SEO-Beratung

Berliner zeigen, wie man bei Google ganz nach vorne kommt

Wer nicht dafür sorgt, von Suchmaschinen gefunden zu werden, hat es schwer in der digitalen Welt. Zwei Charlottenburger helfen dabei.

Vincent Sünderhauf (l.) und Sebastian Petrov sind die Gründer der in Berlin ansässigen Firma Seosupport in Charlottenburg.

Vincent Sünderhauf (l.) und Sebastian Petrov sind die Gründer der in Berlin ansässigen Firma Seosupport in Charlottenburg.

Foto: FUNKE Foto Services / JÖRG KRAUTHÖFER

Berlin. Der erste Kunde war vor 13 Jahren der Vater eines Kommilitonen. Der Mann vermietete Parkplätze in der Nähe des Flughafens Schönefeld. Im Internet warb er für sein Angebot, aber kaum jemand fand ihn. Bei einer Dampferfahrt kam er mit Sebastian Petrov und Vincent Sünderhauf ins Gespräch. Die beiden Berliner hatten gerade ihr Abitur am Gottfried-Keller-Gymnasium bestanden, ihr Jura-Studium gestartet und ihre eigene Firma gegründet: Sie boten an, durch die sogenannte Suchmaschinenoptimierung ihre Kunden in den Such-Ergebnislisten von Google ganz nach oben zu bringen. Das hat im Falle des Parkplatz-Anbieters funktioniert. Noch immer ist er Kunde bei der Seosupport GmbH.

SEO ist für Unternehmen im Internet überlebenswichtig

Sünderhauf und Petrov beschäftigen inzwischen 20 Mitarbeiter. Bewusst grenzen sie sich in ihrem Wilmersdorfer Altbau-Büro mit hohen Flügeltüren und Parkettboden von der provisorischen Start-up-Kultur à la Mitte ab. Den edlen Business-Anzug tragen die beiden Unternehmer ebenso gern wie den Kapuzenpulli. „Wir sind Charlottenburger Jungs“, sagen die beiden 33-Jährigen. Da sei ein Büro in der West-City kein Standortnachteil. Gerade haben sie eine Zweigstelle mit vier Mitarbeitern in München eröffnet, um näher bei ihren süddeutschen Kunden zu sein.

2006 war es in Deutschland noch ein Nischenthema, Anbieter von allen möglichen Waren und Dienstleistungen bei Google gut zu platzieren. Sünderhauf hatte über den neuen Trend aus den USA gelesen. Bald darauf saß er mit seinem Schulkameraden und Partner Sebastian Petrov in ihrem ersten eigenen Büro. „Wir haben die Firma gegründet, ohne viel Ahnung von der Sache zu haben“, gesteht Sünderhauf schmunzelnd. Das ging vielen so, damals im „Neuland“ Internet.

Am Anfang hatten die Jura-Studenten keine Ahnung

Ohne SEO (search engine optimization) kommt heute kaum jemand aus, der Geschäfte übers Internet abwickeln möchte. Wen die mit Abstand wichtigste Suchmaschine Google nicht auf den vorderen Plätzen anzeigt, der bleibt im digitalen Nirwana verborgen. Die beiden Gründer fuchsten sich rein. Wie funktioniert die Suchmaschine? Worauf reagiert der Algorithmus? Nach welchen Kriterien ändert Google drei-, bis viermal pro Jahr die Spielregeln? Welche Begriffe muss man nutzen, um gefunden zu werden? Welche Inhalte werden als qualitativ hochwertig anerkannt und entsprechend hoch bewertet?

Nachdem sie für die GmbH-Gründung Petrovs Auto beleihen und Sünder- haufs Mutter anpumpen mussten, machten sie die Probe aufs Exempel. Sie schmissen ihr Jura-Studium und gründeten Online-Shops in Nischenmärkten wie Absinth, Sisha-Tabak oder Schwarzkümmel. Sie brachten ihre Shops nach oben. Weil sie aber nicht Händler sein wollten, verkauften sie diese und widmeten sich wieder ihrem Kerngeschäft. Dabei geht es zunächst um die technische Basis. Google merkt, wenn eine Seite nicht sauber läuft oder auf Mobilgeräten nicht gut zu sehen ist. Dazu müssen aber auch die Inhalte einen Mehrwert für den suchenden Kunden bieten. Und eine Seite muss von möglichst zuverlässigen Quellen durch Links empfohlen werden.

Zu den Leistungen von Seosupport und anderen Agenturen gehört es, Kunden mit den richtigen Begriffen zu verbinden. So wird ein „Strafrechtsanwalt“ zwar seltener gesucht als „Anwalt“, aber die Suchergebnisse bringen eine höhere Chance, dass es zu einem Mandat kommt. „Zielgerichtete Schlüssel-Wörter sind wichtig“, sagt Petrov. Die etwa 100 Kunden ihrer Firma zahlen je nach Betreuungsaufwand eine monatliche Pauschale. Ab 500 Euro könnten Kunden eine ernsthafte SEO erwarten, weniger sei unseriös. Der Durchschnitt liege bei 2000 Euro.

Ein Monat SEO-Betreuung kostet mindestens 500 Euro

Eine Garantie, Kunden kurzfristig auf Position eins bei Google zu hieven, übernehmen Petrov und Sünderhauf nicht. „Wir sind nicht Google“, sagen sie. Zudem sollten die Ergebnisse nachhaltig sein, also auf der Qualität der Website und des Angebots beruhen. Jeder könne 300 Links in Russland einkaufen. Aber spätestens beim nächsten Update bei Google fielen solche Tricks auf. Im schlimmsten Fall würden solche Seiten von Google gesperrt. Deshalb dauere es in der Regel ein halbes Jahr, bis die Seite eines Kunden wirklich nach vorne komme. Vergangenes Jahr haben die beiden ein Buch über ihr Geschäft herausgebracht. „Man kann immer noch als David gegen Goliath online bestehen“, sagt Petrov.