Morgenpost vor Ort

Leserforum: Berlins Schulbaupolitik auf dem Prüfstand

Morgenpost vor Ort am 7. November: Themen sind der Mangel an Schulplätzen, Sanierungsstau und Neubauten. Und so können Sie dabei sein.

Lernen im Containerbau: Auch die Grunewald-Grundschule an der Delbrückstraße hat auf diese Weise zusätzliche Klassenzimmer bekommen.

Lernen im Containerbau: Auch die Grunewald-Grundschule an der Delbrückstraße hat auf diese Weise zusätzliche Klassenzimmer bekommen.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Davor fürchten sich alle Eltern: Das Kind soll von der Grund- auf eine weiterführende Schule wechseln, und das Schulamt lehnt alle drei Wunschschulen ab. Schließlich soll das Kind sogar auf eine Schule in einem anderen Bezirk gehen. Nur Einzelfälle?

Auch wenn es nicht die Regel ist, solche Klagen erreichen die Morgenpost-Redaktion immer wieder, wenn die Vergabe der Schulplätze an Gymnasien und Sekundarschulen ansteht. Schulen mit einem sehr guten Ruf sind entsprechend stark nachgefragt und leiden potenziell besonders unter Platzmangel. Keine Frage: Berlin benötigt in den kommenden Jahren Tausende weiterer Schulplätze.

Die ausreichende Versorgung Berlins mit guten Schulplätzen ist eine der wichtigsten Aufgaben der rot-rot-grünen Koalition, die „Berliner Schulbauoffensive“ das größte Investitionsvorhaben des Senats. Bis zum Jahr 2026 sollen 5,5 Milliarden Euro fließen, um den Sanierungsstau abzubauen und neue Schulgebäude zu errichten.

Leserforum zu Schulen in Berlin

Aber kann das ehrgeizige Projekt gelingen? Etliche Schulpraktiker, Elternvertreter und Politiker bezweifeln das, die Landesregierung sieht sich indes auf gutem Weg.

Grund genug, das Thema bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion ausführlich zu erörtern. Schulplatzversorgung, Schulbau und -sanierung sind Thema unseres nächsten Leserforums in der Reihe „Morgenpost vor Ort“ am 7. November. Es trägt den Titel „Gelingt Berlin die Schulbauoffensive?“

Bildungssenatorin Sandra Scheeres auf dem Podium

Auf dem Podium diskutieren: Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD); Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im ­Abgeordnetenhaus; Wilfried Nünthel, Schulstadtrat in Lichtenberg (CDU); Peter Heckel, im Vorstand des Landesschulbeirats Experte für Schulbau, sowie Susanne Leinemann, Fachredakteurin der Berliner Morgenpost für das Themenfeld Schule und Kita. Moderator des Abends ist Morgenpost-Autor und Kolumnist Hajo Schumacher.

Das Leserforum beginnt am Donnerstag, 7. November, um 19 Uhr in der Aula des Schiller-Gymnasiums, Schillerstraße 125–127 in Charlottenburg, und dauert etwa zwei Stunden. Nach der Podiumsdiskussion können die Gäste im Publikum Fragen stellen und sich in die Debatte einschalten. Die Teilnahme ist für alle Leser kostenlos, die Gäste müssen sich aber zuvor in unserer Redaktion anmelden. Wie das geht, erfahren Sie am Ende des Textes.

Um diese Themen geht es beim Leserforum zu Schulen in Berlin

Zentrales Thema ist die Schulpolitik in Berlin, insbesondere die Organisation des Neubaus, der Sanierung und Instandhaltung von Schulen. Ist die Verteilung der Aufgaben auf Bezirke, Senatsverwaltung und die Wohnungsbaugesellschaft Howoge sinnvoll? Verzögert es die Prozesse oder macht es sie schneller?

Wie viele Schulplätze fehlen wirklich? Reicht der Bau von 60 neuen Schulen aus? Wo ist die Schulraumnot besonders groß? Werden Eltern und Lehrer bei Sanierungs- und Erweiterungsprojekten ausreichend beteiligt? Bekommen wir nur noch „Einheitsbauten“? Finden sich genügend Baufirmen, die Aufträge ausführen? Nehmen Baumängel zu, weil mit großem Zeitdruck gebaut und saniert wird? Solche Fragen wollen wir bei diesem Forum mit den Experten und unseren Lesern diskutieren.

Laut Senat fehlen in zwei Jahren rund 9500 Schulplätze

Gleich zu Beginn dieses Schuljahres erschütterte eine Nachricht die Stadt: In den nächsten zwei Jahren könnten bis zu 26.000 Schulplätze fehlen. Das ging aus einem Controllingbericht der Bildungsverwaltung zur Schulbauoffensive hervor. Die alarmierenden Angaben konnte nur finden, wer den 860 Seiten dicken Bericht ans Abgeordnetenhaus genau studierte.

Zehn Tage später wies Bildungssenatorin Scheeres die Zahlen aus ihrem eigenen Haus zurück. In den kommenden zwei Jahren würden bis zu 9500 Schulplätze fehlen. Bei der ersten Zahl habe es sich um eine „Maximalprog­nose“ gehandelt, die nicht realistisch sei.

Kritik an der Schulbauoffensive

Die Schulbauoffensive des Landes laufe noch etwas „taumelig“, sagte Lichtenbergs Schulstadtrat Wilfried Nünthel der Morgenpost. Lichtenberg ist nach Pankow der Bezirk mit dem größten Platzbedarf. Zehn Schulneubauten würden benötigt, erklärte der CDU-Politiker.

