Prozess in Berlin

Betrunkener Feldwebel gibt entwürdigende Befehle: Geldstrafe

Weil er betrunken auf dem Kasernenhof unsinnige Befehle gegeben hat, musste sich ein Oberfeldwebel vor Gericht verantworten.

Nach einem Umtrunk gab der Oberfeldwebel unsinnige Befehle, die sein Untergebener als entwürdigend empfand.

Nach einem Umtrunk gab der Oberfeldwebel unsinnige Befehle, die sein Untergebener als entwürdigend empfand.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Bei der Bundeswehr erfolgt die Kommunikation zwischen Soldaten unterschiedlicher Hierarchiestufen förmlich und korrekt, das ist allgemein bekannt. Die Unterhaltung, die ein Oberfeldwebel und ein Hauptgefreiter im April dieses Jahres führten, war alles andere als förmlich. Und korrekt schon mal gar nicht. Dem Oberfeldwebel brachte sie eine Anklage ein, mit der sich am Donnerstag das Amtsgericht Tiergarten beschäftigte.

Für die Staatsanwaltschaft steht fest, dass der 28 Jahre alte Zeitsoldat seinem Untergebenen im betrunkenen Zustand unsinnige Befehle erteilt und den 24-Jährigen dabei in entwürdigender Weise behandelt hat. So soll beispielsweise der Ranghöhere dem Hauptgefreiten befohlen haben: „Setz dich auf die Flack“, gemeint war damit ein Flugabwehrgeschütz, das als Dekoration den Hof der Julius-Leber-Kaserne in Wedding ziert.

Passiert ist das Ganze in den frühen Morgenstunden des 5. April. Und zwar im Anschluss an eine Feier zur Verabschiedung eines Kameraden. Nüchtern waren beide Männer definitiv nicht mehr, was sie im Prozess auch einräumten. Passend zu ihrem Zustand war auch das Thema der Unterhaltung. Hat ein Befehl eines Vorgesetzten Gültigkeit, wenn dieser betrunken ist?

„Ein Vorgesetzter ist ein Vorgesetzter, auch wenn er besoffen ist“

Nein, befand der Hauptgefreite, ja der Oberfeldwebel („Ein Befehl ist ein Befehl und ein Vorgesetzter ein Vorgesetzter, auch wenn er besoffen ist“). Das soll der Ranghöhere dann auch gleich praktisch demonstriert haben. Offenbar genervt von dem „frechen und uneinsichtigen“ Verhalten des Jüngeren, soll er dem 24-Jährigen befohlen haben, endlich zu schweigen. „Wenn du nicht die Schnauze hältst, haue ich dir auf die Fresse“, soll laut Anklage der Wortlaut gewesen sein.

Der Hauptgefreite ignorierte die Drohung, worauf als Nächstes der Befehl erging, sich unverzüglich zu entfernen, vorgebracht mit den kurzen und prägnanten Worten „Verpiss dich“. Ergänzt worden soll die Aufforderung mit der weiteren Drohung, andernfalls werde er wegen Befehlsverweigerung und Ungehorsam festgenommen.

„Ohne diese Vorwürfe wäre ich längst Hauptfeldwebel“, sagt der Angeklagte

Die Aufforderung „Verpiss dich“ gestand der Oberfeldwebel, alles andere bestritt er. Der Hauptgefreite bleib ebenfalls bei seiner Version, die die Staatsanwaltschaft übernommen hatte. Zudem brachte er zwei Zeugen bei, die sich zwar am Donnerstag nicht mehr an alles erinnern konnten, bei ihrer Befragung durch den Kompaniechef am Tag nach dem Vorfall allerdings klare Aussagen gemacht hatten.

Der Richter und der Vertreter der Staatsanwaltschaft schenkten dem Jüngeren mehr Glauben. Der Anklagevertreter forderte für den Oberfeldwebel vie Wochen Strafarrest, eine Sanktion, die das Wehrstrafrecht für Bundeswehrangehörige bei dienstlichen Vergehen ermöglicht. Der Richter hingegen verzichtete auf einen Freiheitsentzug und verhängte 3500 Euro Geldstrafe. Das Schlusswort des Angeklagten: „Ohne diese Vorwürfe wäre ich längst Hauptfeldwebel“.