E-Mail aus Singapur

Grüne Ideen aus Fernost für den Wohnungsbau

Klimaschutz beim Wohnungsbau spielt in Singapur eine zentrale Rolle. Müller beeindruckt von begrünten Häusern.

Michael Müller in Singapur

Michael Müller in Singapur

Foto: Dominik Bath

Singapur. Der vergleichsweise kleine südostasiatische Stadtstaat Singapur gibt in vielen Bereichen die Richtung vor. Singapur will aber auch lernen und sucht den Dialog. Das hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der seit Sonntag mit einer Wirtschaftsdelegation hier unterwegs ist, beobachtet. Aber auch Müller zeigt großes Interesse an der Art, wie Singapur mit Herausforderungen umgeht.

Am Dienstag, dem vorletzten Tag der Auslandsreise, hat sich Müller von einem Stadtplanungsbüro die Geheimnisse des Singapurer Städtebaus erklären lassen. Im Zentrum stehen die Themen Klima- und Umweltschutz. Singapur richtet die Planung von Bauprojekten seit einigen Jahren daraufhin aus. Das ist bereits im Stadtbild zu sehen. Die Häuser scheinen gewissermaßen wie Pflanzen aus dem Boden zu wachsen.

Singapur: Dachgärten und bepflanzte Innenhöfe sind Standard

Denn Singapur schreibt seinen öffentlichen und privaten Bauherren bei besonders großen Projekten seit einiger Zeit einen Grünflächen-Anteil vor. Architekturbüros wie Woha haben mittlerweile zahlreiche Konzepte in der Stadt verwirklicht. Geht es um den Bau von Wohnungen, Einkaufszentren oder Hotels, gehören begrünte Fassaden, Dachgärten und bepflanzte Innenhöfe nahezu zum Standard. Müller steht am Dienstagmittag mit Woha-Vertretern vor der satt-grünen Fassade des „Park Royal“ nahe der Singapurer Chinatown.

Gebäude wie das „Park Royal“ seien zwar in der Errichtung teurer, die Betriebskosten allerdings letztlich geringer, sagt Woha-Chef Wong Mun Summ. Das liege auch daran, dass die begrünte Fassade dafür sorge, dass die Temperatur in den Gebäuden deutlich sinke. Letztlich würden deshalb auch die Stromkosten für die Klimaanlagen geringer. Müller zeigt sich nach dem Rundgang angetan von der Bauweise. Er werde auch seiner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) davon berichten, sagt er.

Zusammenspiel von Demokratie und Wirtschaft

Umwelt- und Klimaschutz spiele überall auf der Welt eine Rolle, sagt Müller dazu später. Hier in Singapur sehe man aber, was heute schon möglich ist. „Natürlich sind begrünte Fassaden auch in Berlin umsetzbar“, so Müller. Vor allem die Kreativität und der Mut, mit dem sich die Singapurer den Herausforderungen stellen, scheint ihn beeindruckt zu haben. Das habe Müller auch in seinem Gespräch mit der Singapurer Staatspräsidentin Halimah Yacob am Vormittag zum Ausdruck gebracht.

Yacob habe auch Themen wie Menschenrechte und Pressefreiheit von sich aus angesprochen. Müller wiederum habe mit Blick auf die staatlich gelenkte Medienlandschaft in Singapur zum Ausdruck gebracht, dass eine demokratische Grundhaltung auch für die Zusammenarbeit in wirtschaftlichen Fragen eine wichtige Rolle spiele. Für den 10. Dezember sei der Gegenbesuch der Staatspräsidentin in Berlin geplant.

Ob Müller mit seinem Gast dann auch Berliner Start-ups, die mit Singapurer Geld unterstützt werden, besucht, ist noch nicht bekannt. In den vergangenen Jahren konnten immer mehr Unternehmen in Berlin mithilfe von Investoren aus dem Stadtstaat wachsen. Der Staatsfonds Temasek, den Müller ebenfalls am Dienstag besuchte, agiert stets mit einer Minderheitsbeteiligung an den Firmen. Es gehe den Singapurer Investoren vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln, aber natürlich auch um Wachstum und Geldverdienen.

Eröffnung der ITB Asia

Am Mittwoch, dem letzten Tag der Reise, wird Müller mit dem Berliner Messechef Christian Göke den Ableger der Internationalen Tourismusböse, die ITB Asia, eröffnen. Geht es nach Göke, soll das Auslandsgeschäft weiter wachsen, weil davon auch die heimischen Leitmessen profitierten. So sei etwa zur ITB in Berlin die Zahl der asiatischen Aussteller und Fachbesucher deutlich gewachsen. Das sei ganz erheblich auf die Auslandsauftritte der ITB zurückzuführen. Neben Singapur gibt es auch im chinesischen Schanghai einen Ableger.