Prozessauftakt

Tödliche Schläge im Treptower Park: Angeklagter schweigt

Spaziergänger entdeckten im Mai im Treptower Park die Leiche eines Mannes. Getötet haben soll ihn ein 43 Jahre alter Obdachloser.

Der Prozess hat am Montag im Landgericht Berlin begonnen.

Der Prozess hat am Montag im Landgericht Berlin begonnen.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Im April dieses Jahres kam Andrej Z. aus Augsburg nach Berlin. Einen Monat später war der 28-Jährige tot, erschlagen in einer Grünanlage im Verlauf eines heftigen Streits. Getötet haben soll ihn Marcel D. Seit Montag muss sich der 43-Jährige vor dem Landgericht wegen Totschlags verantworten.

Sowohl der mutmaßliche Täter wie auch das Opfer gehören zur Obdachlosenszene in Berlin. Beide Männer hielten sich mit anderen Obdachlosen vorwiegend in der weitläufigen Anlage des Treptower Parks auf.

Streitereien und Gewalt gehörten wie so oft in dem Milieu auch in dieser Gruppe zum traurigen Alltag, Hauptstreitpunkt war zumeist der Alkohol.

Streit unter Obdachlosen: Massive stumpfe Gewalt als Todesursache

Um den ging es auch, als der Angeklagte und das ursprünglich aus Lettland stammende Opfer in den frühen Morgenstunden des 18. Mai 2019 aneinandergerieten. Der lautstarke Streit eskalierte, Marcel D. soll nach Darstellung der Staatsanwaltschaft schließlich zugeschlagen haben.

Am späten Vormittag des gleichen Tages fanden Spaziergänger die Leiche des 28-Jährigen im Gebüsch, fast so als habe jemand sie dorthin geschleift, um sie vor den Blicken anderer Parkbesucher zu verbergen. Ums Leben gekommen war der Mann durch massive stumpfe Gewalt, wurde bei der Obduktion festgestellt.

Wenn Marcel D. tatsächlich der Täter war, dann ist er nach den Erkenntnissen der Ermittler nicht nur mit brutaler Gewalt, sondern auch äußerst perfide vorgegangen. Nach den tödlichen Schlägen soll sich D. den Ermittlungen zufolge zunächst vom Tatort entfernt haben, dann aber nach einiger Zeit nochmals zurückgekommen sein. Der Grund: Handy, Portemonnaie und EC-Karte des Angeklagten. Die benötigte der Tote ja nicht mehr, soll D. sich gedacht und die Sachen an sich genommen haben.

Leichenfund im Treptower Park: Identität des Toten war zunächst unklar

Für die zuständige 7. Mordkommission begannen mühsame Ermittlungen. Nicht einmal die Identität des Getöteten konnte zunächst festgestellt werden. Wer der Tote ist, erfuhren die Beamten erst, nachdem sie Bilder des Mannes veröffentlicht hatten. Es folgten zahlreiche Befragungen bei Personen aus dem Obdachlosenmilieu. Bald geriet Marcel D. in Verdacht, und zehn Tage nach der Tat wurden der 43-Jährige und eine Frau in seiner Begleitung in Lichtenberg festgenommen. Die Frau wurde schnell wieder entlassen, Marcel D. dagegen wanderte in Untersuchungshaft.

Nicht nur die Fotos des Getöteten zeigten einen von langjähriger Obdachlosigkeit gezeichneten Menschen. Auch im Gesicht des Angeklagten hat das trostlose, von Gewalt und Alkohol bestimmte Leben Spuren hinterlassen. Am ersten Verhandlungstag folgte er den Ausführungen des Vorsitzenden und der Anklageverlesung schweigend, fast lethargisch.

Sein Mandant werde sich vorerst nicht äußern, teilte der Verteidiger mit. Sieben Verhandlungstage hat die 21. Strafkammer für den Prozess angesetzt, Fortsetzung ist am 21. November.