Brief an Konzerne

Michael Müller will Automobilmesse IAA nach Berlin holen

Der Regierende Bürgermeister wirbt für einen Umzug der IAA von Frankfurt nach Berlin. Die Ausstellung soll sich aber verändern.

Foto: dpa/BM Montage

Berlin. Der Senat verstärkt sein Bemühen, die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) aus Frankfurt nach Berlin zu locken. Dazu hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) Briefe an die großen deutschen Automobilhersteller geschrieben und um Unterstützung gebeten. Die Automobilindustrie stehe vor großen Veränderungen und müsse vor dem Hintergrund der Klimadebatte und der Digitalisierung neue Lösungen anbieten, schreibt Müller an die Unternehmen. „Die Zukunft der Mobilität wird vor allem in den Metropolen der Welt erarbeitet und entschieden“, so der Regierende Bürgermeister.

IAA nach Berlin - Müller schreibt Brief an Autobmoil-Hersteller

„Gerade in Berlin stellen wir uns diesen Herausforderungen und setzen eine Verkehrswende um, die wirtschaftliche, soziale und ökologische Ziele miteinander verbindet“, heißt es in dem Schreiben. Die Automobilindustrie müsse einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Mobilität leisten, insbesondere im Bereich der Elektromobilität. Berlin sei dafür ein idealer Standort.

Eine „innovative Neuaufstellung der IAA am Standort Berlin würde die Diskursfähigkeit der deutschen Automobilindustrie in der Bundespolitik und im internationalen Kontext ganz erheblich erhöhen“, schreibt Müller an die Automobilkonzerne und bittet um Unterstützung. „Ich würde mich freuen, wenn wir uns gemeinsam mit den anderen Vorstandsvorsitzenden der deutschen Automobilindustrie dieses Projekts annehmen würden und stehe jederzeit gerne zu einem gemeinsamen Gespräch zur Verfügung“, heißt es zum Abschluss des Briefes, der jetzt an die deutschen Autobauer versandt wurde.

Unternehmen buchen immer weniger Ausstellungsflächen

Die IAA steckt in einer Krise. Die Besucherzahlen gehen zurück, die Unternehmen buchen immer weniger Flächen, um ihre Produkte zu vermarkten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA), der die Messe ausrichtet, steht vor einem personellen Neuanfang, und der Vertrag mit der Messe Frankfurt läuft aus. Der Berliner Senat sieht deshalb die Chance, die international renommierte Messe zum Wechsel in die Hauptstadt zu bewegen. Der VDA bestätigte bereits, über ein neues Konzept der Ausstellung zu beraten, um wieder mehr Aussteller gewinnen zu können. Ein Ergebnis liege aber noch nicht vor. Neben einem Umzug in eine andere Stadt stehen auch wechselnde Standorte zur Diskussion, heißt es. Auch einige Autohersteller äußerten ihren Unmut über die Entwicklung der IAA und fordern ein neues Format.

Der Umzug der Automobilausstellung nach Berlin wäre eine Heimkehr, denn die IAA nahm in Berlin im Jahr 1897 ihren Anfang. 1951 zog sie wegen des unsicheren politischen Status der Stadt nach Frankfurt um. Bereits länger gebe es für einen Wechsel Gespräche mit dem VDA, heißt es bei der Messe Berlin. Man habe bereits andere große Messen zukunftsfähig gemacht und fühle sich der IAA gewachsen. Denn das Thema „Mobilität“ sei in Berlin etwa mit der Bahnmesse „Innotrans“, der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) oder der umfassenden Forschungslandschaft zur Zukunft der Mobilität stark vertreten. Gerade erst hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ein Forschungsvorhaben der Technischen Universität zum autonomen Fahren eröffnet. Der Bund beteiligt sich dabei an der Finanzierung.

Die Messe Berlin zeigt sich deshalb sehr interessiert. „Natürlich wäre eine Veranstaltung, die sich mit einer Leitindustrie in Deutschland und einem der drängendsten Themen beschäftigt, nämlich der Zukunft der Mobilität, eine Sache, die uns hier in Berlin gut zu Gesicht stehen würde“, sagte Berlins Messechef, Christian Göke kürzlich im Interview mit der Berliner Morgenpost.

„IAA hat in ihrer jetzigen Form keine Zukunft mehr“

Auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) spricht sich für einen Wechsel aus. „Eine moderne IAA, die die neuen Mobilitätserfordernisse von Sauberkeit, Elektrifizierung und Digitalisierung in den Vordergrund stellt, wäre ein Gewinn für Berlin“, sagte Pop. Dabei müsse der Fokus auf Innovation und Klimaschutz, intelligente Energieinfrastrukturen und nachhaltige Mobilitäts- und Logistiklösungen liegen. „Die IAA in ihrer jetzigen Form hat keine Zukunft mehr, und das wissen auch die Aussteller“, sagte Pop. „Ich bin optimistisch, dass Ingenieurskunst und Innovation den Dinosaurier IAA so umwandeln, dass aus einer zukünftigen Automobilmesse ein wichtiger Beitrag zur Verkehrswende wird – dann passt sie zu Berlin.“

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