E-Auto-Fabrik

Grünheide: "Tesla ist das Beste, was passieren kann"

Das geplanten Tesla-Werk sorgt in der Gemeinde Grünheide für Aufregung. Die mit der E-Auto-Fabrik verbundenen Hoffnungen sind groß.

Willkommen in Grünheide: Der Ort freut sich schon auf die Ansiedelung von Tesla.

Willkommen in Grünheide: Der Ort freut sich schon auf die Ansiedelung von Tesla.

Foto: Reuters

Berlin. Ein Lkw nach dem anderen donnert von der Autobahn A10 ins Güterverkehrszentrum Freienbrink, einem Ortsteil der Gemeinde Grünheide. Auf der anderen Straßenseite: ein Waldstück und noch keine Spur von der geplanten Tesla-Fabrik. Hier sollen Ende 2021 Elektroautos vom Band rollen und 6000 bis 7000 Arbeitsplätze entstehen. Das wären fast so viele Menschen wie in der gesamten Gemeinde wohnen. Die Hoffnungen sind groß.

„Das ist ein Traum für die Gemeinde, ein Traum für den Landkreis und ein Traum für Brandenburg“, schwärmt etwa Bürgermeister Arne Christiani am Telefon. „Ich gehe davon aus, dass eine Entwicklung möglich ist, die wir noch gar nicht abschätzen können“, so der Bürgermeister, der wegen der Zusage von Tesla spontan eine Sitzung der Gemeindevertreter für Donnerstag anberaumt hat - im „Heydewirt“, der einzigen Pension mit Gastwirtschaft in dem idyllischen Ort Grünheide, mit seinen Villen, Seen, Wäldern und einem angrenzenden Naturschutzgebiet beliebten Ausflugsziel für Berliner.

Tesla-Werk: Grünheide hofft auf Geschäftsreisende

„Das ist das Beste, was der Gemeinde passieren kann“, freut sich Wirt Holger Haustein mit Blick auf Tesla. Er denkt bereits an zahlreiche Geschäftsessen und Übernachtungsgäste. Allerdings habe sein Haus nur zwölf Betten. „Vielleicht findet sich ja jetzt auch ein Investor für das leer stehende Hotel in Grünheide“, so der Wirt. Die Gemeinde suche schon seit Längerem. In der DDR sei Grünheide ein beliebtes Ziel von Touristen gewesen, mit 35 Gaststätten. Heute seien es noch fünf.

Für die Bewohner und Zuzügler werde sich viel ändern. „Die Wohnungsknappheit wird wohl noch zunehmen, bereits in den vergangenen Jahren wurde bebaut, was bebaut werden konnte“, so Haustein. Die Einwohnerzahl wuchs ständig - vor allem dank zugezogener Berliner. Mittlerweile hat die Gemeinde mit ihren sechs Orteilen rund 8700 Einwohner. Auch Kitaplätze seien jetzt schon knapp. „Die gesamte Infrastruktur muss extrem nachgebessert werden“, so der 35 Jahre alte Grünheider.

Wenn Tesla kommt: Infrastruktur in Grünheide reicht nicht aus

Zuzügler Martin Hildebrandt aus Berlin beklagt die aus seiner Sicht verbesserungswürdige Verkehrsanbindung. „Die Busse zu den Regionalbahnhöfen fahren in den Schulferien leider nicht.“ Was die Busverbindungen angehe, gleiche das metropolnahe Grünheide einem uckermärkischen Dorf. „Ich hoffe, dass jetzt die Motivation steigt, die Infrastruktur auszubauen“, so der Wahl-Grünheider, der täglich nach Berlin pendelt. Immerhin gebe es aber verschiedene Bahnhöfe, die mit dem Auto erreichbar seien.

Auch Teslafahrer Ralf-Thomas Petersohn aus Grünheide sieht die geplante Ansiedlung positiv. „Ich freue mich und hoffe, dass Tesla in der Nähe des Werks Supercharger aufstellt“, sagt er mit Blick auf Schnellladegeräte für Elektro-Autos. Auch Petersohn hofft auf einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. „Wenn der Regionalexpress häufiger als nur einmal die Stunde nach Berlin fahren würde, würde ich auch öfter Bahn fahren.“

Seit zwei Jahren fährt Petersohn seinen Tesla. „Das ist das Beste, was ich tun konnte. Mit dem Auto komme ich problemlos ans Nordkap oder auch nach Sizilien.“ Zwar müsse er auf längeren Strecken alle zwei bis zweieinhalb Stunden aufladen, aber das seien jedes Mal willkommene Pausen von etwa 20 bis 30 Minuten.

Sogar die Frisörin freut sich auf Tesla

Die Neuigkeit hat sich schnell herumgesprochen in dem kleinen Ort Grünheide. Auch dank der vielen Journalisten, die sich an diesem trüben Novembertag auf dem fast menschenleeren Markt aufhalten und von denen sich einige am Imbiss - Echte Brandenburger Grillhähnchen - stärken. Im benachbarten Friseurladen ist Tesla ebenfalls Gesprächsstoff: „Wenn die sich alle bei uns frisieren lassen, müssen wir neue Leute einstellen“, sagt Mitarbeiterin Simone Jähning.

Koch Carsten Goretzki aus dem „Heydewirt“ hält die Nachricht zwar für positiv, doch ist noch zurückhaltend. „Es muss erst einmal alles so weit sein“, sagt er. Schon einmal habe es schließlich ein großes Versprechen von BMW gegeben, sich auf der künftigen Tesla-Fläche ansiedeln zu wollen. Doch dann kam die Absage.

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