Führungswechsel

Pop: Bis Juni soll neue Chefin für BVG gefunden sein

Sigrid Nikutta wechselt zum 1. Januar in den Bahnvorstand. Bis dahin will die BVG-Chefin einen „intensiven Endspurt“ machen.

Wirtschaftssenatorin und Aufsichtsratschefin Ramona Pop (l.) würdigt in der BVG-Zentrale an der Holzmarktstraße die Arbeit der BVG-Vorstandsvorsitzenden Sigrid Nikutta.

Wirtschaftssenatorin und Aufsichtsratschefin Ramona Pop (l.) würdigt in der BVG-Zentrale an der Holzmarktstraße die Arbeit der BVG-Vorstandsvorsitzenden Sigrid Nikutta.

Foto: Thomas Fülling

Berlin. Auf den Schal mit dem markanten BVG-Sitzmuster hat Sigrid Nikutta am Freitagmorgen schon mal verzichtet. Ein erstes kleines Zeichen des persönlichen Abschieds von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), an deren Spitze die promovierte Psychologin seit nunmehr gut neun Jahren steht. Am Abend zuvor hatte der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn die 50-Jährige in den Vorstand des bundeseigenen Großkonzerns berufen. Dort wird Nikutta ab 1. Januar 2020 die Verantwortung für die wirtschaftlich seit Langem angeschlagene Güterverkehrssparte übernehmen.

BVG-Chefin Nikutta übernimmt Güterverkehr der Bahn

Die Reaktionen auf die Berufung seien gemischt ausgefallen, berichtete Nikutta am Morgen danach. Es habe viele Glückwunsche, aber auch Beileidsbekundungen gegeben. Von der „Quadratur des Kreises“ sei die Rede, die sie nun bewerkstelligen müsste.

Viele dieser Bemerkungen würden sie an Aussagen erinnern, als sie im Oktober 2010 die Führung der BVG übernahm. Damals sei ihr ein „Knochenjob“ prophezeit worden und viele hätten die Frage gestellt, „ob die Nikutta das wohl schafft“.

Nikutta war die erste Frau an der Spitze des bis dahin vor allem in den Führungspositionen männerdominierten Traditionsunternehmens. Größte Herausforderung sei für sie gewesen, dass sie unmittelbar nach ihrem Dienstantritt sich im Herbst 2010 gleich mit einer Kette von Busbränden konfrontiert sah. Damals war mehrere Linienbusse kurz hintereinander in Flammen aufgegangen. Nur durch ein Wunder wurden damals keine Fahrgäste dadurch verletzt.

Verkehrsbetriebe aus den roten Zahlen geführt

Nach Ansicht von BVG-Aufsichtratschefin Ramona Pop hat Nikutta diese und auch alle anderen Herausforderungen gemeistert. „Als Sigrid Nikutta die BVG übernahm, schrieb das landeseigene Unternehmen tiefrote Zahlen. Inzwischen sind die Zahlen schwarz“, sagte die auch für die Landesbetriebe zuständige Wirtschaftssenatorin. Seit Nikuttas Amtsantritt hätte sich zudem die Zahl der Fahrgäste um 20 Prozent erhöht. Mehr als drei Millionen Menschen würden täglich von den Bussen und Bahnen der Verkehrsbetriebe befördert.

„Die BVG ist das Rückgrat der Mobilität in der Hauptstadt“, sagte Pop. Auch wenn die Folgen der jahrelangen Sparpolitik beim Verkehrsunternehmen immer noch zu spüren sein. Nikuttas Verdienst sei, dass sie den Hebel in Richtung eines Angebotsausbaus umgelegt habe. Sie verlasse nun ein Unternehmen, das gut aufgestellt sei.

Neuer BVG-Vorstand fürs operative Geschäft

Der Abschied nach mehr als neun Jahren an der Spitze der BVG fühle sich an „wie eine Scheidung – allerdings inmitten einer Liebesbeziehung“, sagte Nikutta. Im beruflichen Kontext sei das der bessere Weg. Aus ihrer Sicht sei es guter Zeitpunkt für eine neue Herausforderung. Mit dem im Oktober erfolgten Dienstantritt von Rolf Erfurt sei der Vorstand der Verkehrsbetriebe wieder komplett besetzt.

Erfurt hat zudem Verantwortung für operative Geschäft übernommen. Zudem würden exzellente Fachleute bei der BVG arbeiten. „Wir haben es geschafft, zur BVG die besten und innovativsten Verkehrsexperten zu holen“, sagte Nikutta. Sie wünsche sich, dass das Land Berlin besser realisieren würde, welche Power das Unternehmen habe.

Wirtschaftssenatorin wünscht sich wieder Frau an der BVG-Spitze

Laut Pop werde sie sich ab Beginn nächsten Jahres auf die Suche nach Ersatz für Nikutta machen Es werde aber keine Besetzung auf Zuruf, sondern ein geordnetes Verfahren geben. „Vorstandsposten werden nicht an denjenigen vergeben, der sich in irgendeiner Zeitung am lautesten zu Wort meldet“, so Pops Seitenhieb auf bereits veröffentlichte Spekulationen über mögliche Nikutta-Nachfolger.

Nach Veröffentlichung der Stellenausschreibung will die Wirtschaftssenatorin im März Gespräche mit Bewerbern führen. Ziel sei, spätestens in der BVG-Aufsichtratssitzung im Juni einen Nachfolger beziehungsweise eine Nachfolgerin für Nikutta zu berufen. Wobei sie deutlich machte, dass sie gern wieder eine Frau an der Spitze der Verkehrsbetriebe haben möchte. „Das Gleichstellungsgesetz sieht vor, dass bei gleicher Qualifikation eine Frau zu bevorzugen ist“, sagte Pop.

Nikutta bleibt Berlinerin

Nikutta selbst kündigte an, in den Wochen bis zum Jahresende „einen intensiven Endspurt zu machen“. Es gebe mehrere Dinge, die sie noch zu Ende bringen wolle. Dazu gehörten etwa die Vorbereitungen für einen neuen Verkehrsvertrag, der im kommenden Jahr mit dem Senat abgeschlossen werden soll. Dieser sieht erhebliche Zusatzinvestitionen in das Personal, die Fahrzeugflotte und die Infrastruktur der BVG vor.

Spannend dürfte es zudem am 15. November werden, wenn das Berliner Kammergericht über den Einspruch von Alstom gegen die Vergabe eines BVG-Milliardenauftrags an Stadler entscheidet. Der Auftrag, der den Kauf von mehr als 1500 neue U-Bahnwagen beinhaltet, gilt als der größte in der Geschichte der Verkehrsbetriebe. Die Fahrzeuge werden als Ersatz für die altersschwache U-Bahnflotte dringend gebraucht. Sollte das Gericht gegen die BVG entscheiden, würde sich im schlimmsten Fall die Lieferung um mehrere Jahres verzögern.

Nikutta versprach, auch nach ihrem Wechsel in den Bahnvorstand das Geschehen in der Hauptstadt genau zu verfolgen. Auch ihr Hauptarbeitsort werde weiter in Berlin sein. Nikutta ist verheiratet, hat fünf Kinder und wohnt in Berlin-Biesdorf.