euro für zwei Personen kostet die Übernachtung im Fünf-Sterne-Luxushotel, 118 Euro werden für ein Zimmer in Vier- und Drei-Sterne-Hotels aufgerufen. 86 Häuser machen mit, darunter ist auch erstmals das traditionsreiche Adlon am Brandenburger Tor.

"Erlebe Deine Stadt" 2020 von Visit Berlin: Hotels wollen Berlinern etwas zurückgeben

Ein anderes Luxushotel in der Stadt, das Waldorf Astoria in der City West, ist bereits seit sechs Jahren dabei, sagte Hoteldirektor Gregor Andréewitch. „Das ist kein Abend, an dem man Geld verdient. Es geht darum, etwas zurückzugeben und einzuladen“, erklärte er. Das Kontingent ist bei allen Anbietern allerdings begrenzt. Interessierte Berliner müssen deswegen besonders schnell sein.

„Visit Berlin“-Chef Burkhard Kieker sagte am Dienstag, die Diskussion um die Stadtverträglichkeit und Akzeptanz des Tourismus habe gezeigt, dass Berlin mit dem Angebot genau richtig liege. Mit „Erlebe Deine Stadt“ sollen die Berliner Hotels kennenlernen und verstehen, warum der Wirtschaftszweig so wichtig für Berlin sei, so Kieker. Er betonte, dass der Tourismus mit rund zwölf Milliarden Euro Jahresumsatz und etwa 250.000 Menschen, die von den Besuchern der Stadt lebten, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige sei.

20 Prozent der Berliner fühlen sich von Touristen gestört

Dennoch machen sich die Berliner verstärkt Sorgen über die schiere Flut der Touristen. 20 Prozent der Einwohner geben einer repräsentativen Umfrage zufolge an, sich von den Touristen eingeschränkt oder gestört zu fühlen. Im vergangenen Jahr lag der Wert noch leicht niedriger, gab Kieker zu. Berlins oberster Tourismuswerber selbst rechnet in diesem Jahr damit, dass schlussendlich mehr als 14 Millionen Menschen mindestens einmal in der Stadt übernachtet haben werden. Allein zwischen Januar und September dieses Jahres verzeichnete Berlin mit fast 10,5 Millionen Gästeankünften in Hotels und Pensionen ein Plus von 3,9 Prozent.

Berlin sei aber weit davon entfernt, von Touristen überlaufen zu werden, sagte Kieker. „Overtourism ist in der Stadt keine breite Bewegung“, erklärte er. Anders als Städte wie Venedig oder Salzburg liege das auch daran, dass Berlin eine multizentrische Metropole sei. Für Kieker gehe es deswegen nun stärker darum, Tourismus in der Stadt zu managen. Dafür hatte Visit Berlin im vergangenen Jahr unter anderem ein neues Bezirke-Konzept aufgelegt. Seitdem berät die Agentur Spandau, Reinickendorf und Co. in der Frage, welche touristischen Angebote von bezirklicher Seite ins Schaufenster gestellt werden sollen, um Touristen anzulocken.

Bei Touristen gefragte Orte werden auch von den Berlinern selbst gerne aufgesucht

Dass Bedarf besteht, die Gäste besser zu verteilen, ist auch ein Ergebnis der aktuellen Umfrage. Demnach sind vor allem die Bewohner aus den Innenstadtbezirken genervt von den Touristen: Bei der Frage, wo sich die Berliner besonders von Touristen gestört fühlen, wurden vor allem Mitte, Kreuzberg, Friedrichshain, Charlottenburg und Prenzlauer Berg genannt. Als besonders durch Touristen belastete Orte stuften die Stadtbewohner den Alexanderplatz, den Checkpoint Charlie sowie die Warschauer Straße/Warschauer Brücke ein.

Bereits im Sommer hatte eine Stichprobe von „Visit Berlin“ aber bereits zum Vorschein gebracht, dass es vor allem Berliner selbst sind, die diese Orte gerne aufsuchen. Bei der Befragung, die an drei Wochenenden im Mai an sechs belebten Orten durchgeführt wurde, lag der Anteil der angetroffenen Touristen bei lediglich 26 Prozent.

Auch die touristischen Angebote in der deutschen Hauptstadt werden durchaus von den Berlinern selbst genutzt. In der aktuellen „Visit Berlin“-Umfrage gab jeder Zweite an, bereits an Stadt- oder Schiffsrundfahren teilgenommen zu haben. 59 Prozent gaben an, touristische Sehenswürdigkeiten zu besuchen. 84 Prozent der Befragten zieht es zudem zu den vielfältigen Kulturangeboten in der Stadt. Es gebe einen ausgeprägten innerberlinischen Tourismus, resümierte Kieker.

Berlin wirbt um Kongressteilnehmer und Kulturtouristen

Auch trotz der steigenden Touristenzahlen müsse Berlin weiter im In- und Ausland für sich werben, betonte Kieker. Es gehe darum, Bilder zu organisieren, die im kollektiven Gedächtnis der Welt hängen bleiben, sagte er mit Blick auf das Bild Berlins als Werbemarke. Zuletzt sei das etwa durch die Feiern zum Mauerfall am 9. November gut gelungen, so Kieker. Darüber hinaus arbeite Visit Berlin weiter daran, zahlungskräftige Touristen, Kongressteilnehmer und Kulturinteressierte in die Stadt zu ziehen. „Wir möchten Leute in der Stadt haben, die kultiviert sind und sich gut benehmen“, erklärte er.

Der Senat lässt sich die Arbeit von Visit Berlin einiges kosten: Zwischen 22 und 24 Millionen Euro ist der jährliche Etat der städtischen Tourismuswerber schwer. Kieker gibt offen zu, dass er darüber hinaus gerne noch einen gut ausgestatteten Fonds hätte, um stärker Kongresse nach Berlin ziehen zu können. Andere Tourismus-Agenturen würden weltweit gefragte Treffen mit Rabatten in ihre Städte locken. Das sei nicht das Ziel von Visit Berlin, sagte Kieker. „Meistens geht es nur darum, das Welcome-Dinner zu bezahlen“, erklärte er.

Linken-Abgeordnete wollte Kosten für Tourismuswerbung einsparen

Um das Werben um Touristen war im Sommer eine Diskussion entbrannt. Die stadtentwicklungs- und tourismuspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Katalin Gennburg, hatte gar gefordert, sich die Kosten zu sparen und gar kein Steuergeld mehr dafür auszugeben, um Besucher in die Stadt zu locken. Visit-Berlin-Chef Kieker hält das für Unsinn. Mit Gennburg will er nun das Gespräch suchen, kündigte er an. Auf eine Einladung hin habe sich die Abgeordnete allerdings noch nicht gemeldet.

Buchungen der Angebote zu „Erlebe Deine Stadt“ von Visit Berlin ab Mittwoch, 20. November, 9 Uhr unter visitberlin.de/erlebe oder unter 030/25 00 23 74 und 030/25 00 23 33