Prozess

Bei Zwillingsgeburt sollen Ärzte ein Kind getötet haben

Während einer Zwillingsgeburt sollen zwei Ärzte einen Zwilling durch eine Injektion getötet haben. Dienstag beginnt der Prozess.

Ein Neugeborenes wird entbunden.

Ein Neugeborenes wird entbunden.

Foto: pa

Vor dem Berliner Landgericht müssen sich ab Dienstag zwei Krankenhausärzte wegen Totschlags verantworten. Der Fall, der bereits neun Jahre zurückliegt, ist ungewöhnlich, die Hintergründe sind ohne Zweifel tragisch.

Die beiden Gynäkologen, ein heute 73-jähriger Professor und seine inzwischen 58-jährige Kollegin leiteten im Juli 2010 bei einer 27-jährigen Patientin eine Zwillingsgeburt mittels Kaiserschnitt ein. Die 27-Jährige befand sich zu dem Zeitpunkt in der 32. Schwangerschaftswoche.

Baby, das Hirnschädigung hatte, soll getötet worden sein

Die Staatsanwaltschaft wirft den Ärzten vor, sie hätten einen Zwilling entbunden und den zweiten, bei dem bereits während der Schwangerschaft Hirnschädigung festgestellt wurde, durch eine Kaliumchloridinjektion getötet. Ihnen müsse dabei bewusst gewesen sein, dass sie zu diesem Schritt nicht berechtigt waren, heißt es in der Anklage.

Da die Eröffnungswehen eingesetzt und die Geburt bereits begonnen hatte, stellte das Vorgehen der Ärzte ein vorsätzliches Tötungsdelikt dar, andere Regelungen und Möglichkeiten, wie etwa die medizinische Indikation bei einem Schwangerschaftsabbruch, galten zu dem Zeitpunkt nicht mehr.

Prozess wirft viele Fragen auf

So manches an dem Fall ist rätselhaft, der Prozess soll Aufklärung über viele offene Fragen geben. Unter anderem darüber, ob die Tötung des hirngeschädigten Zwillings mit Billigung der Mutter erfolgte, oder ob die 27-Jährige überhaupt von dem Vorhaben Kenntnis hatte.

Für die Verhandlung vor der 32. Schwurgerichtskammer sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Dabei werden nicht nur zahlreiche Zeugen gehört, es ist auch eine intensive Auswertung ärztlicher Befunde und Berichte vorgesehen. Unklar ist noch, ob sich die Zeugen in ausreichendem Maße an den lange zurück liegenden Fall erinnern können. Das Urteil in dem komplizierten Verfahren soll Ende November erfolgen.