Wirtschaft

Wie die Messe Berlin Asiens Reisebranche vernetzt

Der Regierende Bürgermeister eröffnet in Singapur die Tourismusmesse ITB Asia. Sie soll langfristig auch die Zukunft der ITB Berlin garantieren.

Farbenfrohe Eröffnung der ITB Singapur: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD, 2.v.l) mit Messe-Berlin-Chef Christian Göke (li.) und offiziellen Gästen aus dem Stadtstaat.

Farbenfrohe Eröffnung der ITB Singapur: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD, 2.v.l) mit Messe-Berlin-Chef Christian Göke (li.) und offiziellen Gästen aus dem Stadtstaat.

Foto: ashleymak.com/Messe Berlin (Singapore)

Singapur. Der Singapurer Minister für Handel, Industrie und Bildung fuhr selbst zum Marina Sands Convention Center, um die ITB Asia zu eröffnen. Das allein ist sicherlich ungewohnt für einen ranghohen Politiker. Aber daran habe es nicht gelegen, versichert Chee Hong Tat am Mittwochmorgen, als er mit gut zwanzigminütiger Verspätung Asiens wichtigste Tourismus-Fachmesse eröffnet. „Ich kam zu spät, weil ich im Stau stand, und das lag daran, dass die ITB so viele Menschen hierherzieht“, sagt Tat bei seiner Rede.

Allein schon der Besuch des Politikers aus dem südostasiatischen Stadtstaat ist eine Auszeichnung für die Messe Berlin, die seit 2008 den Ableger der heimischen Internationalen Tourismusbörse in Singapur veranstaltet. Erst, wenn Messen und Veranstaltungen erfolgreich sind, lassen sich die Staatsoberen blicken. Vorher pflegen sie vornehme Zurückhaltung, sagen Szene-Kenner.

Auftritt Müllers ist Gelegenheit für Berlinwerbung

Tat vergisst auf dem Podium natürlich nicht, die Innovationskraft des Singapurer Tourismus darzustellen. Man erfinde die eigenen Angebote in gewisser Weise neu, sagt er und nennt beispielhaft das Marina Sands Bay Hotel. Der markante Bau mit dem Schiffsrumpf auf dem Dach zählte einst zu den teuersten Gebäuden der Welt. Nun würden rund neun Milliarden Singapur-Dollar (rund sechs Milliarden Euro) in die Erweiterung des Komplexes investiert. In ein paar Jahren soll ein neuer Turm neben den bereits bestehenden drei Hochhäusern stehen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der seit ein paar Tagen mit einer Wirtschaftsdelegation in Singapur weilt, nimmt den Ball des Ministers auf und macht ebenfalls Werbung für seine Stadt. Berlin sei neben London und Paris eines der beliebtesten Ziele für Städtereisen in Europa. Dann kommt Müller, dessen Rede auf Deutsch simultan ins Englische übersetzt wird, auf die Bedeutung von Reisen für die Völkerverständigung zu sprechen. Ein Teil der Bevölkerung Berlins habe durch den Fall der Mauer vor 30 Jahren selbst die Freiheit erhalten, zu reisen. „Wenn wir uns begegnen“, so Müller, „lernen wir uns kennen.“ Tourismus sei einer der Anker für Austausch und Frieden auf der Welt.

Deutscher Stand ist klein und unauffällig

Nur wenige Minuten später ist Müller mit dem Singapurer Minister und Messe-Berlin-Chef Christian Göke gewissermaßen selbst auf Reisen. Es ist allerdings mehr ein stressiger Kurzurlaub. An den bunten Drachen-Tänzern vorbei zieht der Rundgang zunächst zum deutschen Pavillon. Wenig ist hier so, wie auf der Mutterveranstaltung der ITB in Berlin. Der deutsche Stand ist fast schon unauffällig klein. Die Stehtische mit bunten Prospekten und Fotos wecken kaum Lust auf Reisen nach Berlin, Magdeburg oder Bayern.

