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ICE-Strecke Berlin–Hamburg für Bauarbeiten voll gesperrt

Die ICE-Strecke Berlin - Hamburg wird wegen Bauarbeiten gesperrt. Betroffen ist dann auch der Regionalverkehr wie der R2 an die Ostsee.

Erst ab Ende 2021 will die Deutsche Bahn ihre ICE in einem 30-Minuten-Takt zwischen Hamburg und Berlin fahren lassen. Zuvor wird die Strecke umfangreich erneuert.

Erst ab Ende 2021 will die Deutsche Bahn ihre ICE in einem 30-Minuten-Takt zwischen Hamburg und Berlin fahren lassen. Zuvor wird die Strecke umfangreich erneuert.

Foto: Foto: Jan Woitas / dpa

Berlin.  Die ICE-Verbindung Berlin – Hamburg ist eine der Paradestrecke der Deutschen Bahn im Fernverkehr. Doch die stetig größer werdende Schar an Fahrgästen muss sich bald auf größere Unannehmlichkeiten einrichten. Der Grund: DB Netz, die Infrastrukturtochter der Bahn plant an der Strecke umfangreiche Bauarbeiten.

Höhepunkt dürfte eine rund zehnwöchige Vollsperrung zwischen Wittenberge und Dergenthin in der Prignitz im übernächsten Jahr sein. Voraussichtlich vom 10. September bis zum 19. November 2021 müssen Bahnreisende dann mit umfangreichen Einschränkungen im Zugverkehr rechnen. Betroffen davon wird nicht nur der Fernverkehr, sondern auch der Regionalverkehr, darunter die wichtige Regionalexpresslinie RE2 (Berlin – Wismar) sein.

Bahnverbindung Berlin–Hamburg besteht bereits seit 1846

Zwischen Berlin und Hamburg besteht bereits seit 1846 eine Bahnverbindung. Die zweigleisige insgesamt 284 Kilometer lange Strecke ist nach der deutschen Wiedervereinigung für Geschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometer pro Stunde ausgebaut und modernisiert worden. Mehr als 4,5 Milliarden Mark (entspricht 2,3 Milliarden Euro) hat der Bund bis 1998 in das als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 2 bezeichnete Vorhaben investiert.

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In der Spitze können die ICE seither mit Tempo 230 fahren. Das ermöglicht eine Fahrzeit von 1:45 Stunden zwischen beiden Hauptbahnhöfen. Die Verbindung ist so gut, dass es schon seit Jahren keine Flüge zwischen Berlin und Hamburg mehr gibt. Allerdings klagen Reisende immer wieder über hohe Fahrpreise – derzeit verlangt die Bahn für ein Zweite-Klasse-Ticket 83 Euro (einfache Strecke, ohne Bahncard-Ermäßigung) – und speziell rund ums Wochenende über zu volle Züge.

30-Minuten-Takt wird erst ab Ende 2021 eingeführt

Zumindest an Letzterem wird sich so schnell nichts ändern. Erst ab Ende 2021 will die Deutsche Bahn ihre ICE in einem 30-Minuten-Takt zwischen Hamburg und Berlin fahren lassen. Aktuell fahren die Züge tagsüber in der Regel stündlich. „Damit entsteht zwischen den zwei größten deutschen Metropolen ein im Vergleich zur Straße in Sachen Reisezeit, Komfort und Klimabilanz unschlagbares Angebot“, heißt es in einer in der Vorwoche erfolgten Ankündigung der Bahnkonzerns.

Doch bevor es soweit ist, muss zwischen Berlin und Hamburg erst einmal kräftig gebaut werden. Nach Bahnangaben soll die Strecke in den Jahren 2022 und 2023 als ICE-Umleitung genutzt werden, wenn die Schnellfahrstrecke Kassel – Fulda – Würzburg modernisiert wird. Um die Strecke Berlin – Hamburg auf den dann deutlich stärkeren Zugverkehr vorzubereiten, sollen insgesamt 52 Bauvorhaben „gebündelt“ durchgeführt werden.

