Standort Spandau

Osram-Mitarbeiter protestieren gegen den Stellenabbau

Mehr als 200 Mitarbeiter des Berliner Osram-Werks protestieren gegen neue Sparpläne und den drohenden Verkauf des Konzerns an AMS.

Osram-Beschäftigte demonstrieren am Montagmittag gegen einen geplanten Personalabbau. Am Standort in Spandau sollen bis 2021 etwa 200 der fast 700 Stellen wegfallen.

Osram-Beschäftigte demonstrieren am Montagmittag gegen einen geplanten Personalabbau. Am Standort in Spandau sollen bis 2021 etwa 200 der fast 700 Stellen wegfallen.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Mit Trillerpfeifen und selbst gemalten Transparenten haben am Montagmittag mehr als 200 Beschäftigte des Osram-Werks in Spandau gegen einen drohenden Arbeitsplatzabbau protestiert.

In der Leuchtmittel-Fabrik sind derzeit rund 670 Beschäftigen tätig. Laut Gewerkschaft IG Metall soll die Zahl der Jobs an dem Standort in den kommenden zwei Jahren auf weniger als 500 fallen. Grund dafür seien laut Management sinkende Erlöse und Verluste in einigen Geschäftsfelder.

Die Gewerkschaft in Berlin hatte die Pläne bereits in der vergangenen Woche öffentlich gemacht. Erst am Montagvormittag war die Berliner Belegschaft von Osram offiziell von Seiten der Standortleitung informiert worden, sagte der Betriebsratsvorsitzende von Osram in Berlin, Thomas Wetzel.

In der Fabrik in Siemensstadt werden bereits seit mehr als 100 Jahren Lampen und andere Leuchtmittel gefertigt. Ursprünglich gehörte Osram zu Siemens. Ende 2012 hatte der Konzern die Lampensparte an die Börse gebrach. Seitdem waren die Beschäftigten Stellenstreichungen gewohnt. Vor zehn Jahren waren in dem Werk noch gut 2200 Menschen tätig.

Erst kürzlich hatte Osram am Standort Teilbereiche geschlossen, darunter auch die vergleichsweise innovative Produktion von sogenannten selbstleuchtenden Textilien. Stattdessen würden die Produkte nun von einem Dienstleister im Ausland gefertigt, so der Betriebsrat. Als eine weitere Gefahr für den Standort sehen Gewerkschaft und Betriebsrat zudem die anstehende Übernahme von Osram durch den österreichischen Sensorspezialisten AMS.

„Osram ist zum Spielball auf dem Kapitalmarkt geworden“

„Wir alle stehen hier, weil wir wütend sind und weil wir Angst haben“, sagte Wetzel bei der Kundgebung vor dem Werkstor. „Angst, weil Osram zum Spielball auf dem Kapitalmarkt geworden ist und weil wir befürchten, nach einer Übernahme zerschlagen zu werden“, erklärte er weiter. AMS buhlt seit Monaten um Osram, hat mittlerweile bereits das zweite Übernahmeangebot für den börsennotierten Leuchtmittelhersteller abgegeben.

Regina Katerndahl, die zweite Bevollmächtige der IG Metall in Berlin, sagte vor den Osram-Mitarbeitern, es sei völlig unklar, wie AMS die Milliarden, die für die Übernahme nötig seien, finanzieren wolle. „Die Befürchtung ist groß, dass das nur über die Zerschlagung von Osram als Gesamtunternehmen gehen kann. Das wäre ein schwerer Schlag“, so Katerndahl. Angesichts der neuen Sparpläne bei Osram habe sie zudem das Gefühl, die Braut solle für den anstehenden Verkauf hübsch gemacht werden, sagte die Gewerkschafterin.

Katerndahl erklärte weiter, dass sich AMS bei der Übernahmeschlacht um Osram auch eine Gesetzeslücke entdeckt habe. „Es ist denkbar, dass hinter der Hartnäckigkeit von AMS auch andere Investoren stehen“, so Berlins Vize-IG-Metall-Chefin. AMS hatte eine Lücke im Wertpapierübernahmegesetz (WpÜG) genutzt und unter Umgehung einer zwölfmonatigen Sperrfrist nur wenige Wochen nach dem Scheitern eines ersten Übernahmeangebots bei der Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) ein zweites Angebot eingereicht. Speziell zu diesem Zweck war eine neue Bietergesellschaft gegründet worden.

Gewerkschaft fordert Investitionen in den Standort

Von der Osram-Geschäftsleitung fordert die Gewerkschaft nun Investitionen in den Standort und die Rücknahme der bereits beschlossenen Produktionsverlagerung. Auch aus der Politik bekommt die Belegschaft in Berlin Unterstützung. Der Spandauer Bundestagsabgeordnete Swen Schulz (SPD) sagte vor den Beschäftigen, Osram werde hier am Standort kaputtgespart.

„Das verstehe ich nicht und das halte ich auch für den falschen Weg“, so Schulz weiter. Mehrmals habe er bereits das Gespräch mit der Geschäftsleitung in Berlin gesucht und dabei auch politische Unterstützung etwa bei der Förderung von Forschung und Entwicklung in Aussicht gestellt. Schulz sagte zudem, er sehe für Osram auch gute Chancen im Zusammenhang mit dem Bau des Siemenscampus am Standort.

Wirtschaftssenatorin erwartet, von Osram Lösungen

Osram habe als Berliner Traditionsunternehmen eine große Bedeutung für den Standort, sagte am Montag auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). „Jetzt geht es vor allem um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Sorgen. Das Unternehmen steht hier in besonderer Verantwortung für seine Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ich erwarte, dass gemeinsam mit den Beschäftigten nach Lösungen gesucht wird“, erklärte Pop.

Unterdessen hat die IG Metall bereits vor einem weiteren Stellenabbau in Berlin gewarnt. Nach Angaben der Gewerkschaft plant der Automobilzulieferer im Reinickendorfer Werk den Abbau von rund 100 Arbeitsplätzen. An dem Standort stellen derzeit etwa 530 Mitarbeiter Getriebepumpen und Hydraulikpumpen für Servolenkungen her. Bosch leidet wie auch andere Zulieferer unter der sinkenden Nachfrage der Automobilhersteller. Bosch soll deswegen sogar einen Verkaufs des Berliner Werks erwägen.