Lokführermangel

IRE Berlin–Hamburg: Jeder dritte Zug fällt derzeit aus

Der Bahntochter DB Regio fehlen Lokführer. Von Ausfällen betroffene Fahrgäste können aber ohne Mehrkosten auf den ICE ausweichen.

Seit April 2014 fährt der Interregio-Express auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg. Die Fahrt dauert etwa 80 Minuten länger als mit dem schnellen ICE.

Seit April 2014 fährt der Interregio-Express auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg. Die Fahrt dauert etwa 80 Minuten länger als mit dem schnellen ICE.

Foto: dpa Picture-Alliance / Hannibal Hanschke / picture alliance / dpa

Berlin. Für unter 20 Euro mit dem Zug von Berlin nach Hamburg fahren – das ist derzeit nur mit dem Interregioexpress (IRE) möglich. Doch in den vergangenen Wochen haben sich Fahrgastbeschwerden über Ausfälle und Unregelmäßigkeiten gehäuft. Zu Recht: Im Oktober ist jeder dritte im Fahrplan stehende Zug nicht gefahren, wie ein Bahnsprecher der Berliner Morgenpost auf Nachfrage bestätigte. Und auch Anfang November sind wieder mehrere Verbindungen gestrichen worden.

Der Bahn fehlen akut Lokführer

Schon seit Längerem hat die Deutsche Bahn Probleme mit dem im April 2014 vor allem als Antwort auf die Fernbus-Expansion gestarteten Angebot. Der Hauptgrund dafür ist der anhaltende Personalmangel bei DB Regio Nordost. Vor allem in der Urlaubszeit fallen im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg immer wieder Fahrten aus, weil der Bahntochter – wie vielen anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen auch – die Lokführer fehlen.

Regionalexpress und Regionalbahn haben Vorrang

Der Bahnsprecher bedauerte die jüngsten Ausfälle. Er wies zugleich darauf hin, dass es sich beim IRE Berlin–Hamburg um eine eigenwirtschaftlich betriebene Verbindung der DB Regio Nordost handelt. Bei betrieblichen Entscheidungen – etwa zum Einsatz des Zugpersonals oder von Werkstattkapazitäten – hätten verkehrsvertraglich bestellte Leistungen immer Vorrang vor dem IRE. Gemeint sind damit die Regionalexpresszüge (RE) und Regionalbahnen (RB), die von den Ländern Berlin und Brandenburg bestellt und mit festen Summen bezahlt werden. Fallen dann Fahrten auf den RE- oder RB-Linien aus, gibt es für die Deutsche Bahn Strafabzüge durch die Besteller. Allein im Vorjahr kürzte das Land Berlin seine Zahlungen an die DB Regio Nordost um fast drei Millionen Euro.

DB Regio fährt den IRE auf eigene Rechnung

Der IRE wird hingegen von DB Regio auf eigene Rechnung gefahren. Er muss sich allein aus dem Erlös des Ticketverkaufs finanzieren. Fällt eine Zugfahrt aus, fehlen der Bahn zwar die Fahrgeldeinnahmen. Es gibt aber nicht noch obendrauf Strafabzüge. Dennoch werde auch beim IRE „mit Hochdruck“ daran gearbeitet, alle Züge wieder planmäßig fahren zu können, so der Bahnsprecher. „Wir bedauern sehr, dass es auch in dieser Woche wieder zu Ausfällen einiger IRE-Verbindungen gekommen ist. Wir haben dabei versucht, dass vom Ausfall die weniger stark frequentierten Züge betroffen sind“, sagte er.

Bei Ausfall wird der Fahrpreis erstattet

Die von Ausfällen betroffenen Fahrgäste werden nun zumindest finanziell nicht mehr stark getroffen. Wenn sie statt mit dem IRE dann mit dem ICE oder einem anderen Zug nach Hamburg oder von dort wieder zurück nach Berlin fahren, müssen sie zwar das oft deutlich teurere Fernzug-Ticket kaufen. Sie können es sich aber anschließend über das Service-Center Fahrgastrechte wieder erstatten lassen. „So bezahlt der Fahrgast, auch wenn ein Zugausfall erfolgt ist, auf jeden Fall nur den Fahrpreis nach den speziellen Konditionen des IRE“, sagte Peter Cornelius, Berlin-Brandenburger Landesvorsitzender von Pro Bahn. Der Fahrgastverband hat die neue Regelung, die seit dem 1. November gilt, erfolgreich mit der Bahn ausgehandelt.

Einfache Fahrt im IRE bereits ab 14,90 Euro

Der IRE fährt regulär zweimal täglich zwischen Berlin und Hamburg, montags bis mittwochs nur einmal. Die einfache Fahrt kostet ab 14,90 Euro, Hin- und Rückfahrt sind für 29,90 Euro zu haben. Zum Vergleich: Die Fahrt im ICE kostet (ohne Bahncard) 83 Euro, die auf der gut ausgelasteten Strecke eher seltenen Sparpreise beginnen bei 39,90 Euro. Dafür benötigt der ICE für die Strecke deutlich weniger als zwei Stunden, für die Fahrt mit dem IRE (die über Stendal, Salzwedel und Lüneburg führt) muss der Fahrgast hingegen rund drei Stunden für eine Strecke einplanen.