Mauerfall-Jubiläum

So starteten die Mauerfall-Jubiläumsfeiern in Berlin

Die Demonstration am 4. November 1989 läutete das Ende der DDR ein. Nun wird an den Mauerfall erinnert, in der ganzen Stadt.

Der letzte Staatsratsvorsitzende der DDR, Egon Krenz, in einer Sequenz der Videoinstallation auf dem Alexanderplatz.

Der letzte Staatsratsvorsitzende der DDR, Egon Krenz, in einer Sequenz der Videoinstallation auf dem Alexanderplatz.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Es gehört fast zur Ironie der Geschichte, dass es dem letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR, Egon Krenz, vorbehalten war, die Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum des Mauerfalls einzuleiten. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) eröffnete am Montag an historischer Stelle auf dem Alexanderplatz in Mitte die Feierwoche. An sieben Orten wird sieben Tage lang an die Ereignisse des Herbstes 1989 erinnert, die am 9. November in den Fall der Mauer mündeten.

„Wir wollen, dass es wieder erlebbar wird“, sagte Müller, kurz bevor die gewaltige Videoinstallation Bilder aus der Wendezeit an die Gebäude des Alexanderplatzes warf. Den Auftakt bildete die Bekanntgabe der gefälschten Wahlergebnisse der letzten Kommunalwahl am 7. Mai 1989, die das Aufbegehren der DDR-Bürger anfachte. „Vor 30 Jahren hat etwas stattgefunden, was es vorher nie gegeben hat: Ein Volk ist zusammengekommen, ganz ohne Blutvergießen“, sagte Müller.

Angesichts der aktuellen Angriffe auf die Demokratie und Freiheit von vielen Seiten appellierte der Senatschef, sich auch jetzt für Freiheit und Gleichberechtigung zu engagieren. „Das ist ein wichtiges Signal, das von Berlin ausgehen muss.“

Feierlichkeiten an besonders geschichtsträchtigen Orten

Die Feierlichkeiten finden in den kommenden sieben Tagen an besonders geschichtsträchtigen Orten statt. „Geschichte lässt sich am besten an Originalschauplätzen erzählen“, sagte der Chef-Organisator der Jubiläumswoche, Moritz van Dülmen. „Um die friedliche Revolution zu verstehen und das Mauerfall-Jubiläum zu feiern, werden wir die Ereignisse von 1989/90 genau dort erzählen, wo sie passiert sind.“

Der Alexanderplatz gehört dazu. Hier fand am 4. November 1989 die größte Protestdemonstration der DDR-Geschichte statt, die das Ende des Staates einläutete. Die Videoinstallation, die täglich nach Einbruch der Dunkelheit gezeigt wird, dokumentiert zentrale Ereignisse des Wendejahres.

„2014 haben wir bei unserer Lichtergrenze den Schwerpunkt auf die Teilung Berlins und die Überwindung der Mauer gelegt“, sagt van Dülmen. „Dieses Jahr wollen wir den Blick erweitern und auf die Orte der Protestbewegungen und Demonstrationen, auf die Schauplätze der friedlichen Revolution lenken.“ Dabei soll der 30. Jahrestag aber auch ein Anlass sein, der Opfer der SED-Diktatur zu gedenken.

Kinder und ihre Sicht auf den Mauerfall

Das Kulturprogramm ist vielfältig. Am Alexanderplatz zeigen Kinder und Jugendliche im Filmprojekt „Aus Mut gemacht“ in Kurzfilmen ihre Sicht auf den Mauerfall und die friedliche Revolution (Dienstag und Mittwoch, 10 bis 12 Uhr). Täglich ab 16 Uhr ist die Performance „Audition for a Demonstration“ zu sehen, die aus persönlichen Mauer-Geschichten entstanden ist.

In einer Ausstellung werden Wohnaccessoires und Designklassiker zu Waffen und Kampfausrüstung umfunktioniert (täglich ab 16 Uhr, Haus der Statistik). Eine Podiumsdiskussion stellt ethnische und religiöse Minderheiten in der DDR in den Mittelpunkt – Menschen mit Migrationshintergrund, die nicht nur eine „andere“ Kultur, sondern auch eine „andere“ Religion mitbrachten, und Menschen, die innerhalb der DDR als religiöse Minderheiten galten (Dienstag. 17 bis 18.30 Uhr, Programm-Pavillon).

Täglich Konzerte auf dem Alexanderplatz

Zudem beschäftigen sich auch täglich Konzerte auf dem Alexanderplatz mit den Geschehnissen im November 1989. Zunächst tritt die Band Seilschaft auf, mit der der legendäre Rockpoet Gerhard Gundermann in den 90er-Jahren ein kritisch-anspruchsvolles Publikum in Ost und West erreicht hatte (Dienstag, 19 bis 19.45 Uhr).

Danach spielen zunächst die DDR-Punkband Zerfall, gefolgt von ihrem West-Berliner Pendant, der Kult-Punkband Fehlfarben (Mittwoch, ab 19 Uhr). Einen Tag danach tritt die DDR-Band Pankow am Alexanderplatz auf (Donnerstag, ab 19.30).