"Zero Waste"

Berlin bekommt vier Gebrauchtwaren-Kaufhäuser

Berlin soll Vorreiter bei der Müllvermeidung werden. Deshalb richtet der Senat vier Gebrauchtwaren-Kaufhäuser in der Stadt ein.

Berlin soll vier Warenhäuser für Gebrauchtes bekommen (Symbolbild).

Berlin soll vier Warenhäuser für Gebrauchtes bekommen (Symbolbild).

Foto: dpa

Berlin will seine Anstrengungen zur Müllvermeidung verstärken. Dazu hat der Senat am Dienstag das „Zero-Waste-Konzept“ der Umweltverwaltung beschlossen. Es sieht vor, das korrekte Benutzen der Biotonne zu fördern, die Bioabfälle in der Gastronomie besser zu trennen und die Menge des Restmülls in der Stadt zu senken. „Es geht nicht darum, gar keine Abfälle mehr zu produzieren, sondern immer weniger“, sagte Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) am Dienstag nach der Senatssitzung.

Dazu soll die Kreislaufwirtschaft des Abfalls mit Abfallvermeidung, Wiederverwertung und Recycling ausgebaut werden. „Die Menschen sind willig, aber manchmal fehlt die letzte Information oder der letzte Wille“, sagte Günther.

Ein zentraler Punkt dabei sollen sogenannte Re-Use-Kaufhäuser werden. Hier sollen gebrauchte Gegenstände und Waren aufbereitet und wiederverkauft werden. Im Unterschied zu bestehenden Sozialkaufhäusern, in denen vor allem für ärmere Bevölkerungsschichten Waren angeboten werden, sollen die neuen Einrichtungen möglichst alle Bevölkerungsschichten ansprechen. „Es soll cool sein, dort zu kaufen“, sagte Günther.

Ein möglicher und nahe liegender Partner ist die BSR

In den kommenden zwei Jahren plant die Umweltverwaltung, bis zu vier derartige Kaufhäuser im Stadtgebiet zu etablieren. Wo genau sie entstehen und wie sie funktionieren sollen, darüber will die Verwaltung Ende November informieren. Der Senat ist derzeit auf der Suche nach Partnern, die die Kaufhäuser künftig betreiben. Aktuell steht sie dazu in Verhandlungen mit der Berliner Stadtreinigung (BSR), die sich bereits an ersten Modellversuchen dazu beteiligt hat.

Außerdem plant die Umweltsenatorin, das Angebot an wieder verwertbaren Kaffeebechern massiv auszubauen. So soll auf der Stadtbahn zwischen Ost- und Westkreuz sowie auf der ganzen U-Bahnlinie 2 ein Pfand-Bechersystem eingeführt werden. „Ziel ist es, dass die Menschen beim Einsteigen einen Kaffee kaufen können und den Becher beim Aussteigen wieder abgeben können“, sagte die Umweltsenatorin.

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Mehr als 1000 Geschäfte meiden Einweg-Kaffeebecher

Um ausreichend Becher zur Verfügung stellen zu können, wird gleichzeitig ein Hol- und Bringsystem für dreckige und saubere Bescher entstehen, kündigte Günther an. Weil viele Kaffeeshops nicht die hygienischen Bedingungen für die Reinigung verschmutzter Becher aufbringen können, werden sie mit Lastenfahrrädern abgeholt, gereinigt und wieder in die Geschäfte gebracht. Schon jetzt beteiligen sich mehr als 1000 Geschäfte an der Initiative „Better World Cup“, die einen Rabatt für Kunden gewähren, die ihren eigenen Kaffeebecher mitbringen und keinen Einweg-Pappbecher benutzen.

Bereits seit April dieses Jahres besteht die Pflicht, braune Abfalltonnen für Biomüll einzusetzen. Bis dahin beruhte die Biomüllsammlung auf Freiwilligkeit. Die Pflicht zeigt offenbar Wirkung. Nach Angaben Günthers wird sich die Menge des Biomülls in diesem Jahr von 72.000 Tonnen auf 100.000 Tonnen erhöhen. Aus Biomüll lässt sich in entsprechenden Anlagen Biogas herstellen.

