Berlin-Mitte

BND öffnet Besucherzentrum: Was man dort erleben kann

Der Bundesnachrichtendienst öffnet neun Monate nach seinem Einzug in die neue Zentrale in Berlin sein Besucherzentrum.

BND gewährt Einblicke in die Arbeit

Ein Geheimdienst lässt sich - wie der Name schon sagt - nicht gerne in die Karten schauen. In Berlin geht das seit Anfang November doch.

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Berlin. Wie schnelllebig die Welt der Geheimdienste sein kann, sieht man an einem der aktuellsten Ausstellungsstücke im neuen Besucherzentrum des Bundesnachrichtendienstes (BND) an der Chausseestraße. Hinter einer Schautafel werden Erkenntnisse zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ präsentiert, deren Ziel die Errichtung eines Kalifates mit Abu-al Baghdadi an der Spitze sei.

Diese Information ist nicht mehr aktuell. Ende Oktober wurde der Terrorist bei einer US-Militäroperation in der Nähe des türkischen Grenzgebietes getötet. Das Asservat steht sinnbildlich für die Arbeit des BND, der weltweit Informationen zusammenträgt und ständig neu bewerten muss. Nun gibt der BND einen kleinen Einblick in seine Arbeit und öffnet das weltweit erste Besucherzentrum eines Nachrichtendienstes. Hinein dürfen allerdings vorerst nur angemeldete Gruppen und nicht mehr als 15.000 Menschen pro Jahr. Spontaner Besuch ist nicht möglich. Das hat auch mit den strengen Sicherheitsvorkehrungen in dem Gebäude zu tun.

Exponate aus 60 Jahren Geheimdienst

Das Besondere an der Ausstellung ist, dass es sich bei allen Exponaten um Originale aus 60 Jahren Geheimdienst handelt. Darunter sind etwa eine Zentrifuge zur Urananreicherung im Atomwaffenbau. Eine Sprengstoffweste und eine improvisierte Sprengvorrichtung aus Afghanistan. Satellitenaufnahmen einer Raketenrampe in Nordkorea. Die Handtasche der legendären Doppelagentin Gabriele Gast.

Die Räume des Besucherzentrums sind in einer Ecke des riesigen BND-Neubaukomplexes untergebracht – streng abgeschirmt vom Rest der Gebäude mit Lagezentren, Geheimdienst-Labors und Auswerterbüros. Wer ins Besucherzentrum möchte, wird wie am Flughafen durchleuchtet.

Gut zwei Millionen Euro hat sich der Geheimdienst die ungewöhnliche Präsentation kosten lassen und hofft so, dass seine Arbeit transparenter wird. „Wir können ja schlecht hier mitten in der Stadt so prominent sitzen in einem sehr auffälligen und großen Haus, ohne auch den Bürgern zu erklären, wer wir sind und was wir machen“, sagt BND-Präsident Bruno Kahl. Der Dienst lege viel mehr Wert auf Transparenz als früher. „Bis zu gewissen Grenzen natürlich“, so Kahl weiter.

5000 Meldungen pro Tag und 450 Berichte im Monat

Eine hochmoderne Kulisse empfängt die Besucher. Auf einem 73 Quadratmeter großen Bildschirm ist ein sich ständig veränderndes Gitternetz zu sehen mit Knotenpunkten über den ganzen Globus. Es soll die multipolare Welt symbolisieren, das internationale Geflecht der Ereignisse, geheimen Kontakte und Informationen, denen Beschaffer und Analysten des Geheimdienstes hinterherspüren.

„UN-Bericht: IS ist weiter eine ernsthafte Bedrohung der Welt“ – über den Videoscreen flimmern minutenaktuelle dpa-Meldungen. Der BND selbst produziert 5000 Meldungen pro Tag weltweit. Daraus werden etwa 450 Berichte, die im Monat an Abnehmer in Regierung und anderen Sicherheitsbehörden gehen.

Im Erdgeschoss sind multimediale Ausstellungsstelen zu sehen. Es geht um internationalen Terrorismus, Krisenregionen, Migration, Cyberbedrohung. In einer multimedialen Installation, mit deren Hilfe die Besucher zwischen größter Geheimhaltung und größter Transparenz wählen können, soll zur realistischen Einschätzung der Geheimdienstarbeit beitragen. Am Ausgang kann man sehen, wie sich bisherige Besucher entschieden haben.

Mit diesem Ausstellungsstück konnte man Atombomben bauen

Eines der außergewöhnlichsten Ausstellungsstücke wird ein paar Meter weiter gezeigt: Unter dem Punkt Proliferation – es geht um die Verbreitung von Atomwaffen. Tritt man der entsprechenden Stele näher, wird der Blick freigegeben auf eine Gas-Ultrazentrifuge im Original. Solche Apparate spielen eine zentrale Rolle beim Bau von Atombomben – und werden etwa vom Iran verwendet. Die ausgestellte Zentrifuge ist tatsächlich schon zur Herstellung von angereichertem Uran verwendet worden.

Wie das ungewöhnliche Exponat den Weg in die Asservatenkammer und die Ausstellung gefunden hat, bleibt Staatsgeheimnis. Die Röhre aus Aluminium ist so geheim, dass die Experten in den BND-Werkstätten oben eine Verblendung angebracht haben – damit mögliche ausländische Spione unter den Besuchern die Technik der Anschlussgewinde nicht fotografieren und so nachbauen können.

In einer anderen Stele hängt eine sandfarbene Sprengstoffweste aus Afghanistan. Sie und Ausstellungsstücke wie ein schultergestütztes Flugabwehr-Raketensystem oder eine behelfsmäßig zusammengebastelte Sprengvorrichtung sollen Auftrag und Arbeit der Spione verdeutlichen. Bekommt der BND solche Dinge in die Hände, können sie Aufschluss über Strukturen von Terrorgruppen, Vorgehensweisen und technische Möglichkeiten geben.

BND zeigt Methoden der Auslandsspionage

Im ersten Stock geht es um Gegenwart und Geschichte des BND. An vier multimedialen Tischen werden die Methoden der Auslandsspionage gezeigt. Dort, wo es um menschliche Quellen (BND: die „Königsdisziplin nachrichtendienstlicher Arbeit“) geht, ist zu sehen, wie sich ein „Verbindungsführer“ irgendwo im Orient mit einem „Informanten“ trifft, dem Führer einer Miliz mit 1000 Kämpfern.

Im Text wird die Motivation des Mannes erklärt: „Durch den Kontakt zu einem westlichen Nachrichtendienst fühlt er sich in seiner Position gestärkt und aufgewertet.“ Ein Übersetzer und ein zweiter bewaffneter BND-Mann zur Rückendeckung sind auch dabei. Im Schaukasten sind Ausrüstungsgegenstände zu sehen, von der Dienstwaffe über das GPS-Gerät bis zum Geld für den Informanten und dem Medi-Pack, einer medizinischen Erstausrüstung.

Bei einem der visuellen Höhepunkte der Ausstellung geht es um „Imagery Intelligence“ (IMINT), die Auswertung von Satelliten- und Luftaufnahmen. Zu sehen sind die Veränderungen an einer realen Raketenstartanlage in Nordkorea – im Zeitraffer.