Inklusion

17. Berliner Inklusionspreis verliehen

Drei vorbildliche Berliner Arbeitgeber wurden am Montag für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung ausgezeichnet.

Karin Meyer (Mitte), Geschäftsführerin des Repro- und Werbezentrums Prenzlauer Berg GmbH, mit ihren Mitarbeitern Marcel Guttzeit und Esther Sandler bei der Verleihung des Berliner Integrationspreises 2019 im Roten Rathaus.

Karin Meyer (Mitte), Geschäftsführerin des Repro- und Werbezentrums Prenzlauer Berg GmbH, mit ihren Mitarbeitern Marcel Guttzeit und Esther Sandler bei der Verleihung des Berliner Integrationspreises 2019 im Roten Rathaus.

Foto: Philipp Siebert

Berlin. „Auch wir, die sogenannten gesunden Menschen, haben eine Menge von den behinderten Kollegen lernen können, und dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Karin Meyer und ringt mit den Tränen. Schon immer habe sie gern mit Menschen zusammengearbeitet, die es schwerer hatten. Da halte sie es mit Winston Churchill: „Der Preis der Größe heißt Verantwortung.“

Meyer ist Geschäftsführerin des Repro- und & Werbezentrums Prenzlauer Berg GmbH und beschäftigt zehn Mitarbeiter, davon fünf mit Behinderung. Dafür erhielt sie nun den Berliner Inklusionspreis. Der wurde am Montag im Roten Rathaus vom Präsidenten des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), Franz Allert, und dem Staatssekretär für Arbeit und Soziales, Alexander Fischer (Linke), vergeben. Von insgesamt 34 Vorschlägen wählte eine Jury jeweils einen Gewinner in den Kategorien Klein-, mittelständisches und Großunternehmen aus. Der Preis ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

„Berlin braucht nachahmenswerte Vorbilder“, sagte Staatssekretär Fischer. Denn für Menschen mit Behinderung sei es ungleich schwieriger, auf ihre Bedürfnisse angepasste Arbeitsplätze zu finden. Daher gelte es weiter, in allen Bereichen Barrieren abzubauen und die Teilhabe am Arbeitsleben Schritt für Schritt zu einer Selbstverständlichkeit zu machen. „Auf die Potenziale von Menschen mit Handicap müssen und wollen wir ohne Einschränkung setzen und ihre Fähigkeit nutzen“, so Fischer weiter.

Bestatter Grieneisen und Vivantes ausgezeichnet

Unter den mittelständisches Unternehmen wurde die Grieneisen GBG Bestattungen GmbH ausgezeichnet. Die 1830 in Berlin als Sargtischlerei gegründete Firma zählt heute 180 Beschäftigte – davon 22 mit Behinderung. Die Quote liegt also bei zwölf Prozent und damit deutlich über den gesetzlichen Vorgaben von fünf Prozent. Vielfalt sei immer selbstverständlich und eine Frage der Haltung gewesen, sagte Geschäftsführer Olaf Dilge. „Unsere Kraft ist Vielfalt und unser Antrieb Menschlichkeit.“ Dabei gehe es nicht nur um Marketing, sondern auch um Attraktivität als Arbeitgeber.

Sieger in der Kategorie Großunternehmen ist die Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH. Seit der Gründung im Jahr 2001 ist der Krankenhauskonzern Vivantes der größte in Deutschland und zählt zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Hauptstadtregion. Von den insgesamt rund 16.200 Beschäftigten haben 1400 eine Schwerbehinderung und arbeiten als Ärztinnen und Ärzte, in der Pflege, in der Verwaltung oder im Call Center.

„Für uns sind schwerbehinderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genau so leistungsfähig, wie alle anderen auch“, sagte Vivantes-Personal-Geschäftsführerin Corinna Jendges. Auch sie würden einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. „Insofern sehen wir es als unsere Aufgabe an, mit individuellen Hilfestellungen, groß oder klein, den Arbeitsplatz für sie zu gestalten.“

Kreative Genies der Welt ins Unternehmen bekommen

Der Inklusionspreis des Landes Berlin wird seit 2003 vergeben. In diesem Jahr wurde erstmalig auch ein Sonderpreis verliehen. Er ging an die Humboldt-Universität (HU), die von insgesamt 2261 Angestellten 146 mit Behinderung beschäftigt. Dem liege eine einfache statistische Erkenntnis zugrunde, sagte der für Personal verantwortliche Vizepräsident der HU, Ludwig Kronthaler.

Denn man sei auf Genialität angewiesen, und die sei unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, aber eben auch Einschränkung oder nicht auf alle Menschen gleich verteilt. „Nur wenn wir alle diese unterschiedlichen Merkmale der Diversität in unseren Reihen abbilden, können wir einigermaßen sicher sein, dass wir die kreativen Genies dieser Welt bei uns beschäftigen“, so Kronthaler weiter.

Viele Unternehmen beschäftigen noch keine Behinderten

Auch Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für Menschen mit Behinderung, verwies auf die „großen Kompetenzen“ der insgesamt 14 Millionen Deutschen mit Einschränkungen. Auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels seien sie ein großer Gewinn für viele Unternehmen, würden allerdings vielfach noch defizitär betrachtet. Und eigentlich müsste jedes Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern mindestens fünf Prozent Behinderte einstellen.

„Wir haben in Deutschland aber immer noch die Situation, dass von den 161.000 beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern ein Viertel keinen einzigen Menschen mit Behinderung beschäftigt“, beklagte Dusel. Da brauche es vor allem mehr Herzensbildung. „Es gibt nach meiner Überzeugung keinen einzigen Arbeitsplatz, der nicht von einem Menschen mit Behinderung sinnvoll ausgefüllt werden kann, vorausgesetzt die Rahmenbedingungen stimmen.“