Gesundheit

Warum Grippeschutz so wichtig ist

Die Influenza-Impfungen für die Wintersaison laufen an. Auch Behörden und Unternehmen bieten Mitarbeitern die Vorbeugemaßnahme an.

Diese Impfungen sollte jeder Erwachsene haben
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Berlin. „Das Netz der Geimpften sollte möglichst dicht sein. So dicht, dass alle, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, auch geschützt sind“, sagt Dr. Nicoletta Wischnewski, die Leiterin des Gesundheitsamtes Charlottenburg-Wilmersdorf.

Die Impfsaison in Berlin ist angelaufen, viele Unternehmen und Institutionen bieten ihren Mitarbeitern die Schutzimpfung vor Influenzaviren an. „Das ist richtig und wichtig“, sagt Wischnewski. Besonders Menschen mit viel Kontakt zu anderen Menschen sollten sich impfen lassen, um ein Überspringen der Viren zu verhindern. Auch die Mitarbeiter des Bezirksamts würden deshalb im November geimpft, sagt die Chefin des Gesundheitsamtes.

Grippeimpfungen machen widerstandsfähiger

Empfehlenswert sei eine jährliche Impfung selbst, wenn neue Grippestämme auftauchten, sagt Wischnewski. „Das Immunsystem ist dann schon einmal getriggert und entsprechend widerstandsfähiger.“ Wischnewski widerspricht dem manchmal geäußerten Verdacht, man werde erst recht krank, wenn man sich impfen lasse.

„Das ist Blödsinn. Es werden tote Kulturen geimpft, die können keine Krankheit mehr auslösen.“ Selbst ein dicker, heißer Oberarm sei ein Zeichen für ein gut funktionierendes Immunsystem, weil es Antigene gleich lokal bekämpfe“, so die Ärztin.

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Grippeschutz hält etwa ein Vierteljahr

Dr. Wolfgang Kreischer, der Vorsitzende des Berliner Hausärzteverbandes, wirbt ebenfalls für eine Impfung. „Jeder sollte generell von seinem Hausarzt seinen Impfstatus untersuchen lassen“, sagt der Zehlendorfer Arzt. Dabei könnte dann auch geklärt werden, ob eine Grippeschutzimpfung verabreicht werden sollte.

Kreischer empfiehlt, dass sich alle, die zu einer Risikogruppe gehören, impfen lassen. Das sind Menschen, die älter als 60 Jahre oder chronisch krank sind, Schwangere und Personen, die viel Kontakt zu anderen Menschen oder vielleicht sogar zu Patienten haben. „Wichtig ist, dass der Herdenschutz zum Tragen kommt, und es möglichst wenige Überträger der Krankheit gibt“, sagt Kreischer.

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Der Hausärztechef rät zudem älteren Menschen, die sich schon im September hätten impfen lassen, den Grippeschutz im Januar noch einmal auffrischen zu lassen. „Der Impfschutz hält etwa ein Vierteljahr, wenn die Grippewelle also etwa im Januar beginnt, könnte der Schutz nicht mehr reichen.“

Geimpft wird in der Saison 2019/20 mit einem sogenannten „Vierfachschutz“, wie ihn die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt. Die sogenannten tetravalenten Influenza-Impfstoffe setzen sich aus Antigenen von vier Grippeviren zusammen.

Die Stammzusammensetzung der Influenza-Impfstoffe muss in jeder Saison neu an die aktuelle epidemiologische Situation angepasst werden, weil sich die Eigenschaften der aktuell zirkulierenden Influenzaviren verändern. Die genaue Zusammensetzung wird jedes Jahr von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, festgelegt.

Impfbereitschaft in Risikogruppen nimmt zu

„Wir haben in diesem Jahr bereits 18,2 Millionen Dosen an Influenza-Impfstoff freigegeben“, sagt Dr. Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut. Das seien zum jetzigen Zeitpunkt schon zwei Millionen Dosen mehr als im Vorjahr. Daten darüber, wie genau sich diese Impfstoffe regional, also beispielsweise auch in Berlin, verteilten, seien nicht bekannt. Es sei aber erfreulich, dass die Impfbereitschaft in den Risikogruppen zunehme.

Neben den Bezirksämtern bieten in Berlin viele Unternehmen und Institutionen ihren Mitarbeitern Termine für Impfungen an. Auch Busfahrer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gehören beispielsweise zu einer der Risikogruppen. „Ich bin das beste Vorbild. Ich lasse mich auch jedes Jahr impfen“, sagt Sprecherin Petra Nelken.

Seither sei sie kein einziges Mal mehr an Influenza erkrankt. Die BVG wirbt Nelken zufolge in Mitarbeiter-Broschüren und über Apps bei ihren Mitarbeitern für die Grippeschutzimpfung. „Das wird immer gut angenommen. Es wird bei uns aber auch immer das beste Produkt angeboten, das auf dem Markt ist“, sagt Nelken. Wieviel Prozent der Mitarbeiter es aber genau seien, die sich impfen ließen, weiß die BVG-Sprecherin nicht. „Das unterliegt dem Datenschutz“, sagt sie.

Impfungen auch bei der Rentenversicherung und der Charité

Auskunftsfreudiger ist da die Deutsche Rentenversicherung. „Der Ärztliche Dienst der Deutschen Rentenversicherung bietet den Mitarbeitern an den Standorten Berlin, Stralsund, Gera, Brandenburg und Würzburg Grippeschutzimpfungen an“, sagt Sprecherin Gundula Sennewald. Der Hauptanteil finde aber in Berlin statt, wo sich 2018 rund 2300 Mitarbeiter impfen ließen.

Geimpft wird wegen des Kontakts mit Patienten auch in Krankenhäusern: „Die Charité setzt sich aktiv für den Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten ein“, sagt Sprecherin Manuela Zingl. Das Arbeitsmedizinische Zentrum (AMZ) biete allen interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit dem 14. Oktober und bis zum 29. November kostenfreie Grippeschutzimpfungen am Campus Benjamin Franklin, Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum an“, so Zingl.