Gesundheitsstandort

Warum das neue Herzzentrum ein Meilenstein für Berlin ist

Mit dem neuen Herzzentrum baut Berlin seine führende Stellung in der Gesundheitsbranche weiter aus. Fragen und Antworten zum UHZB.

Hightech in der Herzchirurgie: Hybrid-OP-Säle mit integrierter Bildgebung wie hier am Virchow Klinikum soll es auch am Universitären Herzzentrum geben.

Hightech in der Herzchirurgie: Hybrid-OP-Säle mit integrierter Bildgebung wie hier am Virchow Klinikum soll es auch am Universitären Herzzentrum geben.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Der Bund fördert den Bau eines neuen Herzzentrums in Berlin mit 100 Millionen Euro. Wie bereits in einer Teilauflage der gestrigen Ausgabe berichtet, hat der Haushaltsausschuss des Bundestages die Mittel am späten Donnerstagabend freigegeben.

Für den Gesundheitsstandort Berlin ist das eine weitere gute Entscheidung, nachdem der Bund bereits zugesagt hatte, die Integration des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIH) in die Charité mit jährlich 75 Millionen Euro zu unterstützen und die Exzellenzinitiative mit bis zu 200 Millionen Euro zu fördern.

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Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zur jüngsten Entscheidung des Bundes zum Universitäre Herzzentrum Berlin (UHZB).


Was kostet das neue universitäre Herzzentrum?

Der Bau des Herzzentrums wird voraussichtlich 387 Millionen Euro kosten. Davon übernimmt das Land Berlin 287 Millionen Euro. Ursprünglich war geplant, dass das fehlende Geld über einen Kredit finanziert wird. Mit der Zusage des Bundes ist das nun nicht mehr notwendig, sodass alle Beteiligten Planungssicherheit haben. Die Kofinanzierung von Bund und Land ist ungewöhnlich. In diesem Fall wird sie möglich, da das UHZB über modernste Forschungsgebäude verfügen soll, die vom Bund mitfinanziert werden können.

Was bedeutete das für den Gesundheitsstandort Berlin?

Mit seinem Gesundheitscluster gehört Berlin bereits zu den führenden Metropolen in Europa. Mit den drei Universitäten FU, TU und HU sowie zahlreichen Forschungseinrichtungen wie dem Max-Delbrück-Centrum und Fraunhofer-Instituten verfügt Berlin über eine hervorragende Wissenschafts- und Forschungslandschaft. Das war Voraussetzung dafür, dass der Bund sowohl die Integration des BIH und nun die Einrichtung des UHZB unterstützt. Durch das Herzzentrum – es soll das modernste Europas werden – wird diese Stellung ausgebaut.

Wie soll das UHZB genau aussehen?

Der geplante Neubau sieht eine Nutzfläche von 28.000 Quadratmetern vor. Dort sollen neun OP-Säle und vier Hybrid-OP-Säle mit integrierter Bildgebung sowie 380 Patientenbetten, davon 144 auf Intensivstationen, untergebracht werden. Zudem ist eine zentrale Notaufnahme vorgesehen. In dem künftigen Zentrum sollen sämtliche Herz-Kreislauferkrankungen bei Patienten aller Altersstufen behandelt werden. Das gilt für Versicherte der gesetzlichen und der privaten Krankenkassen Der Baustart soll spätestens 2023 erfolgen, die Bauzeit wird sich über mehrere Jahre erstrecken.

Was bedeutet das für das Universitätsklinikum Charité?

Die Charité ist mit ihrer Geschichte für das Gesundheitswesen bereits eine Weltmarke. Derzeit arbeiten rund 18.000 Menschen an dem Universitätsstandort. Am bisherigen Herzzentrum sind rund 1300 Menschen beschäftigt. Die Charité wird nach Angaben der Wissenschaftsverwaltung perspektivisch über 20.000 Mitarbeiter verfügen. Wie auch bei der Gründung des BIH wird mit dem neuen Herzzentrum das Ziel verfolgt, Forschung und Praxis enger zusammenzuführen, damit Erkenntnisse aus der Wissenschaft schneller am Krankenbett angewendet werden können.

In welcher Form wird das Herzzentrum in die Charité integriert?

Das ist ist noch nicht klar und stellt die größte Hürde bei der Neuaufstellung der Kardiologie in der Hauptstadt dar. Das bisherige Herzzentrum ist eine Stiftung, die Charité eine Einrichtung des Landes. Eine eigenständige Gesellschaftsform für das neue Herzzentrum würde bedeuten, dass die Charité die Einnahmen aus der Kardiologie nicht mehr für sich verbuchen könnte – was finanziell schmerzhaft wäre. Die juristischen Fragen sollen nun in den kommenden Monaten geklärt werden, heißt es dazu aus der Wissenschaftsverwaltung.

Was geschieht mit dem bestehenden Herzzentrum?

Überlegungen, das bestehende Deutsche Herzzentrum Berlin auf dem Campus Virchow in die Charité zu integrieren, bestehen seit drei Jahren. Die Idee dabei ist, dass Doppelstrukturen zwischen Herzzentrum und der Kardiologie der Charité abgebaut, Forschung und Entwicklung auf der einen Seite sowie die praktische Anwendung am Krankenbett auf der anderen Seite enger zusammenkommen.