Bildungspolitik

Senat will Schuldaten von Gymnasien auswerten

Mit Statistiken sollen Berlins Schulen leichter Probleme angehen können. Bald wird das Indikatorenmodell auch an Gymnasien eingesetzt.

Unterricht in einer Schule. Der Senat will den Zustand der Gymnasien systematisch erfassen. (Archivbild)

Unterricht in einer Schule. Der Senat will den Zustand der Gymnasien systematisch erfassen. (Archivbild)

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Berlin. Der Zustand der Berliner Gymnasien soll bald besser statistisch erfasst werden. Dazu soll das Berliner Indikatorenmodell bald auch für diese Schulform angewendet werden.

Wie viele Kinder eines Jahrgangs schaffen den Abschluss, werden Stunden bei Krankheit der Lehrer vertreten und wie häufig fehlen Schüler unentschuldigt? Seit drei Jahren steht allen Integrierten Sekundarschulen (ISS) ein Indikatorenmodell mit genauen Schuldaten darüber zur Verfügung.

Nachdem im vergangenen Schuljahr erstmals alle Grundschulen eine statistische Auswertungen erhielten, sollen bald auch Berlins Gymnasien mit dem Indikatorenmodell arbeiten. An den ersten Gymnasien soll der Einsatz noch in diesem Schuljahr starten.

Indikatorenmodell gibt Berliner Schulen viele Daten auf einem Blick

„Mit den Daten können die Schulen sehen, wo sie selbst stehen“, sagte Bildungssenatorin Scheeres (SPD) bei einem Pressetermin am Montag. Früher hätten das die Schulen selbst auswerten müssen. „Da ist das eine absolute Erleichterung.“ Derzeit wird geprüft, welche Indikatoren für die Schulform notwendigerweise erhoben werden müssten. Sie werden sich in Teilen vom Datensatz für ISS unterscheiden. Berlinweit arbeiten damit derzeit gut 340 Schulen. Nach den Gymnasien sollen noch die Berufsschulen folgen.

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Die Ausweitung des Indikatorenmodells auf weitere Schulen geschehe als Reaktion auf die guten Erfahrungen der vergangenen Jahre, betonte Scheeres. Als Beispiel nannte sie die Willy-Brandt-Schule in Gesundbrunnen. Dort habe die Zahl der Abgänger ohne Abschluss zwischenzeitlich auf ein Zehntel gesenkt werden können, teilte die Senatsbildungsverwaltung mit.

Nach einem Anstieg im vergangenen Schuljahr liege die aktuelle Abbrecherzahl immer noch nur bei rund 20 Prozent des Ausgangswerts. Genaue Zahlen wollten Senatsverwaltung und Schule nicht nennen. „Das spielt uns wunderbar in die Hände“, sagte Schulleiterin Andrea Franke zum Indikatorenmodell. Mit harten Zahlen könne besser erkannt werden, wo die Probleme lägen. Zur Entwicklung an anderen Schulen sagte die Bildungsverwaltung nichts.

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FDP kritisiert zu wenig Konsequenzen bei schlechter Entwicklung

Unterstützung erhielt die Bildungsverwaltung von der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK). „Es ist ein richtiger Schritt, um die Schulqualität an den Berliner Schulen zu steigern“, sagte Jörg Nolte, Geschäftsführer für Wirtschaft und Politik der IHK. Voraussetzung sei allerdings, dass sich alle Schulen beteiligen und die Daten auch nutzen.

Ähnlich argumentierte der Bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Paul Fresdorf. „Entscheidend wird für das Indikatorenmodell sein, wie die Maßnahmenpakete bei einer schlechten Entwicklung der Schule aussehen, wie verbindlich diese sind und welche Konsequenzen es hat, wenn diese nicht umgesetzt werden.“ An diesen Maßnahmen werde erst die Ernsthaftigkeit des Vorhabens abzulesen sein.

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