DB Mindbox in Berlin

Wie die Deutsche Bahn besser werden will

In der DB Mindbox an der Jannowitzbrücke wurden schon mehr als 60 Start-ups gefördert. Ihre Lösungen helfen, Bahnreisen zu verbessern.

Die DB Mindbox in den Viaduktbögen unterhalb der S-Bahnsteige im Bahnhof Jannowitzbrücke

Die DB Mindbox in den Viaduktbögen unterhalb der S-Bahnsteige im Bahnhof Jannowitzbrücke

Foto: Reto Klar

Berlin. Ausgefallene Klimaanlagen im Sommer, eingefrorene Weichen im Winter und zu jeder Jahreszeit irgendwo eine Stellwerksstörung. Es gibt viele Dinge, die Bahnreisende ärgern können. Um ihre Alltagsherausforderungen besser in den Griff zu bekommen, setzt die Deutsche Bahn (DB) inzwischen nicht allein mehr auf eigenes Know-how oder das bekannter Systemhersteller wie Siemens. Seit einigen Jahren sucht und fördert die Bahn auch gezielt Start-ups, die mit frischen und unkonventionellen Ideen neue Problemlösungen oder auch Produkte anbieten können.

Erste Erfolge sind bereits hör- und sichtbar. Wer etwa in den vergangenen Wochen im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main war, wird sich möglicherweise gewundert haben. Anders als gewohnt sind Lautsprecher-Ansagen auf einigen Bahnsteigen gut zu verstehen. Das ist kein Zufall. In Frankfurt erprobt die Bahn ein neues innovatives Audiosystem vom Berliner Start-up Holoplot.

Holoplot aus Berlin erneuert Audiosystem

Die Idee dahinter: Die Schallwellen werden – nach dem Taschenlampenprinzip – mit sogenannten Audio-Modulen auf bestimmte Personengruppen im Raum fokussiert. Dadurch sind die Ansagen nicht nur besser zu verstehen, sie können auch gezielter gemacht werden.

Was für den auf dem Bahnsteig wartenden Fahrgast den Vorteil hat, dass die für ihn wichtigen Informationen aus der Vielzahl von Durchsagen herausragen. Bewährt sich die an den Gleisen 103 und 104 aufgebaute Technik, soll sie bald auch in anderen Bahnhöfen im Land montiert werden.

Holoplot ist eines von inzwischen mehr als 60 Start-ups, die bislang von der Bahn gefördert wurden. Das Unternehmen hat dafür vor vier Jahren eine Art Talentschmiede, die DB Mindbox, gegründet. Beheimatet ist die Einrichtung in der deutschen Gründer-Hauptstadt, also in Berlin.

In der DB Mindbox könnten auch Apple oder SAP zu Hause sein

Wer die Räume in den Viaduktbögen unterhalb der S-Bahnsteige im Bahnhof Jannowitzbrücke betritt, versteht rasch, warum ein Bahnmanager die Einrichtung mit einem kleinen gallischen Dorf vergleicht, das einst das römische Imperium durcheinanderbrachte. Zwar tickt auch hier standesgemäß eine Bahnhofsuhr, doch hängt die nicht an der Wand, sondern steht neben einem Fenster, das einen freien Blick hinaus auf die Spree zulässt. Sonst aber fehlt das Ambiente typischer Bahn-Dienststellen.

Statt auf Uralt-Möbeln aus Reichsbahnzeiten kann hier auf bunten Hockern Platz genommen werden. Es gibt leistungsfähiges Wlan sowie zahlreiche Anschlüsse und Steckdosen. Auch der Getränkekühlschrank, gefüllt mit Bionade-Flaschen, darf nicht fehlen. Hier könnten auch Entwickler von Apple oder SAP ihr Zuhause haben.

Chef der DB Mindbox ist Onno Szillis. Der 41-Jährige ist seit 14 Jahren bei der Bahn, seit vier Jahren leitet er die Ideenschmiede des Unternehmens. „Wir sind sicher etwas Besonderes, aber wir sind ganz bewusst Teil der DB-Welt und unterliegen allen üblichen Konzernregularien“, sagt er. Angesiedelt sei die DB Mindbox aber direkt beim Bahnvorstand, in dem es seit zwei Jahren mit Sabina Jeschke eine Vorständin gibt, die sich ganz speziell um die Digitalisierung des von vielen Traditionen und behördenhaft starren Regularien geprägten Unternehmens kümmert.

Relaistechnik der Bahn ist veraltet

Die DB Mindbox mit ihren insgesamt zehn Start-up-Managern ist für Szillis ein Mittler zwischen den so unterschiedlichen Welten: „Wir versuchen einerseits Anwalt der Gründer zu sein, in dem wir ihnen die Türen in die DB-Welt öffnen. Andererseits suchen wir Bereiche im Unternehmen, wo sich deren Ideen umsetzen lassen.“

Etwa vier Mal im Jahr finden in der DB Mindbox Bewerberrunden statt, in denen Start-ups ihre Ideen vorstellen können. Mehr als 1000 Start-ups aus 30 Ländern haben sich dabei beworben. Werden die Ideen als interessant eingestuft, gibt es 25.000 Euro als Startkapital sowie 100 Tage Unterstützung durch einen der zehn Start-up-Manager. Diese ermöglichen den Gründern zum Beispiel den Zugang zu internen Daten. In der Mindbox stehen zudem 36 Coworking-Arbeitsplätze zur Verfügung, die von den Start-ups genutzt werden können. Entwickelt sich das Projekt erfolgversprechend, winken nach den 100 Tagen „Probezeit“ Anschlussverträge.

Zu denen, die weitermachen können, gehört die im Juli 2017 in Bochum von Studenten und Technikern gegründete RheinRuhrSystemtechnik (RRS). Unter diesem in der Start-up-Szene ungewöhnlich altbackenen Namen wird an innovativen Lösungen im Bereich der Leit- und Sicherungstechnik gearbeitet.

Die Bahn fördert Start-ups

Für die Bahn ist das besonders interessant, verfügt sie doch noch immer über Hunderte von Stellwerken, die mit Relaistechnik aus den 70er-Jahren funktionieren. Die Technik ist jedoch in die Jahre gekommen und fällt immer häufiger aus. Für die Reisenden bedeutet das oft stundenlanger Stillstand. Die Methode der Bahn, die Relais präventiv – also vorbeugend – auszutauschen, hat bislang kaum Besserung gebracht. RRS-Geschäftsführer Markus Wernet und sein Team tüfteln an einer Technik, mit der das Verhalten der Relais genau überwacht wird. Ziel ist, einen möglichen Ausfall vorab zu erkennen, damit es gar nicht erst zur berüchtigten „Stellwerksstörung“ kommt.

Für die Bahn hat die Förderung der Start-ups inzwischen einen großen Stellenwert. „Wir sind Partner. Denn ihr Erfolg ist unser Erfolg“, sagte Bahnfinanzvorstand Alexander Doll bei der Feier von vier Jahren DB Mindbox vorige Woche in Berlin.