Intensivtäter

Staatszugehörigkeit von Nidal R. noch immer unklar

Berlins erster Intensivtäter starb durch acht Schüsse am Tempelhofer Feld. Die Täter sind immer noch auf der Flucht.

Berlin. Mehr als ein Jahr nach dem Mord an Nidal R. hat die Polizei noch immer keine neuen Ermittlungsansätze. Wie jetzt herauskommt, können die Behörden noch nicht einmal sagen, welche Staatsangehörigkeit Nidal R. eigentlich hatte. Das ist bemerkenswert, galt Nidal R. doch als erster Intensivtäter Berlins.

Auf eine Anfrage des SPD-Innenexperten Tom Schreiber musste die Innenverwaltung nun offiziell einräumen, dass die Berliner Strafverfolgungsbehörden zurzeit nicht über gesicherte Informationen über die Staatsangehörigkeit von Nidal R. verfügen würden. Viele Versuche, ihn abzuschieben, scheiterten in der Vergangenheit, weil der Libanon ihn nicht als Staatsbürger anerkannte.

Nidal R. war bereits als Zehnjähriger aktenkundig

Nidal R. war in Berlin schon als Zehnjähriger aktenkundig geworden. In seinen Akten, die nach Informationen der Berliner Morgenpost aus Datenschutzgründen in großen Teilen schon vernichtet wurden, waren Messerstechereien, Raubüberfälle, Drogengeschäfte und Körperverletzungen dokumentiert. Insgesamt 14 Jahre verbrachte Nidal R. im Gefängnis.

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Am 9. September 2018 war Nidal R. am Rande des Tempelhofer Feldes mit acht Schüssen niedergestreckt worden. Die Tat passierte neben einem Eiswagen und nur wenige Meter von einem Spielplatz entfernt. Die Täter sind bis heute nicht gefasst und vermutlich ins Ausland geflüchtet. Das Tatfahrzeug war damals ausgebrannt in Neukölln entdeckt worden. Zur Beerdigung von Nidal R. in Schöneberg kamen 2000 Männer - darunter alle bekannten Clangrößen.

Mordfall Nidal R. – Zeugen könnten beeinflusst werden

Die Ermittlungen führt die 6. Mordkommission. Laut Innenverwaltung könne man aktuell nichts zum Verfahren sagen, weil durch eine Preisgabe von Informationen „mögliche Zeugen in Ihrem Aussageverhalten beeinflusst werden könnten“. Die Angst scheint nicht unbegründet. Cousins des Toten hatten im Oktober des vergangenen Jahres in eine Shisha-Bar an der Oranienstraße eine Handgranate geworfen. Die Explosion zerstörte damals die Inneneinrichtung.

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Nach wie vor gehen die Ermittler davon aus, dass es sich beim Mord an Nidal R. um einen Racheakt gehandelt haben könnte. In den sozialen Netzwerken kursierten bereits Namen und Bilder von Verdächtigen. So soll Nidal R. sich mit einer Großfamilie überworfen haben. Nidal R. soll ein Mitglied dieser Familie bedroht und zusammengeschlagen haben. Diese Familie wiederum soll Rache geschworen haben. Das alles passierte zwei Tage vor den tödlichen Schüssen.