Prostitution

Prostitution in Berlin - Runder Tisch „Sexarbeit“ beendet

Das berlinweite Gremium hat über ein Jahr lang Maßnahmen für bessere Bedingungen für Sexarbeitende erarbeitet.

Prostituierte an der Kurfürstenstraße in Schöneberg

Prostituierte an der Kurfürstenstraße in Schöneberg

Foto: Reto Klar

Über ein Jahr lang tagte in insgesamt sechs Sitzungen der „Runde Tisch Sexarbeit“. Vertreter aus Senat, Bezirk, auch Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sowie soziale Organisationen und Betreiber von Bordellen trafen sich im November zu ihrer letzten Sitzung. In Kooperation mit der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sind Maßnahmen für ein landesweites Konzept erarbeitet worden, das möglichst schon ab 2020 umgesetzt werden soll. Der Berliner Senat muss die Empfehlungen aber noch beschließen.

Im Fokus des Handlungskonzepts steht die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen für Sexarbeitende, besonders an dem bekannten Straßenstrich in der Schöneberger Kurfürstenstraße.

Prostitution nicht aus der Öffentlichkeit verdrängen

Prostitution hat viele Gesichter und Namen. Nicht immer ist sie so sehr in die Mitte der Öffentlichkeit geraten wie dort. Man wolle die Wahrnehmung von Prostitution verändern und sie nicht einfach aus der Öffentlichkeit verdrängen, hatte Angelika Schöttler (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg und Vorsitzende des Runden Tisches, zum Auftakt gesagt.

„Das übergeordnete Ziel ist, dass Sexarbeitende ihre Tätigkeit unter sicheren und menschenwürdigen Bedingungen ausüben können, ohne sich selbst oder ihre Gesundheit zu gefährden“, lautet daher die Zielsetzung des beratenden Gremiums. „Was wir konkret wie intensiv umsetzen können, steht noch bis Jahresende unter dem Finanzierungsvorbehalt, da der Haushalt des Landes Berlin noch nicht beschlossen ist“, so Schöttler. Abhängig davon, wie viel Geld der Senat bewilligt, wird entschieden, welche Ideen auch umgesetzt werden.

Sexarbeit im Kurfürstenkiez: Sorgen der Anwohner berücksichtigt

Was der Runde Tisch nach eigener Beschreibung explizit nicht klären konnte, ist, warum und unter welchen Umständen sich jemand prostituiert. Strafrechtlich relevante Phänomene wie wie Ausbeutung und Menschenhandel wurden demnach nur am Rande beleuchtet. Dafür wurde auch die Fachkommission Menschenhandel zurate gezogen.

Die Lösungsansätze des Bezirks haben sich auch aus den wiederkehrenden Beschwerden der Anwohner ergeben. „Die Sorgen und Nöte der Anwohnenden sind dem Bezirksamt wichtige Grundlage für die Diskussionen über die zukünftige Erweiterungen der Angebote rund um die Kurfürstenstraße gewesen“, so Angelika Schöttler. Für das Teilthema Straßenprostitution hat es eine Veranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger gegeben. In einer Anwohnerbefragung, die bereits im Jahr 2018 durchgeführt wurde, wurden folgende Störfaktoren genannt:

  • Müll/Fäkalien


  • Sex in der Öffentlichkeit

  • Lärm

  • Teils aggressive Ansprache durch Prostituierte

Sexarbeit in Berlin - Wie die konkreten Ideen aussehen:

  • Privatsphäre: Um die Sauberkeit zu verbessern und zu vermeiden, dass Sexarbeitende ihre Tätigkeit öffentlich ausführen, sollen zwei oder drei Toiletten mehr aufgestellt werden, die über eine zweite Tür im Notfall eine Flucht ermöglichen. Wie die bisher schon verfügbaren sollen auch diese bestenfalls jeden Morgen gereinigt werden.


  • Sauberkeit: Damit sich Anwohner besser fühlen , gibt es weiterhin eine besondere Fegeflotte für den gesamten Kurfürstenkiez.

  • Hilfsangebote: Um auch in Zukunft unterstützende Angebote machen zu können, sollen die Öffnungszeiten des Frauentreffs „Olga“, Kurfürstenstraße 40, ausgeweitet werden. Auch am Wochenende sollen dort möglichst Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

  • Im Bereich Streetwork, also der direkten Ansprache auf der Straße durch Sozialarbeiter, soll ebenfalls eine Erweiterung stattfinden. Die Präsenz im Kiez soll erhöht werden.

In der letzten Sitzung des „Runden Tisches“ im November war das Handlungskonzept verabschiedet worden. Ein abschließender Bericht wird erst in den nächsten Wochen erwartet, heißt es aus dem Bezirksamt.

Knapp 2000 gemeldete Prostituierte in Berlin - 8000 vermutet

Mit dem Prostituiertengesetz von 2002 (ProstG) änderten sich die Rechtsverhältnisse von Prostituierten in Deutschland und öffneten Türen für einen liberalen Umgang damit. Prostitution war zwar auch davor nicht verboten, aber die gewerbliche Förderung, also Bordelle. Mit der Novellierung des Gesetzes im Jahr 2017 sollten Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen dazu verpflichtet werden, ihre Tätigkeit persönlich anzumelden und sich einem Gesundheitscheck zu unterziehen. All dies läuft für Berlin seither im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, konkret in der zentralen Anlaufstelle Probea im Rathaus Schöneberg, zusammen.

Vorbehalte gegenüber den Behörden sowie Ängste vor einem Outing führen aber dazu, dass der Großteil noch immer unbemerkt stattfindet. Die Zahl der aktuell gemeldeten Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen beträgt laut Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler 1995. Die tatsächliche Zahl der Prostituierten in der Stadt ist auch nach Einführung des Gesetzes nicht klar. Man vermutet etwa 8000 über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Wo und wie die Anmeldung funktioniert.