Nahost-Konflikt

Palästinenser demonstrieren am Hermannplatz gegen Israel

Hunderte Menschen haben am Sonnabend in Berlin gegen das Vorgehen Israles im Gazastreifen demonstriert.

Berlin. Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen israelischem Militär und der Terrororganisation „Islamischer Dschihad“ der letzten Tage in Gaza, sind am Sonnabendnachmittag mehrere hundert Menschen unter dem Motto „Solidarität mit Gaza“ vom Neuköllner Hermannplatz zum Kottbusser Tor in Kreuzberg gezogen. Angemeldet waren 200 Teilnehmer. Aufgerufen zu der Demonstrationen hatten unter anderem die Gruppe „Palästina spricht“ und das „Palestinian Prisoner Solidarity Network“.

Laut Polizei wurde der Aufzug von siebzig Einsatzkräften begleitet. Neben zahlreichen Palästina Flaggen war auch die Linke mit einer Fahne auf der Demo präsent. Während der Kundgebung wurden Kerzen entzündet. Gegen 17 Uhr setzten sich die rund 200 Demonstranten in Bewegung. Neben Parolen wie „Free Gaza“ oder „free palestine“ riefen die Teilnehmer „yes, Yes, BDS“ und bezogen sich damit positiv auf die internationale antisemitische Kampagne, die für den wirtschaftlichen und kulturellen Boykott Israels wirbt.

Erst im Mai hatte der deutsche Bundestag die BDS Kampagne als antisemitisch verurteilt. Auch die Parole „From the river to the sea palestine will be free“, die die Existenz des Staates Israel infrage stellt, war oft zu hören. Auf Plakaten wurden Israel als Apartheidsstaat bezeichnet.

Konflikt in Gaza ist erneut eskaliert

In den vergangenen Tagen war der Konflikt im nahen Osten erneut eskaliert. Nach der gezielten Tötung des Militärchefs Baha Abu Al-Ata durch das israelische Militär wurden laut IDF (Israel Defence Forces) aus dem Gazastreifen mehr als 450 Raketen in Richtung Israel abgefeuert, auch in der Millionenstadt Tel Aviv heulten die Sirenen auf.

Abu Al-Ata war ein Anführer der Al-Kuds-Brigaden, des bewaffneten Arms des „Islamischen Dschihad“ im Gazastreifen. Sie gilt als zweitstärkste Extremistenorganisation nach der islamistischen Hamas. In der Vergangenheit verübten beide Organisationen blutige Terroranschläge mit vielen Toten in Israel.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu beschrieb Abu Al-Ata als „den zentralen Verantwortlichen für Terrorattacken aus dem Gazastreifen“. Der Militärchef stehe hinter Angriffen mit Hunderten von Raketen und sei dabei gewesen, neue Attacken zu planen. „Er war eine tickende Bombe“. Gleichzeitig betonte Netanjahu, Israel sei nicht an einer weiteren Eskalation interessiert.

Der Großteil der in den letzten Tagen aus dem Gazastreifen abgefeuerten Raketen konnte vom Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen werden. Das israelische Militär flog Luftangriffe und tötete gezielt Mitglieder der Terrororganisation. Insgesamt spricht das Gesundheitsministerium in Gaza von 35 Toten.

Am Donnerstag hatten sich Israel und der „Islamische Dschihad“ nach zwei Tagen harter Auseinandersetzungen unter Vermittlung der Vereinten Nationen und Ägyptens auf eine Waffenruhe geeinigt.

In der Vergangenheit kam es bei palästinensischen Demonstrationen in Berlin immer wieder zu antisemitischen Angriffen. So wurde im Mai 2019 bei einer als Folklore Veranstaltung angemeldete Versammlung am Hermannplatz in Neukölln ein israelischer Musiker antisemitisch beleidigt und geschlagen. (mit dpa)