Dabei seien bereits elf Mobile Ergänzungsbauten (MEB) errichtet worden, neun weitere sollen hinzukommen. Sein vorläufiges Fazit: Es passiere etwas, aber es bestehe noch großer Handlungsbedarf.

Ein zentraler Kritikpunkt: Bei einem Schulbau müssten auch andere Belange mitberücksichtigt werden, etwa Verkehrs- und Umweltschutzfragen sowie eine Sportnutzung. Einige Dienststellen, sowohl auf Landes- wie auch auf Bezirksebene, hätten noch nicht erkannt, dass es auch zu ihren Aufgaben gehört, den Schulbau zu befördern. Nünthel erwartet, Prioritäten zu setzen.

Elternausschuss: Schulplätze müssen Priorität haben

Das fordert auch der Landeselternausschuss: „Wir brauchen jetzt eine klare Prioritätensetzung auf die Schaffung von Schulplätzen“, sagte der Vorsitzende Norman Heise. Die Berichte der Verwaltung, wo weitere Schulplätze benötigt sowie wo und wann sie geschaffen werden, müssten schneller, verständlicher und transparenter vorgelegt werden.

„Fehlende Schulplätze dürfen nicht weiter zu Lasten der Schüler gehen. Volle Schulen bedeuten volle Klassenzimmer, Flure, Toiletten, Schulhöfe, Sporthallen und Mensen“, so Heise.

„Bezirke stoßen beim Bau oft an ihre Grenzen“

„Die Berliner Schulbauoffensive kommt nicht so richtig ins Laufen“, befindet auch Ulrike Kipf, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses Steglitz-Zehlendorf. Frank Körner, Vorsitzender des Berliner Landesschulbeirats, sieht indes Fortschritte bei der Schulplatzversorgung, seit die Senatsbildungsverwaltung das Heft in die Hand genommen habe. Bezirke seien in ihrer Verantwortung für die Schulbauten oft an ihre Grenzen gestoßen.

Interessant: Aus mehreren Bezirkselternausschüssen wurde Kritik an der von Katrin Lompscher (Linke) geführten Senatsbauverwaltung laut. Ausgerechnet dort laufe die Partizipation der Schulen nicht gut.

So können Sie am Leserforum teilnehmen

Das Leserforum „Morgenpost vor Ort“ zum Thema Schulbau und Schulplatzversorgung beginnt am Donnerstag, 7. November, um 19 Uhr in der Aula des Schiller-Gymnasiums, Schillerstraße 125–127
in Charlottenburg. Es dauert circa zwei Stunden. Die Teilnahme ist für alle unsere Leser kostenlos.

Voraussetzung ist eine Anmeldung in unserer Redaktion unter dem Kennwort „Morgenpost vor Ort“. Das geht per E-Mail an die Adresse aktionen@morgenpost.de oder per Fax an die Nummer (030) 8872 77967.

Teilen Sie uns bitte mit, wie viele Plätze Sie benötigen. Abonnenten der Berliner Morgenpost können gern ihre Abo-nummer dazuschreiben, sie werden bei der Platzvergabe zuerst berücksichtigt. Alle Anmeldungen werden nach Eingang bearbeitet und müssen spätestens bis Mittwoch, 6. November, 19 Uhr, in der Morgenpost-Redaktion vorliegen. Wir bitten um Verständnis: Der Zugang ist nur mit einer schriftlichen Bestätigung der Redaktion möglich.

Das Schiller-Gymnasium ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, der U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz (U2) und die Haltestellen der BVG-Buslinien M45, X9 und 245 sind nur wenige Meter entfernt. Parkplätze gibt es auf den Straßen im Umfeld.

Auf dem Podium:

Hajo Schumacher (55), Morgenpost- ­Autor und -Kolumnist, moderiert die Diskussionsrunde. Der Journalist und Politikwissenschaftler arbeitet ebenso für Magazine, Hörfunk, Online-Medien und TV. Schumacher ist zudem Verfasser mehrerer Bücher.

Susanne Leinemann (50) ist seit 2014 Redakteurin bei der Berliner Morgenpost. Sie war zunächst im Team der Sonntagsbeilage „Berliner Illustrirte Zeitung“, seit 2018 ist sie Fachredakteurin für Schule und Bildung. Sie ist auch Autorin mehrerer Bücher.

Sandra Scheeres (49) ist seit November 2011 Berlins Senatorin für Bildung und Jugend, seit Dezember 2016 ist die SPD-Politikerin auch für Familienpolitik zuständig. Von 2006 bis 2016 gehörte die Diplom-Pädagogin dem Abgeordnetenhaus an.

Paul Fresdorf (42) ist bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Der Diplom-Wirtschaftsjurist aus Spandau gehört dem Landesparlament seit 2016 an. Von 2001 bis 2011 war er Bezirksverordneter in seinem Heimatbezirk.

Wilfried Nünthel (64, CDU) ist Stadtrat für Schule, Sport, Ordnung, Umwelt und Verkehr in Lichtenberg. Der Diplom-Philosoph war von 1993 bis 2000 Stadtrat in Marzahn. Seit 2011 gehört er, wie schon 2000 bis 2006, dem Bezirksamt Lichtenberg an.

Peter Heckel (57) ist im Vorstand des Landesschulbeirats Experte für Schulbau. Seit 2004 lebt er in Berlin, ist zudem Vorsitzender des Bezirksschulbeirats Friedrichshain-Kreuzberg. Dort gehört er auch dem Vorstand des Bezirkselternausschusses an.