Medizin

Berlin bekommt Europas modernstes Herzzentrum

Bund gibt 100 Millionen Euro für medizinisches Großprojekt. Das neue Herzzentrum soll in der Krankenversorgung führend sein.

Eine Bypass-Operation an der Charité (Archivbild).

Eine Bypass-Operation an der Charité (Archivbild).

Foto: Hubert Link / PA / ZB

Berlin. Europas wichtigstes Herzzentrum kann in Berlin gebaut werden. Der Bund stellt für das Projekt 100 Millionen Euro zur Verfügung, das hat der Haushaltsausschuss des Bundestages am Donnerstagabend beschlossen. Das Universitäre Herzzentrum Berlin (UHZB) soll in einem Neubau auf dem Campus des Virchow-Klinikums in Wedding angesiedelt werden. Dort werden die herzmedizinischen Einrichtungen der Charité und des Deutschen Herzzentrums Berlin zusammengeführt. Ziel ist, eine medizinische Leuchtturmeinrichtung von internationalem Rang zu schaffen.

Mit der Entscheidung der Haushälter im Bund sind die geschätzten Kosten für das UHZB von knapp 387 Millionen Euro gedeckt. Berlin hatte bereits 286,9 Millionen Euro zugesagt und die Summe in der Investitionsplanung berücksichtigt. Das universitäre Herzzentrum soll nicht nur Maßstäbe in Forschung und Lehre setzen, sondern vor allem in der Krankenversorgung die Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen auf höchstem Niveau gewährleisten.

Der geplante Neubau sieht eine Nutzfläche von 28.000 Quadratmetern vor. Dort sollen neun OP-Säle und vier Hybrid-OP-Säle mit integrierter Bildgebung sowie 380 Patientenbetten, davon 144 auf Intensivstationen, untergebracht werden. Zudem ist eine zentrale Notaufnahme vorgesehen, die allein 29 Millionen Euro kosten soll.

Herzzentrum in Berlin: Baustart soll spätestens 2023 sein

In dem künftigen Zentrum sollen sämtliche Herz-Kreislauferkrankungen bei Patienten aller Altersstufen behandelt werden, dabei soll das gesamte Spektrum verfügbarer Diagnostik und Therapien zum Einsatz kommen – sowohl im stationären wie im ambulanten Bereich. Es soll auch auf überregionaler und internationaler Ebene Patienten anziehen. Der Baustart für den Neubau soll spätestens 2023 erfolgen, die Bauzeit wird sich über mehrere Jahre erstrecken.

Eine herzmedizinische Versorgung in Notfällen werde es aber künftig auch weiterhin an den übrigen Standorten der Charité sowie in anderen Kliniken geben, hieß es aus Senatskreisen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der auch für Wissenschaft zuständig ist, zeigte sich froh. Er dankte den Bundestagsabgeordneten im Haushaltsausschuss: „Ihre Entscheidung ist ein Vertrauensbeweis in die hohe Qualität und das große Potenzial der Berliner Herzmedizin. Mit dem Universitären Herzzentrum Berlin schaffen wir eine in Forschung, Lehre und Krankenversorgung international führende Einrichtung.“

Aufbau des neuen Herzzentrums in Berlin ist "extrem wichtiges Zukunftsprojekt"

Der Antrag, den Aufbau des UHZB mit 100 Millionen Euro zu unterstützen, wurde von den Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD eingebracht. Treibende Kräfte sollen neben den Haushältern Johannes Kahrs und Swen Schulz der Regierende Bürgermeister sowie Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (alle SPD) gewesen sein.

Experten messen dem universitären Herzzentrum größtes Gewicht bei. Charité-Vorstandschef Heyo Kroemer bezeichnete es als „ein extrem wichtiges Zukunftsprojekt“. Die von Michael Müller eingesetzte Sachverständigen-Kommission „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ bescheinigte ihm „herausragendes Potenzial als international wettbewerbsfähige Institution und als Aushängeschild für die nationale Herzmedizin“.

Dafür sollen in dem Neubau auf dem Charité-Campus Virchow (Wedding) modernste Diagnostik und Therapien zum Einsatz kommen. Er werde als „Gesundheitshaus“ konzipiert, architektonisch und im Design ausgerichtet auf die Unterstützung des Heilungsprozesses, wie es in einer Mitteilung des Senats heißt. Gleichzeitig solle das UHZB eine digitale Modellklinik werden, die das gesamte Potenzial datengestützter Medizin bei Prävention, Diagnostik, Therapien und Rehabilitation nutzt und vorantreibt.

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Charité und Deutsches Herzzentrum müssen noch Rechtsform finden

Während über das medizinische Konzept offenbar Einvernehmen herrscht, müssen die Partner bei diesem Projekt, Universitätsklinikum Charité und Deutsches Herzzentrum Berlin (DHZB), allerdings noch eine andere Hürde nehmen: Bislang ist keine Einigkeit erzielt, welche rechtliche Struktur das Gemeinschaftsunternehmen haben soll. Gegen Pläne, es als gemeinnützige GmbH zu führen, hatte sich sowohl Widerstand im Herzzentrum als auch im Fakultätsrat der Charité geregt. Im Abgeordnetenhaus wurde ebenfalls Kritik geäußert.

Nun verhandeln Charité und DHZB erneut. Man erwarte eine zügige Lösung, möglichst noch in diesem Jahr, lautete ein Appell aus Koalitionskreisen. Schließlich sei die Politik in Land und Bund nun in erhebliche Vorleistung gegangen. Auch Charité-Chef Heyo Kroemer nannte das neue universitäre Herzzentrum im Morgenpost-Interview „eine einmalige Chance für Berlin, die wir unbedingt nutzen sollten“.

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