Dauer-Baustelle

Sanierte Staatsbibliothek Unter den Linden vor Eröffnung

Nach 14 Jahren Bauzeit ist die Staatsbibliothek Unter den Linden nun umfassend saniert und modernisiert.

Berlin.  Elf Jahre dauerte der Bau der Staatsbibliothek zu Berlin. Als Kaiser Wilhelm II. das Haus Unter den Linden als Königliche Bibliothek im Jahr 1914 eröffnete, war dies seine letzte feierliche Gebäudeübergabe: Es folgte der 1. Weltkrieg – und dann gab es kein Kaiserreich mehr. Die umfangreiche Sanierung und und Erweiterung der Forschungsbibliothek, die mit der Schlüsselübergabe am kommenden Montag gefeiert werden soll, hat sogar noch länger gedauert.

Kosten der Staatsbibliothek stiegen um 144 Millionen Euro

Seit 2005 und damit seit 14 Jahren wird das monumentale Gebäude bei laufendem Betrieb an die Erfordernisse der 21. Jahrhunderts angepasst. Dass die Arbeiten den ursprünglich gesetzten Kostenrahmen sprengten, ist schon allein aufgrund der langen Bauphase keine wirkliche Überraschung, schließlich sind die Baukosten in Deutschland in den vergangen Jahren sprunghaft gestiegen.

Zudem zeigte sich, dass die im Krieg schwer beschädigte und zu DDR-Zeiten umgebaute Forschungsbibliothek weit sanierungsbedürftiger war, als ursprünglich gedacht. Besonders die Kuppel mit Oberlicht über dem 19 Meter hohen Foyer bereitete Schwierigkeiten. Die Kuppel auf den alten, denkmalgeschützten Betonbögen erwies sich als nicht mehr standsicher, neue Stützen mussten aufwendig in das Gebäude eingebracht werden.

Die Gesamtkosten, so Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), belaufen sich nunmehr auf rund 470 Millionen Euro. Ursprünglichen ging man von 326 Millionen Euro aus. Auch der Zeitverzug war schließlich erheblich: Die Arbeiten auf dem gut 100.000 Quadratmeter Grundfläche umfassenden Komplex sollten ursprünglich bereits 2012 fertiggestellt sein.

Baucontainer blockieren noch bis 2021 die Straße Unter den Linden

Bis zur kompletten Eröffnung im Mai 2020 müssen nach Auskunft der Generaldirektorin der Staatsbibliothek Barbara Schneider-Kempf nun die neuen Leseräume eingeräumt und die Mitarbeiter nach und nach aus ihrem Interimsquartier in den Containern an der Universitätsstraße wieder in das Gebäude umziehen. Auch die Baucontainer an der Charlottenstraße und die dortige Baustelleneinrichtung, die die halbe Straßenbreite einnimmt, werden noch eine ganze Weile stehen bleiben – ebenso wie die Baustelleneinrichtung vor dem Hauptportal Unter den Linden.

Denn noch immer ist nicht das ganze Bauvorhaben, für die der Architekt HG Merz die Pläne lieferte, abgeschlossen. So sind die Pflasterarbeiten in den Innenhöfen noch nicht gänzlich beendet. Bis 2021 soll zudem noch ein 2000 Quadratmeter großes Bibliotheksmuseum in dem insgesamt 107.000 Quadratmeter großen Gebäude Platz finden. Dieses kann aber erst errichtet werden, wenn der Hauptzugang zur Bibliothek Unter den Linden wieder freigegeben wird. Mit den Bauarbeiten für das Museum wird daher erst im kommenden Jahr begonnen, 2021 soll aber dann wirklich alles fertig sein, versicherte die Generaldirektorin.

Damit der Umzug der kostbaren Bibliotheksbestände ungestört vonstatten gehen kann, bleibt die Bibliothek ab sofort und bis zum Mai kommenden Jahres geschlossen. Danach wird der bereits 2012 eröffnete große Lesesaal für die Nutzer endlich wieder auf der historischen Achse durch den Gebäudekomplex über Eingangshalle, Brunnenhof und die imposante Haupttreppe erreichbar sein. Dies war zuletzt vor 70 Jahren der Fall. „Die Zeit der Schließung werden wir unter anderem auch dafür nutzen, den großen Lesesaal wieder schön zu machen“, sagte Jens Andreae, Projektleiter beim BBR. Denn in den sieben Jahren seit Eröffnung des großen Lesesaals hat insbesondere der knallrote Teppich, mit dem Architekt HG Merz den Saal ausgestattet hat, empfindlich gelitten. Die befleckte und zu hellorange verblichene Auslegeware solle, so habe es der Architekt vorgesehen, ohnehin regelmäßig erneuter werden, sagte Andreae.

Die Staatsbibliothek hat etwa 12 Millionen Bücher in ihren Regalen und Depots. Damit ist die Institution die größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum. Zu den größten Schätzen zählen die originalen Partituren etwa von Beethovens 9. Sinfonie, Mozarts „Zauberflöte“ sowie Bachs Passionen.

Besichtigungstouren durch das Gebäude angeboten

Am Sonnabend, 16. November 2019, 10 bis 18 Uhr können Interessierte im Rahmen von stündlichen Führungen sich von vielen Bereichen des Gebäudes selbst ein Bild machen. Gezeigt werden unter anderem der Musiklesesaal, die Gruppenarbeitsräume und das Informationszentrum. Die geführten Rundgänge finden jeweils zur vollen Stunde statt. Der letzte Rundgang beginnt um 17 Uhr. Für die Rundgänge ist eine vorherige Anmeldung unter Angabe der Uhrzeit an staatsbibliothek2019@bbr.bund.de erforderlich. Ein barrierefreier Zugang ist an diesem Tag leider noch nicht möglich.