Kriminalität

Polizei steht vor einem neuen Typ des Kriminellen

Tschetschenische Banden kooperieren mit Rockern und Extremisten. Die Drahtzieher sitzen oft im Ausland.

Polizeibeamte bei einer Razzia in Neukölln  (Archivbild).

Polizeibeamte bei einer Razzia in Neukölln (Archivbild).

Foto: Paul Zinken / dpa

Berliner Ermittler beobachten einen neuen, hybriden Typ des Kriminellen. Speziell in der russischsprachigen Organisierten Kriminalität (OK) komme es zu Schnittmengen zwischen rockerähnlichen Gruppierungen und Extremisten. Die Grenzen seien in diesem Bereich oft fließend, hieß es.

Thomas Potzka, Ermittler beim Landeskriminalamt (LKA) Berlin, sagte, es gebe in der Hauptstadt diverse kriminelle Strukturen. Die gemeinsame Klammer sei die russische Sprache und die postsowjetische Herkunft. Wenn es Tote in Berlin gebe, habe das oft Hintergründe, die im Ausland lägen.

Als Beispiel nannte Potzka die tschetschenische OK, die sich auch aus Rockern und Extremisten zusammensetze. Zuletzt gab es in Berlin mit Schießereien in Wedding und Wittenau spektakuläre Verbrechen unter Beteiligung von Tschetschenen. Die Rockergruppierung Guerilla Nation Vaynakh, der viele Tschetschenen angehörten, habe sich zwar aufgelöst, doch die „landsmannschaftlich“ organisierten Strukturen wirkten weiter.

Berlin konzentriert sich auf Bekämpfung der Clankriminalität

In Berlin liegt das Augenmerk derzeit auf der Bekämpfung der Clankriminalität, weil sie den sichtbarsten Teil der Organisierten Kriminalität darstellt. Ermittler beobachten aber ein Erstarken der eurasischen Kriminalität. Nach einer ersten Welle in den 90er-Jahren mit zahlreichen Toten, die diesem Kriminalitätsbereich zugerechnet werden, beobachten die Spezialisten beim LKA ein Aufleben der Strukturen. Als herausragendes Beispiel gilt die Explosion einer Autobombe in der City West im März 2016. Dabei war ein 43-Jähriger getötet worden. Hinter dem Mord soll die tschetschenische Mafia stecken.

Solche präzisen, effizienten und hochprofessionellen Taten, heißt es aus Ermittlerkreisen, hätte es früher nicht gegeben. Das sei eine andere Qualität und nicht vergleichbar mit einem Clankriminellen, der im protzigen Auto zu Rapmusik auf der Sonnenallee in Neukölln fahre.