Unteilbar-Demonstration

Tausende Berliner demonstrieren gegen Antisemitismus

Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle demonstrierten am Sonntag 16.000 Menschen in der Hauptstadt gegen Antisemitismus.

Demonstranten auf der Unteilbar-Demonstration auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte.

Demonstranten auf der Unteilbar-Demonstration auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte.

Foto: Maurizio Gambarini

Am Sonntag waren mehrere Tausend Berliner dem Aufruf der Initiative „Unteilbar“ gefolgt, um nach dem Anschlag von Halle gegen Antisemitismus und rechte Gewalt zu demonstrieren. Der Veranstalter sprach von 16.000 Teilnehmern, die Polizei schätzte 8000. Los ging es um 13 Uhr mit Kundgebungen am Bebelplatz. Dort nannte etwa Reinhard Borgmann vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus den ehemaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen „eine Schande“. „Menschen wie er sorgen dafür, dass immer weniger Vertrauen in die staatlichen Institutionen gesetzt wird.“

Protest gegen Antisemitismus endete vor Neuer Synagoge

Nach einer Schweigeminute für die Opfer rechter Gewalt setzte sich der Zug um 14.10 Uhr in Bewegung. Dabei ging es über die Friedrichstraße zur Oranienburger. Auch Politiker wie Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) sowie Vertreter jüdischer- und nichtjüdischer Organisationen liefen mit. Per Lautsprecher wurden die Namen von Opfern rechter Gewalt verlesen. Gegen 15.30 Uhr erreichte der Zug die Neue Synagoge, wo die Demonstration mit einem Konzert des Pianisten Igor Levit endete.

Man habe ein wichtiges Zeichen gesetzt, sagte „Unteilbar“-Sprecher Felix Müller. In erster Linie habe man Opfern und Menschen, die sich nicht mehr sicher fühlen, zeigen wollen, dass sie nicht allein seien. „Es sind keine Alarmzeichen mehr, sondern es ist schon lange fünf nach zwölf“, sagte er nicht nur in Hinblick auf den Anschlag in Halle, wo ein rechtsextremer Täter beim Versuch scheiterte, eine Synagoge zu stürmen, und anschließend zwei Menschen erschoss.

„Ich hatte auf einmal das Gefühl, dass der Terror in meinem Leben ist“

Bekannte von ihm seien währenddessen in der Synagoge gewesen, sagte Mischa Ushakov, Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschlands. „Ich hatte auf einmal das Gefühl, dass der Terror in meinem Leben ist“, so der 20-Jährige weiter. Er fühle sich zwar weiterhin sehr sicher, aber es sei realer geworden. Antisemitismus habe eine etwas zu lange Tradition. „Es ist ein bisschen so, wie gegen eine Wand zu laufen.“

Diese Tat mache eine neue Qualität des Terrors deutlich, sagte Berlins evangelischer Landesbischof Markus Dröge der Berliner Morgenpost am Rande der Kundgebung. Die Zivilgesellschaft müsse sich klar machen, dass sie das nicht duldet. „Alle gesellschaftlichen Kräfte müssen viel deutlicher gegen den Nährboden der rechten Ideologien und Verschwörungstheorien vorgehen, der sich immer weiter in Deutschland ausgebreitet hat.“

Auch „Omas gegen Rechts“ demonstrierten mit

Unter den Teilnehmern waren Mitglieder jeder Altersgruppe. „Wir sind die Generation, die noch weiß, wohin das geführt hat“, sagte Urte von Bremen. Die 73-Jährige war eine von 50 demonstrierenden „Omas gegen Rechts“. „Und wenn jetzt so etwas wieder anfängt, müssen wir rechtzeitig die Stimme erheben.“

Aber auch viele Familien liefen mit. „Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, der Nazi macht es andersrum“, stand in bunten Farben auf dem selbst geschriebenen Plakat der achtjährigen Nala. „Nazis sind dumm, weil sie nicht möchten, dass Ausländer ins Land kommen“, erklärte ihr siebenjähriger Bruder Milosz. „Und weil sie meinen Papa nicht mögen, weil der aus Polen kommt“, ergänzte Nala.