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Noch landet zu viel organisch Verwertbares im Restmüll

Dennoch landet nach Überzeugung Günthers noch viel zu viel Biomüll in der grauen Restmülltonne. In zwei Großsiedlungen in Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf sollen die Bewohner in einem Modellprojekt zu mehr Sorgfalt bei der Mülltrennung motiviert werden.

Ganz besonders gilt das auch für die Gastronomie. Hier sei das Potenzial an verwertbaren Bioabfällen besonders groß, sagt Günther. Deshalb sollen Gastwirte eine intensive Beratung erhalten, wie der Biomüll am besten getrennt vom Restmüll entsorgt werden kann. „Nur wenn wir uns schnell von der Wegwerfgesellschaft verabschieden, werden wir zu einer nachhaltigen Entwicklung kommen“, sagte Günther.

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Müllvermeidung in Berlin - Die Maßnahmen des Senats im Überblick:

  • Initiative Re-Use Berlin: Unter dem Motto „Wiederverwenden statt wegwerfen“ hat die Senatsverwaltung im vergangenen Jahr die Initiative Re-Use Berlin gestartet. Neben Sammel- und Verkaufsaktionen von gut erhaltenen Gebrauchtwaren wurden 2018 und 2019 Veranstaltungen, Bildungsangebote und ein Ideenwettbewerb durchgeführt. Damit konnte das Bewusstsein der Berlinerinnen und Berliner für nachhaltigen Konsum gestärkt werden.
  • Die Biotonne: Die Verwertung von Bioabfällen aus den Küchen und Gärten der Stadt bietet großes Potenzial, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu verringern: Rund die Hälfte des Mülls, der in die graue Restmülltonne wandert, ist organisch verwertbar. Daraus lassen sich klimafreundliches Biogas und Kompost gewinnen. Seit dem 1. April 2019 ist die Biotonne in Berlin verpflichtend eingeführt worden. Nun werben BSR und Senat für die Nutzung der Biotonne.
  • Modellversuch zur Vermeidung von Speiseabfällen in der Gastronomie: Wie eine Untersuchung im Auftrag der BSR ergab, enthält das Restmüllaufkommen von Gastronomiebetrieben noch bis zu 70 Prozent Speiseabfälle. Vor allem bei kleinen und mittleren Gastronomiebetrieben erfolgt noch keine ausreichende Getrenntsammlung von Speiseabfällen. Im Rahmen eines Modellversuchs der Senatsverwaltung werden in Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf Gastronominnen und Gastronomen beraten, um die Getrenntsammlung von Speiseabfällen deutlich zu steigern.
  • Initiative Better World Cup: Die Initiative Better World Cup wirbt für den Umstieg auf den Mehrwegbecher. Seit dem Start im Juli 2017 konnten berlinweit über 1000 gastronomische Einrichtungen gewonnen werden, die Kaffee in mitgebrachte Mehrwegbecher ihrer Kundinnen und Kunden füllen und dafür einen Rabatt geben. Der Better World Cup macht es leicht, den Kaffee unterwegs umweltfreundlich zu genießen.
  • Umweltbildung: Das Projekt „Zero-Waste-Strategie an Leuchtturmschulen“ bietet seit 2018 Workshops für Schülerinnen und Schüler. Vermittelt wird Wissenswertes rund um die Themen Rohstoffe, Abfallwirtschaft, Ressourcenschutz, Recycling und Kreislaufwirtschaft. Bei einer anschließenden „Entdeckerreise” durch ihr Schulgebäude lernen die Teilnehmenden die wichtigsten Abfallströme und eigene Handlungsmöglichkeiten für die aktive Umsetzung von Zero Waste kennen.