Impfskepsis

Sechs Mythen zum Impfen - und ihre Widerlegung

Ums Impfen kursieren viele Verschwörungstheorien und Mythen. Sie lassen sich widerlegen. Ein Überblick.

Das muss man über die Masern-Impfpflicht wissen
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Nie wurden Kinder so früh gegen so viele Krankheiten geimpft wie heute. Teils werden Kleinkindern sechs Impfstoffe auf einmal in den Arm injiziert. Viele Eltern verunsichert das. Und es kursieren viele Mythen zu Impfungen. Die meisten wurden längst durch Studien entkräftet.

Auch geimpfte Kinder erkranken an Masern.

Stimmt. Kein Wissenschaftler behauptet, dass Impfung ausnahmslos vor Erkrankung schützen. Aber das Risiko wird minimiert. Das Robert-Koch-Institut erklärt das so: Man stelle sich folgendes Szenario vor. In einer Grundschule träte eine Masern­epidemie auf. Die eine Hälfte der Schüler wäre geimpft, die andere nicht. Sta­tis­tisch gesehen würden etwa 97 bis 98 Prozent der nicht geimpften Schüler er­kran­ken, wohingegen unter den Geimpften nur zwei bis drei Prozent erkrankten.

Die Wirksamkeit von Impfungen wurde nie belegt.

Ohne einen entsprechenden Nachweis wird laut Arzneimittelrecht kein Impfstoff zugelassen. Die wissenschaftlichen Belege dazu erbringt der Hersteller, geprüft werden die Studien auf EU-Ebene unter der Regie der Europäischen Arzneimittelagentur EMA, in Deutschland durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Auch nach der Zulassung wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Masernimpfstoff bei Millionen von Menschen belegt. Ausdruck der Wirksamkeit ist auch die Tatsache, dass die Masern weltweit erfolgreich zurückgedrängt werden.

Die Risiken der Impfstoffe sind unkalkulierbar.

Horrorszenarien kursieren: Impfungen könnten Diabetes oder Multiple Sklerose auslösen. Einen Nachweis gibt es dafür nicht. Vielmehr deuten zahlreiche Studien auf das Gegenteil hin, sagt das RKI. Die verbreitete These, Impfungen würden Autismus auslösen, geht zurück auf den britischen Arzt Andrew Wakefield. Seine Erklärung: Impfungen würden das Eindringen von neurotoxischen Substanzen fördern. Größer angelegte Studien konnten keinen Nachweis für diese These finden. Zudem stellte sich heraus, dass Wakefields Studie von Anwälten, die Eltern autistischer Kinder vertraten, finanziert worden war - mit dem Ziel, Hersteller verklagen zu können. Wakefield wurde von einer Ethik-Kommission des Fehlverhaltens überführt und verlor seine Approbation.

Die Impfschäden werden verschwiegen.

Laut Impfschutzgesetz müssen Komplikationen gemeldet werden. Statistiken und Studien zu Nebenwirkungen stellt das RKI auf seinen Seiten zur Verfügung. Auch das PEI sammelt Verdachtsfälle. Schwere Komplikationen sind extrem selten. So kann in einem von 40.000 Fällen eine Autoimmunerkrankung Namens ITP auftreten. Normalerweise ist sie nicht lebensbedrohlich, allerdings können Transfusionen zur Therapie nötig sein. Sie kann ebenso als Folge natürlicher Masern-Infektion auftreten. Das RKI schreibt, eine Quelle für Unsicherheit bei Eltern liege darin: „Impfungen werden fast allen Kindern gegeben. Es ist somit nicht verwunderlich, dass Gesundheitsstörungen und Erkrankungen, die im Kindesalter gehäuft auftreten, zufällig im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung registriert werden.“ Ein ursächlicher Zu­sam­men­hang müsse deshalb nicht bestehen.

Die Pharmalobby steckt hinter der Impfpflicht.

Das RKI entgegnet, dass Pharmafirmen mit Impfstoffen wesentlich weniger Geld verdienen als mit Arzneimitteln, wie sie beispielsweise chronisch Erkrankte einnehmen müssen. „Von den knapp 194 Milliarden Euro, die die Gesetzliche Krankenversicherung im Jahr 2014 ausgegeben hat, entfielen 33 Milliarden Euro (17 Prozent) auf Arzneimittel und lediglich etwas mehr als eine Milliarde Euro (0,65 Prozent) auf Impfstoffe.“

Viele Impfungen überlasten das Immunsystem der Kinder.

Die Zahl der Antigene im Impfstoff hat sich deutlich verringert. So beinhaltete laut RKI allein der alte Keuchhusten-Impfstoff, in dem das vollständige Bakterium enthalten war, rund 3.000 solcher Antigene; in allen heutigen Schutzimpfungen zusammengenommen finden sich dagegen nur 150. Der Grund dafür: moderne Impfstoffe sind hoch gereinigt und enthalten meist nur einzelne Bestandteile der Erreger. Tagtäglich setzte sich das kindliche Immunsystem, das für diese Aufgabe gut gerüstet ist, mit einer vielfach größeren Menge von Antigenen auseinander, als dies bei Impfungen der Fall ist.