Vor Gericht

Prozess: Mann soll Mädchen 300-mal missbraucht haben

Ein Berliner soll die Tochter seiner Freundin mit Wissen und Duldung der Mutter über Jahre missbraucht haben.

Eine Justitia

Eine Justitia

Foto: Volker Hartmann / dpa

Fünf Jahre lang soll ein Berliner die Tochter seiner Lebensgefährtin sexuell missbraucht haben. Mehr als 300 Einzeltaten legt die Staatsanwaltschaft Thomas P. zur Last. Am Mittwoch begann vor dem Landgericht Berlin der Prozess gegen den heute 65-Jährigen. Mit ihm auf der Anklagebank sitzt die Mutter des Opfers. Immer vorausgesetzt, die Vorwürfe treffen zu, stellt sich die Frage, wer von den beiden Angeklagten die größere Schuld auf sich geladen hat.

Denn die Mutter soll den sexuellen Missbrauch ihrer zu Beginn der Übergriffe zwölfjährigen Tochter nicht nur geduldet, sondern das Mädchen teilweise durch Drohungen geradezu gedrängt haben, die Taten über sich ergehen zu lassen. Ihr Motiv laut Anklage: Sie wollte ihren Lebensgefährten nicht verlieren.

Angeklagter soll Opfer bis zu zweimal die Woche missbraucht haben

Zur ersten Tat soll es im November 2004 gekommen sein. P. und die Zwölfjährige saßen im Wohnzimmer vor dem Fernseher, die Mutter des Mädchens hielt sich in einem Nebenraum auf. Die Einzelheiten des ersten Übergriffs und der weiteren Taten müssen müssen dabei nicht näher beschrieben werden.

Einmal, mitunter auch zweimal pro Woche soll der Angeklagte das Opfer missbraucht und dabei alle erdenklichen sexuellen Spielarten praktiziert haben. Im Laufe der Zeit führten Täter und Opfer der Anklage zufolge eine Art Beziehung. Der Angeklagte war inzwischen aus dem gemeinsamen Schlafzimmer mit seiner Lebensgefährtin ausgezogen und übernachtete im Wohnzimmer. Oder im Zimmer des Opfers.

Opfer zeigte die Taten erst als Erwachsene an

Bis 2009 gingen die sexuellen Übergriffe, erst als Erwachsene fand das Opfer die Kraft die Taten anzuzeigen. Die heute 27-jährige Frau wird im Prozess als Nebenklägerin von einer Anwältin vertreten. Obwohl beide Angeklagte vorerst keine Angaben machen wollen, möchte das Gericht nach Angaben des Vorsitzende unbedingt verhindern, dass das Opfer im Prozess aussagen muss.

Von der dreieinhalbstündigen Vernehmung bei der Polizei gibt es eine Videoaufzeichnung, die soll jetzt in der Verhandlung abgespielt werden. Darüber hinaus soll ein Sachverständiger ein Gutachten über die Angeklagten erstellen. Beide leben heute noch immer zusammen. Der Prozess wird am 7. November fortgesetzt.