Evangelische Kirche

Festgottesdienst für den neuen Bischof

Christian Stäblein übernimmt das Amt bei einer emotionalen Verabschiedung seines Vorgängers Markus Dröge.

Führte sich mit einer lebensbejahenden, leichten Predigt ein: Bischof Christian Stäblein.

Führte sich mit einer lebensbejahenden, leichten Predigt ein: Bischof Christian Stäblein.

Foto: Christian Ditsch / dpa

Berlin. In einem feierlichen Gottesdienst ist Christian Stäblein am Sonnabend als neuer Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ins Amt eingeführt worden. 700 Ehrengäste nahmen in der St. Marienkirche in Mitte teil, darunter der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), Andreas Nachama, Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland, der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, Imam Kadir Sanci, Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, sowie Vertreter des Berliner Abgeordnetenhauses. Der Gottesdienst wurde in den Berliner Dom und im RBB-Fernsehen übertragen.

Erzbischof wünscht Mut, Zuversicht und Gelassenheit

In seiner Predigt, die auf Psalm 85 und besonders den Worten „...dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen“ fußte, spannte Stäblein einen weiten Bogen. Wie in Momentaufnahmen von Großstadt-Szenen sprach er zum Beispiel von leidenschaftlich Verliebten, die im Kontrast zum Kranken stünden, der sich nach Berührung sehne; vom Menschen, der sich im letzten Lebensdrittel doch noch zu seiner Homosexualität bekenne, bis hin zu den flüchtigen Umarmungen, die in Fotografien und Filmen vom Fall der Berliner Mauer zu sehen waren.

Der 52-jährige Stäblein war im April vom Kirchenparlament zum Nachfolger von Markus Dröge gewählt worden, der in den Ruhestand geht. Im Interview mit der Berliner Morgenpost hatte Stäblein in der Gesellschaft ein „Auseinanderbrechen vieler Gewissheiten“ und „viel Verunsicherung“ ausgemacht. Da gebe es jetzt eine „Sehnsucht nach Spiritualität, nach dem, was einem Halt gibt“, so der Theologe. In der St. Marienkirche sprach Stäblein nun von einer Jahrtausende währenden „Sehnsucht, dass Gott das wiederholt, was schon mal war“, und „dass Gott uns zusammen führt mit seinem Frieden“.

In einer von lebensbejahender Leichtigkeit geprägten Predigt gab es auch mahnende Worte: etwa beim Appell, sich dem Antisemitismus entgegen zu stellen, oder bei der Erinnerung an den Missbrauch von Kindern durch Kirchenvertreter.

Stäblein bezieht Hoffnung aus christlich geprägter Alltagsarbeit

Hoffnung bezieht der neue Bischof merklich aus christlich geprägter Alltagsarbeit für Mitmenschlichkeit, für Nächstenliebe, die auch außerhalb von Kirche und Gemeinde stattfindet. Etwa durch eine beherzte Brandenburgerin, die Ausbildungsplätze für Geflüchtete organisiert. Oder einen Nachbarn, der seit 20 Jahren den Menschen in einem Potsdamer Hospiz Geschichten vorliest.

Der scheidende Bischof Markus Dröge wünschte seinem Nachfolger die Wahrnehmung, „wo Hoffnung gesät wird und wo neue Hoffnungspflanzen wachsen“. Erzbischof Koch hoffte auf dessen „Mut, Zuversicht und Gelassenheit“.

An Dröge gewandt, erinnerte Michael Müller daran, dass sich dieser während seiner zehnjährigen Amtszeit um „Menschen in einer Stadt im Wandel“ gekümmert habe. Er habe in Berlin und Potsdam einen begeisternden Kirchentag ausgerichtet, den Bürgern nach dem Terroranschlag am Breitscheidplatz 2016 „Orientierung und Unterstützung für den Umgang mit diesem einschneidenden Ereignis“ gegeben. „Sie waren ein politischer Bischof“, rief ihm Müller abschließend zu. Ministerpräsident Woidke dankte Dröge für den Einsatz gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Populismus.