Bildung

“Milla“-Lernfilme für lebenslanges Lernen 2.0

Mit coolen Lern-Filmen will das Projekt Milla Lust auf Lernen und Digitalisierung machen. Die Regierung will einsteigen.

Cisco-Chef Oliver Tuszik gibt sein Wissen über die Digitalisierung in den Lern-Filmen des Bochumer Start-ups Masterplan weiter.

Cisco-Chef Oliver Tuszik gibt sein Wissen über die Digitalisierung in den Lern-Filmen des Bochumer Start-ups Masterplan weiter.

Foto: CDU/Youtube

Politiker und Wirtschaftsbosse führen ja gern den Slogan vom „lebenslangen Lernen“ im Munde. Die Menschen müssten sich fit machen für wandelnde Arbeitswelten. Komplette Tätigkeiten gingen durch die Digitalisierung verloren. Da reiche es nicht mehr, nur auf das zu bauen, was man einmal in Ausbildung oder Universität gelernt hat.

Aber: „Wenn es schlecht gemacht ist, hat keiner Lust auf lebenslanges Lernen“, sagt Stefan Peukert. Der Jungunternehmer ist Chef von Masterplan. Das Bochumer Start-up hat sich zum Ziel gesetzt, die Weiterbildung in Deutschland zu modernisieren. Peukert spricht von einem „Netflix der Weiterbildung“, in Anspielung auf den beliebten Streaming-Dienst im Internet.

Gemeinsam mit Politikern der CDU/CSU-Bundestagsfraktion um den früheren Berliner Justizsenator und Digitalunternehmer Thomas Heilmann hat das Unternehmen das Projekt „Milla“ gestartet. „Milla“ steht für „Modulares Interaktives Lebensbegleitendes Lernen für Alle“ und soll nicht weniger als eine Weiterbildungswende bringen. Denn 50 Prozent aller Arbeitnehmer bildeten sich nach wie vor überhaupt nicht weiter, sagt Heilmann. Es gebe eine große Lücke, die angesichts der rasanten technologischen Entwicklung geschlossen werden müsse.

Das Wichtigste ist: Inhalte dürfen nicht langweilig sein

Deshalb hat die CDU „Milla“ beim Bundesparteitag im Dezember 2018 beschlossen. Das Konzept soll demnächst mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für vier Jahre groß ausgerollt werden. Als erste Testgruppe fungieren die Christdemokraten selbst. „Die CDU will sich digitalisieren“, so Heilmann: „Wir fangen bei uns selber mit der Weiterbildung an.“ Den Mitgliedern steht ein Grundkurs Digitalisierung zur Verfügung, insgesamt fast acht Stunden, aufgeteilt in vier bis sieben Minuten dauernde Etappen.

Das so genannte E-Learning funktioniert bei Masterplan über professionell gemachte Filme, die aussehen wie aus dem Kino. Spezialisten erklären in den Videos in meist einfachen Worten die verschiedenen Phänomene der Digitalisierung, von der Blockchain-Technologie bis zur Ökonomie der Plattformen, und die sich daraus ergebenden Geschäftsmodelle. Dabei sitzen sie in coolen Fabriketagen oder in anderen spektakulären Innenräumen. Immer wieder unterbrechen kurze Clips die Monologe, Grafiken tauchen auf, um Sachverhalte zu verdeutlichen.

Um die Inhalte für die Christdemokraten noch nützlicher zu machen, gibt es für sie noch eine kurze Einordnung, was das denn politisch zu bedeuten habe. So äußern sich die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, aber auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier sowie Heilmann und andere Bundestagsabgeordnete. Das sei zielgruppengerecht, findet der frühere Werbe- und Digitalunternehmer Heilmann. Schließlich sei es wichtig, dass Politiker auch politische Kommentare zu den präsentierten Themen bekommen.

Als Erzähler gecastete Personen sollen das Interesse sichern

Vor allem will „Milla“ nicht langweilig sein. Man habe Kameraleute und auch Texter von Netflix abgeworben, um eine Umsetzung in höchster Qualität zu sichern, sagt Masterplan-Chef Peukert. Zudem sollen die als Erzähler gecasteten Personen das Interesse der Zuschauer sichern. Tech-Guru Pascal Finette erklärt unter anderem, wie sich die Rechenleistung von Computern in zwei Jahren verdoppelt, wie dynamisch exponentielle Entwicklungen die Welt verändern und wie disruptive Geschäftsideen wie die Digitalkamera ganze Branchen verschwinden lassen können.

Christoph Magnussen, Experte für das neue, vernetzte Arbeiten, vermittelt Grundkenntnisse zu Künstlicher Intelligenz und dem Internet of Things, bei dem alle möglichen Alltagsgegenstände vom Kühlschrank bis zum Toaster ans Netz angeschlossen werden. Rolf Schrömgens vom Reise-Portal Trivago klärt darüber auf, wie digitale Unternehmenskultur funktionieren muss.

Manche denken über eine Art „Stiftung Warentest“ der Weiterbildung nach

Den Initiatoren um Thomas Heilmann geht es mit der Weiterbildungsoffensive zunächst weniger darum, den Menschen konkrete Fertigkeiten für ihren Beruf zu vermitteln. Ziel ist es eher, sie zu sensibilisieren für die großen Trends und sie neugierig zu machen, sich persönlich darauf einzulassen. Es gelte auch dem Taxifahrer, der sich wegen der Entwicklung autonom fahrender Autos um seinen Job sorgt, zu zeigen, was er sonst noch tun könnte. Auch große Organisationen müssten ihre Weiterbildungsaktivitäten neu organisieren, sind die Initiatoren überzeugt. Es sei nicht möglich, wesentliche Veränderungen Zigtausenden Mitarbeitern in klassischen Seminaren zu vermitteln. Dafür fehle es an Räumen und Referenten. So arbeite etwa das Bundesinnenministerium daran, in der ersten Großanwendung die Einführung der elektronischen Akte über „Milla“ umzusetzen.

Noch wird diskutiert, wie die Qualität der angebotenen Lern-Inhalte auf einer solchen Plattform zu sichern wäre. Manche denken über eine Art „Stiftung Warentest“ der Weiterbildung nach, um Kurse zu zertifizieren. Heilmann und Peukert vertrauen hingegen lieber der Intelligenz der Nutzer. Was etwas bringe, werde gut bewertet. Was niemandem helfe, schneide schlecht ab. Auch bei sachlich falschen Aussagen werde die „Crowd“, also die Menge vor den Rechnern, sich einschalten. „Das funktioniert bei Wikipedia auch“, sagt Heilmann. Früher hätte auch niemand geglaubt, dass die Online-Enzyklopädie so zuverlässig sein könnte wie der Brockhaus.