Betreuung

Neue App soll Kita-Platzsuche in Berlin erleichtern

Senatorin Sandra Scheeres (SPD) hat den „Kita-Navigator“ vorgestellt. Das System hat aber seine Tücken - und die Probleme bleiben.

Schöne heile Kita-Welt: Doch wie finden Eltern in Berlin einen Platz für ihr Kind?

Schöne heile Kita-Welt: Doch wie finden Eltern in Berlin einen Platz für ihr Kind?

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Eltern die oft anstrengende Suche nach einem Kita-Platz in Berlin zu erleichtern – das ist das große Ziel des neuen Kita-Navigators, der am Mittwoch an den Start gebracht wurde. Über das Internet-Portal kita-navigator.berlin.de können Eltern sich über Einrichtungen informieren, bekommen freie Plätze angezeigt und können Anfragen an Kitas verschicken.

Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD) betonte bei der Vorstellung der Plattform, der Navigator schaffe mehr Transparenz und sei „ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des Kitasystems“. Meint zumindest die Senatorin.

Entwicklung des Kita-Navigators hat 500.000 Euro gekostet

Rund 500.000 Euro wurden in die Entwicklung des Portals investiert, die etwa zwei Jahre gedauert hat. In dem Navigator werden die 2600 öffentlich finanzierten Kitas erfasst. Private Kitas tauchen nicht auf. Die Eltern können für die Suche nach Adressen, Öffnungszeiten oder pädagogischen Konzepten filtern.

Wo Plätze frei sind, wird für einen Zeitraum von bis zu neun Monaten im Voraus mit grüner Ampel signalisiert. Hier steckt eine erste Schwierigkeit: Der Navigator muss ständig von der Kita-Leitung gepflegt werden.

Ob Plätze frei sind, berechnet das System aus der Differenz zwischen belegbaren und tatsächlich belegten und vorgemerkten Plätzen. Werden die Zahlen jedoch nicht aktualisiert, kann Grün angezeigt werden, obwohl keine Plätze frei sind. Eine Rolle spielt auch, ob ein Erzieher fehlt und die Kapazität nicht ausgeschöpft werden kann.

Der Navigator im Praxistest: Erzieher fehlen

Immerhin können Nutzer nur maximal zehn Anfragen stellen. So wolle man den Massenanmeldungen einen Riegel vorschieben, sagte Scheeres. Gleichzeitig bekommen die Eltern eine automatische Rückmeldung zum jeweiligen Bearbeitungsstand.

Aber besteht der Kita-Navigator auch im Praxistest? Anruf in der Kita Bethaniendamm in Kreuzberg. Laut Navigator gibt es dort freie Plätze – ab sofort. Auf Papier habe man zwar 15 Plätze zu belegen, sagt Kita-Leiter Gerd Wieser. Nur habe man – wie fast überall in Berlin – momentan zu wenig Personal.

Zwei Erzieher fehlten, die Kita könne, ohne gegen den Personalschlüssel zu verstoßen, keine weiteren Kinder aufnehmen. Von Kitaträgern hört man: Bislang habe man keine Gelegenheit gehabt, das tatsächliche Platzangebot im Navigator anzugeben. Und: Sollten genügend Erzieher vorhanden sein, seien die Plätze sowieso schon über Wartelisten vergeben.

Wartelisten sind Geschichte

Diese handschriftlich geführten Wartelisten sollen laut Senatsverwaltung nun Geschichte werden. „Die Träger sind verpflichtet, das neue System zu nutzen“, sagte Scheeres. Das sei in den Rahmenvereinbarungen für Tageseinrichtungen verankert und damit auch an die Finanzierung der Einrichtungen geknüpft.

Die Entscheidung, welches Kind einen Platz bekommt, trifft aber weiterhin die Kita-Leitung. Dass die Träger den Navigator tatsächlich nutzen und ihre Daten entsprechend aktualisieren, sei entscheidend für das Portal, sagte Katharina Queisser, Vorstandsmitglied des Landeselternausschusses Kita in Berlin.

Aus Mecklenburg-Vorpommern gebe es ein Beispiel, wo ein ähnliches Portal wegen fehlender Beteiligung der Kitas gescheitert sei. Für den Fall, dass die Träger ihre Daten nicht aktualisieren oder keine Rückmeldungen geben, brauche es eine Beschwerdestelle, so Queisser.

Schaffung von Kita-Plätzen wichtigste Aufgabe

Jörg Nolte, Geschäftsführer der IHK Berlin, sieht dagegen ein anderes Problem: „Die dringlichste Aufgabe bleibt die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen in ausreichender Anzahl. Hier gibt es erheblichen Aufholbedarf“, so Nolte. 177.000 Plätze gibt es laut Scheeres zurzeit in den Berliner Kitas.

Frei seien davon mit Stand November 10.800 Plätze und damit 1400 mehr als vor einem Jahr. Das zeige, dass tausende Plätze geschaffen werden, sagte Scheeres. „Aber ich sehe noch keine Entspannung.“ Dass eine Entlastung für die Eltern vor allem durch den Aus- und Neubau von Kitas geschaffen werden würde, sagte auch die FDP-Abgeordnete Maren Jasper-Winter.

Mehraufwand für die Träger

Der Kita-Navigator sei ein Projekt, das die Eltern unterstützen könne, aber keinen neuen Kita-Platz schaffe. Man müsse vor allem die Kita-Leitungen durch Verwaltungsmitarbeiter entlasten: „Das kann kurzfristig über 400 Vollzeitäquivalente freisetzen, was circa 3000 zusätzliche Kitaplätze bringen würde.“

Denn das Hauptproblem ist: Statt einer Entlastung beschert der Kita-Navigator den Trägern erstmal Mehraufwand. „Sie müssen den Navigator mit Informationen füttern, das passiert nur teilweise automatisiert über das System“, sagte Babette Sperle vom Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden.

Schwierig sei auch, dass es „eine Schwelle zur Nutzung des Navigators für Eltern“ gibt. Denn wer eine Anfrage an eine Kita verschicken will, muss ein Service-Konto anlegen.