Stephanie Otto

Neue BSR-Chefin: Bei der Sauberkeit kann man noch mehr tun

Stephanie Otto ist die dritte Frau in Folge, die die Berliner Stadtreinigung führt. In Berlin gebe es schmutzige und saubere Ecken, findet sie.

Stephanie Otto hat zum 1. Oktober die Führung der 5600 BSR-Mitarbeiter übernommen.

Stephanie Otto hat zum 1. Oktober die Führung der 5600 BSR-Mitarbeiter übernommen.

Foto: BSR

Berlin.  Den Müll, sagt Stephanie Otto, trage zu Hause immer sie herunter. Ihr Mann, ein Arzt im Ruhestand, kümmere sich dagegen um die Versorgung des Paares mit Medikamenten. Und er erkunde die Berliner Kieze, um zu schauen, wo man später mal womöglich wohnen wolle. Bisher haben sie in Mitte erstmal eine möblierte Wohnung gemietet.

Vor drei Wochen hat die 52 Jahre alte Betriebswirtin einen der wichtigsten Jobs in der Berliner Kommunalwirtschaft angetreten. Sie führt als neue Chefin der Berliner Stadtreinigung die 5600 Mitarbeiter, die sich um saubere Straßen und entleerte Müllcontainer kümmern.

Am Montag stellte sich die frühere Prokuristin der Abfallbetriebe Köln das erste Mal Berliner Journalisten vor. Die Frau mit dem grauen Kurzhaarschnitt trug einen blauen Business-Nadelstreifenanzug. Und dazu eine Handtasche in BSR-Orange.

Ihr sei der Stolz aufgefallen, den viele Mitarbeiter für ihren Arbeitgeber empfinden

Über ihr neues Unternehmen konnte die gebürtige Nordrhein-Westfälin, die seit 20 Jahren in der Entsorgungsbranche tätig ist, noch nicht so viel sagen. Sie sei dabei, alle Bereiche der BSR kennen zu lernen. Dabei ist ihr der Stolz aufgefallen, den viele Mitarbeiter für ihren Arbeitgeber empfinden. Aber aus Sicht der Kollegen sei die BSR das „kommunale Vorzeigeunternehmen“ in Deutschland, sagte Otto.

Ihre Karriere hatte sie zwar bei einem privaten Entsorger begonnen. Inzwischen fasziniert sie aber der Gedanke, in einem kommunalen Unternehmen eine Balance zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Belangen zu finden. „Man muss herausfinden, wie eine Stadt tickt und was dort jeweils das Wichtigste ist“, beschreibt sie ihr Ziel für die ersten Monate, so die Vorstandsvorsitzende.

Berlin findet Stephanie Otto nicht schmutziger als etwa Köln. Es gebe auch hier Ecken, die sind dreckiger und andere, die seien sehr sauber. Zum Teil sogar ohne eine intensive Reinigung, sagt die Nachfolgerin von Tanja Wielgoß, die seit Jahresbeginn bei Vattenfall für die Berliner Fernwärme zuständig ist. In Köln klebe sehr viel mehr Kaugummis auf dem Boden als in Berlin, schildert sie ihren ersten Eindruck.

Sie will lieber reden als auf Müllwagen mitfahren

Natürlich könne man bei der Sauberkeit immer noch mehr tun, sagt Stefanie Otto. Andere Städte wie etwa Wien gäben dafür viel mehr Geld aus. Sie frage sich aber schon ob es Sinn mache, den Menschen „noch mehr hinterher zu räumen“, oder ob man nicht auch das Verhalten der Bürger ändern könne. Um das zu erreichen, setzt die Managerin auf Aufklärung und Überzeugungsarbeit, aber auch auf Strafen für Müll-Sünder.

Die neue BSR-Chefin ist nach Wielgoß und Vera Gäde-Butzlaff die dritte Frau in Folge an der Spitze des in der Mitarbeiterschaft immer noch männlich dominierten Betriebes. Sie hat einen Drei-Jahresvertrag, würde aber gerne längr machen und nach der BSR in Rente gehen. Otto präsentiert sich als Team-Spielerin, oft erwähnt sie Themen, die man nur gemeinsam anpacken könne.

Auf einem Müllfahrzeug mitfahren will sie übrigens nicht

Drei bis vier Termine absolviere sie derzeit jeden Tag, auf Betriebshöfen und anderen Unternehmensteilen. Da tauche sie dann schon mal um 6.30 Uhr auf. „Einmal sei es auch 5.30 Uhr gewesen“, wirft die Pressesprecherin ein.

„Ich wollte nicht so angeben“, sagt darauf die neue Chefin in ihrer sachlichen Art. Auf einem Müllfahrzeug mitfahren will sie übrigens nicht. Das habe sie schon vor 20 Jahren in ihrem ersten Entsorgungsjob gemacht. Es sei wichtiger, mit den Menschen zu sprechen.