Nutzerdaten

BVG bekommt Bewegungsdaten von Handynutzern

Mit den Bewegungsprofilen wollen die Verkehrsbetriebe Fahrpläne optimieren. Daten werden anonymisiert.

Fahrgäste am U-Bahnhof Alexanderplatz. Mithilfe der Bewegungsdaten der Passagiere will die BVG ihre Fahrpläne optimieren und Züge besser koordinieren.

Fahrgäste am U-Bahnhof Alexanderplatz. Mithilfe der Bewegungsdaten der Passagiere will die BVG ihre Fahrpläne optimieren und Züge besser koordinieren.

Foto: dpa Picture-Alliance / Tobias Kleinschmidt / picture alliance / dpa

Berlin. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen für ihre Fahrtenplanung künftig auch Bewegungsdaten von Handynutzern verwenden. Eine entsprechende Zusammenarbeit sei jetzt mit dem Mobilfunkbetreiber Telefónica Deutschland vereinbart worden, wie das landeseigene Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Der deutsche Ableger des spanischen Telefónica-Konzerns verwaltet nach eigenen Angaben im Mobilfunkbereich rund 45 Millionen Anschlüsse und ist damit hinter Vodafone und vor der Telekom die Nummer zwei in Deutschland. In Berlin soll Telefónica sogar einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent haben, wie eine BVG-Sprecherin sagte.

BVG bekommt anonymisierte Bewegungsprofile der Fahrgäste

Telefónica verfügt – wie die beiden Konkurrenten auch – über ein eigenes Mobilfunknetz, in dem unter anderem Kunden der Anbieter O2, Blau oder Tchibo Mobil telefonieren und surfen. Jeweils bei Verwendung wählt sich das Handy in die nächstgelegene Sendestation ein, über den Tag hinweg kann der Mobilfunkbetreiber so ein ziemlich genaues Bewegungsprofil des Nutzers erstellen. Dies beinhaltet auch Daten, die Rückschlüsse auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln zulassen. Genau darauf hat es die BVG abgesehen.

Das Landesunternehmen betont, dass es nur Daten erhält, bei denen keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich seien. Telefónica habe dazu ein dreistufiges Anonymisierungsverfahren mit dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) entwickelt, bei dem jeglicher Personenbezug entfernt wird. „Das patentierte Verfahren entspricht höchsten Sicherheitsstandards und wurde vom TÜV Saarland mit dem Siegel Geprüfter Datenschutz zertifiziert“, heißt es in der Mitteilung der BVG. Dessen ungeachtet könnten die Kunden von Telefónica jederzeit der Verwendung ihrer Daten gegenüber dem Provider widersprechen.

Fahrpläne, Anschlüsse und Verbindungen optimieren

Genutzt werden sollen die von der Teralytics AG zur Verfügung gestellten Daten, um das Angebot von Bussen und Bahnen in der Stadt „besser zu koordinieren“. Die BVG betreibt aktuell zehn U-Bahn-, 22 Straßenbahn- und 150 Buslinien sowie sechs Fähren in der Stadt. Insgesamt würden mit rund 3200 Fahrzeugen mehr als 35.000 Fahrten am Tag angeboten. Den Planern der BVG gehe es darum, das Angebot im Sinne der täglich rund drei Millionen Fahrgäste weiter auszubauen und Fahrpläne, Anschlüsse und Verbindungen zu optimieren.

Fahrplan-Experten der BVG griffen bislang vor allem auf Fahrgastbefragungen und -zählungen zurück. Allerdings sei aber nur ein Viertel der U-Bahnzüge mit Zählgeräten ausgestattet, so die BVG. Der Vorteil von Handydaten: Mit ihnen würde man etwas über alle Verkehrsteilnehmer erfahren, auch die, die heute noch keine Nahverkehrsnutzer seien.

Die Daten lässt sich die BVG einiges kosten. Sie zahlt für die zunächst auf ein Jahr angelegte Zusammenarbeit mit Telefónica immerhin 250.000 Euro. Eine Vertragsoption lässt zudem die Verlängerung der Zusammenarbeitet um weitere zwei Jahre verlängert wird, so die BVG-Sprecherin.