Jan Eder, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist enttäuscht. „Der deutsche Auftritt ist mega-schwach“, sagt Eder. Man müsse perspektivisch überlegen, ob man für Berlin nicht einen eigenen Stand mache. Die Zurückhaltung des deutschen Auftritts – und auch die einiger anderer Länder – ist aber recht einfach zu erklären. Während die ITB Berlin auch eine Publikumsmesse ist, kommen zu der ITB Asia nur Einkäufer von Reiseveranstaltern, Hotels oder auch Fluglinien.

Nur Topeinkäufer auf ITB Singapur eingeladen

Die Messe Berlin hat mittlerweile ganz genau verstanden, wie der asiatische Reisemarkt tickt und bietet hier einen Service an, den es so in Berlin nicht gibt. Das Landesunternehmen tritt bei der ITB in Singapur gewissermaßen als Makler auf, vermittelt Termine zwischen Einkäufern und den anwesenden Tourismus-Destinationen. Dafür begutachtet ein Team das ganze Jahr über den Markt. Nur die Top-Einkäufer aus der Branche werden auf die Singapurer ITB eingeladen. Die Qualität ist also hoch. Für die Messe lohnt sich das Geschäftsmodell umso mehr: Der Umsatz pro vermietetem Messe-Quadratmeter ist in der südostasiatischen Metropole gut dreimal höher als im heimeligen Berlin.

Das war nicht immer so. Der Anfang der ITB in Singapur im Jahr 2008 stand unter keinem guten Stern. Am ersten Tag der Messe sei damals ausgerechnet die Skandal-Bank Lehman Brothers pleitegegangen, erinnert sich der Bereichsleiter für die Reisemesse, Martin Buck. Erst später habe sich gezeigt, dass die dadurch angestoßene Finanzkrise keine Auswirkungen auf den Tourismus gehabt habe. „An Reisen sparen die Menschen als letztes“, sagt Buck. 1200 Aussteller sind mittlerweile Teil der ITB in Singapur, die vermietete Fläche ist von 6000 auf 15.000 Quadratmeter gewachsen. Zum Vergleich: In Berlin bespielt die ITB das Messegelände mit rund 160.000 Quadratmetern Platz.

ITB Berlin profitiert von Asien-Ablegern

Messe-Chef Christian Göke hält den Erfolg der Auslandsableger der ITB in Singapur, Schanghai und ab 2020 auch in Mumbai für entscheidend. Nur so sei langfristig die Reisemesse in Berlin gesichert. Als direkte Folge habe die Berliner ITB etwa einen deutlichen Zuwachs bei asiatischen Ausstellern und Fachbesuchern zu verzeichnen. Göke will in dem Bereich weiter wachsen, auch, weil die Anmietung fremder Veranstaltungsflächen langfristig günstiger ist als der Betrieb und wie im Berliner Fall sogar die Sanierung eines eigenen Messegeländes.

Der Unternehmenschef spricht damit auch eine Entwicklung innerhalb der Branche an. Die weltweit größten Messegesellschaften haben längst keine eigenen Flächen mehr im Besitz – und somit auch mehr Geld für die Weiterentwicklung des eigentlichen Messegeschäfts zur Verfügung.

Müllers Rundgang auf der ITB Asia führt den Berliner Regierenden über Stände von Island, Korea, Thailand und Singapur gewissermaßen wieder zurück zu seiner Eröffnungsrede. Neben dem mannshohen Schriftzug „#FREIHEITBERLIN“ bleibt der Tross stehen. Tape-Artist Robert König aus Neukölln beklebt die Buchstaben während der ITB mit farbigem Klebeband. Die neue Kunstform habe sich etabliert und ist inzwischen weltweit gefragt, sagt König. Die Technik – vor zehn Jahren in Berlin entstanden – ist so wie die ITB auch also ein echter Exportschlager aus der deutschen Hauptstadt.