Feuerwehr und Polizei

Wenn in Berlin Lebensretter attackiert werden

Alkohol, Misstrauen, überbordende Feierlaune: Helfer sehen sich in der Hauptstadt immer öfter Angriffen ausgesetzt.

Feuerwehrleute und Sanitäter werden immer häufiger selber Opfer.

Feuerwehrleute und Sanitäter werden immer häufiger selber Opfer.

Foto: snapshot-photography/ T.Seeliger / imago/Seeliger

Berlin. Aufgebrachte und betrunkene Patienten, die das Personal bedrohen oder körperlich bedrängen: Auch in Berliner Krankenhäusern, etwa Notaufnahmen der Charité, kommt es zu derlei Übergriffen. Hospitäler regierten unter anderem damit, Sicherheitsdienste zu verpflichten.

Der schwerwiegendste Fall eines Angriffs auf einen Mediziner In Berlin ereignete sich im Klinikum Benjamin Franklin. Der 72-jährige Rainer B. aus Spandau betrat im Juli 2016 die Behandlungsräume von Kieferchirurg Thomas B. in der Klinik und gab mehrere Schüsse ab. Der 55-jährige Arzt erlag trotz sofort eingeleiteter Notoperation und mehrstündiger Reanimationsbemühungen seinen Verletzungen.

Feuerwehr Berlin mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen

Angriffe auf Helfer und Rettungskräfte gibt es in Berlin besonders bei Großlagen. Nach dem jüngsten Jahreswechsel meldete die Berliner Feuerwehr 49 Angriffe auf ihre Mitarbeiter. Davon geschahen 33 mit Pyrotechnik. Ein Feuerwehrmann musste wegen eines Knalltraumas in einer Spezialklinik behandelt werden.

Von Übergriffen sind bei derartigen Einsätzen auch Polizisten betroffen, die zur Sicherung oder nach Alarmierung von Bürgern attackiert werden. In der Silvesternacht waren Beamte in der Kastanienallee in Prenzlauer Berg aus einer 50- bis 60-köpfigen Gruppe mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen worden.

Polizei Berlin musste im Funkwagen vor Angriffen flüchten

Kurz darauf nahm die Polizei einen 16-Jährigen fest. Daraufhin wurden die Polizisten erneut angegriffen und mussten letztlich Pfefferspray einsetzen. Am Ende der Auseinandersetzung waren acht Polizisten verletzt, einer von ihnen wurde in einer Klinik ambulant behandelt.

In derselben Nacht eskalierte an der Gleim-, Ecke Graunstraße in Wedding die Überprüfung eines Autos, aus dem mit einer Schreckschusspistole gefeuert worden war. Die Einsatzkräfte wurde dabei plötzlich aus einer Feuerwerksbatterie beschossen, so dass sie in ihren Funkwagen flüchteten. Später identifizierten die Beamten einen 30 Jahre alten Tatverdächtigen.

Feuerwehr von zehn Angehörigen bis auf die Straße verfolgt

Im Februar dieses Jahres wurden Feuerwehrleute während eines Einsatzes an der Reichenberger Straße in Kreuzberg angegriffen. Sie betraten die Wohnung, um einen Patienten zu versorgen. Weil den Angehörigen die Behandlung zu langsam ging, begannen sie Streit.

Die Einsatzkräfte fühlten sich bedroht und verließen sicherheitshalber die Wohnung. Allerdings folgten ihnen zehn Angehörige auf die Straße, wo es zu einem Handgemenge kam. Ein Feuerwehrmann wurde durch einen Faustschlag ins Gesicht verletzt. Auch die Notärztin, die gerade angekommen war, wurde bedroht.

Die Rettungskräfte brachten sich in ihrem Wagen in Sicherheit. Selbst als ein zweites Rettungsfahrzeug eintraf, blieben sie zunächst darin. Erst nach Ankunft der Polizei konnten die Rettungskräfte wieder in die Wohnung. Der Patient wurde mit einstündiger Verzögerung ins Krankenhaus gebracht. Die bedrohten Helfer stellten Anzeige.

Neukölln: Rettungskräfte müssen Polizei rufen

Ähnlich verlief im August vergangenen Jahres ein Einsatz an der Siegfriedstraße in Neukölln. Am Abend waren Rettungskräfte in eine Wohnung gerufen worden. Sie fanden dort einen leblosen Mann. Das Team versuchte rund eine Stunde lang, den Mann wiederzubeleben, was ohne Erfolg blieb.

Schließlich beendeten die Helfer ihre vergeblichen Versuche. Dies aber stieß bei den Angehörigen auf Ärger. Es handelte sich um Mitglieder einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie. Diese schimpften und gestikulierten wild.

Daraufhin riefen die Rettungskräfte die Polizei. Gleichzeitig verständigten Angehörige weitere Clan-Mitglieder. Rund 75 Menschen fanden sich binnen kurzem in der Wohnung und auf der Straße ein.

Sanitäter von Betrunkenen angegriffen

Nun wollten die Verwandten die Polizisten nicht an den Leichnam heranlassen. Als ein Arzt offiziell den Tod und die Todesursache feststellen wollte, mussten Polizeibeamte den Leichnam vor ihnen abschirmen.

Im März vergangenen Jahres wurden in Wittenau zwei Sanitäter angegriffen. Sie waren zu einer verletzten Frau in einer Wohnung an der Oranienburger Straße gerufen worden. Während der Behandlung stießen zwei Betrunkene, die sich in der Wohnung befanden, einen Helfer mehrmals gegen eine Wand. Die Sanitäter flüchteten und riefen die Polizei.