Arbeiten werden zwischen September und Dezember 2021 umgesetzt

Derzeit laufen noch Planrechtsverfahren für einige Bauvorhaben. Bei diesen gesetzlich vorgeschriebenen Genehmigungsverfahren werden Bürger und Behörden beteiligt. Alle Genehmigungen vorausgesetzt, werden die vorgesehenen Arbeiten dann zwischen September und Dezember 2021 umgesetzt, so die Bahn. Dann sollen unter anderem 400 Kilometer Schienen erneuert, 24 Weichen in den Bahnhöfen Friesack, Jasnitz und Boizenburg ausgetauscht und zehn Durchlässe modernisiert werden.

Die Gleise zwischen Wittenberge und Dergenthin, Ludwigslust und Jasnitz sowie in den Bahnhöfen Glöwen und Ludwigslust werden auf einer Länge von elf Kilometern komplett erneuert, heißt es auf der Webseite der Bahn, auf der anstehende Bauprojekte angekündigt werden. Geplant ist dann auch, eine marode Eisenbahnbrücke bei Dergenthin neu zu bauen.

Bauwerk wird bei laufendem Zugverkehr neben der Bestandsstrecke errichtet

Um die Einschränkungen für den Schienenverkehr so gering wie möglich zu halten, soll das neue Bauwerk zunächst bei laufendem Zugverkehr neben der Bestandsstrecke errichtet werden. Während der angekündigten zehnwöchigen Vollsperrung der Strecke wird das Bestandsbauwerk dann abgerissen und die neue Brücke in seine Endlage eingeschoben.

Erst 2009 hatte es auf der Bahnstrecke Berlin–Hamburg monatelange Bauarbeiten gegeben. Damals mussten dort vor allem die Betonschwellen ausgetauscht werden. Der berüchtigte Betonkrebs, eine chemische Kieselsäure-Reaktion, sorgte dafür, dass sie zu zerbröseln begannen. Reisende zwischen Berlin und Hamburg mussten damals erhebliche Fahrzeitverlängerungen von bis zu einer Stunde in Kauf nehmen. Fahrgastverbände forderten damals mit Verweis auf die Leistungseinschränkung eine Reduzierung der Ticketpreise. Das lehnte die Bahn jedoch ab. Es gab lediglich kleinere Versöhnungsgaben wie kostenlose Zeitungen und Snacks.

Ausweichstrecke führt über Stendal und Salzwedel sowie Uelzen

Bei einer Vollsperrung der Strecke Berlin – Hamburg gibt es für die Bahn nicht allzu viele Umleitungsmöglichkeiten. Die wichtigste Ausweichstrecke führt über Stendal und Salzwedel (Sachsen-Anhalt) sowie Uelzen in Niedersachsen. Über diese Route fährt bereits seit einigen Jahren als preiswerte Alternative zum teuren ICE bis zu zweimal täglich auch ein Interregioexpress (IRE).

Die aus älteren Waggons zusammengestellten Züge benötigen für die Fahrt von Berlin nach Hamburg regulär gut drei Stunden. Zuletzt gab es wiederholt Ausfälle. Allerdings nicht baubedingt, sondern weil der Bahntochter DB Regio Nordost Lokführer fehlten.

Deutsche Bahn investiert verstärkt in Erhalt und Modernisierung ihrer Infrastruktur

Nach jahrelanger Vernachlässigung investiert die Deutsche Bahn seit einigen Jahren wieder deutlich mehr in den Erhalt und die Modernisierung ihrer Infrastruktur. Allein in Berlin und Brandenburg sind in diesem Jahr dafür 522 Millionen Euro veranschlagt.

Das Geld wird in rund 6400 Einzelprojekten in der Region verbaut. Damit werden die bisherigen Spitzenwerte von 2017 (5797 Baustellen) und 2018 (6253 Baustellen) nochmals übertroffen, sagte der Konzernbevollmächtigte Alexander Kaczmarek bei der Vorstellung des Programms. „Wir graben an allen Ecken und Enden. Aber nicht, um die Fahrgäste zu ärgern, sondern weil es notwendig ist“, sagte der Bahnmanager. Die Investitionen sicherten zudem viele Arbeitsplätze bei der Bahn wie auch in der Bauindustrie.

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