Straßenbahn

Tramlinien in Moabit und am Ostkreuz droht Verzögerung

Die Straßenbahn nach Moabit sollte 2021 fertig werden. Das ist nun fraglich. Noch schlechter sieht es am Ostkreuz aus.

Die geplanten Tramlinie zum U-bahnhof Turmstraße in Moabit und die neue Linie der Straßenbahn am Ostkreuz könnten erst 2022 fertig werden.

Die geplanten Tramlinie zum U-bahnhof Turmstraße in Moabit und die neue Linie der Straßenbahn am Ostkreuz könnten erst 2022 fertig werden.

Foto: Foto: Monika Skolimowska / dpa

Beim Bau der Tramlinie M10 nach Moabit droht eine weitere Verzögerung. Die Linie soll künftig vom Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße führen – und eigentlich 2021 fertig werden. Nachdem die Pläne für den Bau überarbeitet werden mussten, ist dieser Termin kaum noch zu halten. Nicht das einzige Tram-Projekt, das der Senat in der selbst ausgerufenen „Legislaturperiode der Straßenbahn“ wohl nicht realisieren kann – obwohl die Pläne dafür noch aus dem rot-schwarzen Vorgängersenat stammen.

Im Fall der neuen Verbindung in Moabit seien die ursprünglichen Planungen überarbeitet worden, weil nun mit der doppelten Zahl an Fahrten geplant werde, teilte Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung mit. Die Tram soll nun tagsüber alle fünf Minuten fahren. Nachts ist ein Zehn-Minuten-Takt vorgesehen. „Insbesondere die Lärmbelastung muss daher neu betrachtet, Betroffene müssen neu angehört werden“, so Thomsen.

„Eine Inbetriebnahme noch im Jahr 2021 bleibt aber möglich“

Die Umsetzung verschiebe sich dadurch zwangsläufig. „Eine Inbetriebnahme noch im Jahr 2021 bleibt aber möglich.“ Doch auch er räumt ein: „Wahrscheinlicher wird es dadurch nicht.“ Die neuen Unterlagen liegen aktuell im Rathaus Tiergarten aus. Anschließend können Anwohner erneut Einwände erheben, die von den Behörden bewertet werden müssen. Zunächst hatte darüber das „Neue Deutschland“ berichtet.

Vor diesem Hintergrund glaubt Jens Wieseke, stellvertretender Vorsitzender des Berliner Fahrgastverbands Igeb, nicht mehr an eine Fertigstellung bis 2021. „Es würde an ein Wunder Grenzen, wenn das vor 2022 fertig werden würde“, sagte er. Schuld sei die personelle Situation in der Verkehrsverwaltung – und fehlender Wille von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). „Die Senatorin ist beim Ausbau der Straßenbahn mut und kraftlos“, sagte Wieseke. Auch andere Beobachter rechnen nicht mehr damit, vor 2022 Tramzüge Richtung Turmstraße rollen zu sehen: „Dafür müsste man eine funktionierende Verkehrsbehörde haben.“

Auch Verbindung am Ostkreuz braucht länger

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben den bisherigen Zeitplan hingegen noch nicht aufgegeben. „Es ist sehr knapp“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken. Noch sei es jedoch möglich. „Es ist sicher, dass wir 2020 mit dem Bau beginnen“, so Nelken. Die neue Trasse soll über die Invalidenstraße und Alt-Moabit nach einem Schlenker an der JVA und dem Kriminalgericht vorbei über die Turmstraße zum dortigen U-Bahnhof der Linie U9 führen. Dafür sind an anderer Stelle Einschnitte nötig: Auf mehreren Abschnitten muss der Autoverkehr Spuren abgeben. Insgesamt werden 70 Parkplätze gestrichen. Auch 85 Bäume müssen nach den neuen Plänen gefällt werden.

Die Straßenbahn zur Turmstraße ist nicht das einzige Tramprojekt, das sich verzögert. Als noch größerer Problemfall gilt Insidern die Linienverlegung am Ostkreuz. Dort gebe es „einen größeren Widerstand der Anwohner“, erklärte BVG-Sprecherin Nelken. Als „ehrgeizig“ bezeichnete auch Thomsen das Ziel 2021. Weniger Probleme bereite hingegen die neue Verbindung vom S-Bahnhof Schöneweide zum Technologiepark Adlershof. „Das sieht sehr gut aus“, sagte Thomsen.