Boomtown Berlin

Rekord auf Berlins Büroimmobilienmarkt

Im laufenden Quartal wurden in der Hauptstadt insgesamt 298.600 Quadratmeter vermietet. Der Bedarf ist aber weitaus größer.

Auf dem Gelände der ehemaligen Commerzbankzentrale an Potsdamer- und Bülowstraße sollen bis Mitte 2020 insgesamt 27.000 Quadratmeter Büroflächen entstehen.

Auf dem Gelände der ehemaligen Commerzbankzentrale an Potsdamer- und Bülowstraße sollen bis Mitte 2020 insgesamt 27.000 Quadratmeter Büroflächen entstehen.

Foto: Foto: Pecan Development GmbH

Berlin. Im dritten Quartal dieses Jahres sind insgesamt 298.600 Quadratmeter Büroflächen in Berlin vermietet worden. Das vermeldet das Immobilienunternehmen Cushman & Wakefield. Damit handelt es sich um den höchsten Flächenumsatz aller Zeiten. Außerdem hat die Hauptstadt den bisherigen Spitzenreiter München überholt, wo der Trend rückläufig war. Insgesamt wurden in Berlin in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres 694.100 Quadratmetern vermietet – ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (584.200 Quadratmeter). Nur 2017 war der Umsatz zu diesem Zeitpunkt mit 704.000 Quadratmetern höher.

Rekord von 4,5 Milliarden Euro auch bei Transaktionsvolumen

Einen Rekord gibt es auch beim Transaktionsvolumen bei Gewerbeimmobilien. So vermeldet der Immobilienberater Colliers International einen monetären Umsatz von 4,5 Milliarden Euro im dritten Quartal. Für die ersten neun Monate ergibt sich damit ein Gesamtvolumen von 9,455 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent davon entfallen auf Büroflächen. Damit liegt der Umsatz 2019 bereits jetzt über dem Gesamtjahresrekord von 8,1 Milliarden Euro aus dem Jahr 2015. „Der Berliner Investmentmarkt steuert 2019 direkt auf die zwölf Milliarden Euro-Marke zu und wird diese wahrscheinlich bis Jahresende erreichen“, sagt Colliers-Immobilienberater Ulf Buhlemann.

„Die Zahlen belegen deutlich die hohe Nachfrage und damit die anhaltende Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Berlin“, sagt Jochen Brückmann, Bereichsleiter Stadtentwicklung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. Auch Stefan Franzke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Berlin Partner, reagiert erfreut auf die Zahlen. „Berlin ist in der ganzen Welt beliebt, als Platz zum Leben und zum Arbeiten. Menschen aus rund 190 Nationen schaffen hier eine lebendige Atmosphäre, die international anziehend wirkt.“ Franzke verweist allerdings auch auf den wachsenden Platzbedarf. „Wie bei nahezu allen Gewerbezweigen in Berlin fehlen auch hier Flächen“, sagt auch IHK-Bereichsleiter Brückmann.

Wenig Leerstand führt zu stetig steigende Mieten

Laut Cushman & Wakefield liegt die Leerstandsquote – also der Anteil freier Flächen – bei gerade einmal 1,6 Prozent. Besonders in der Innenstadt sind Büros kaum zu haben. Gerade einmal 66.100 Quadratmeter stehen hier kurzfristig zur Verfügung. Das sind 19.700 weniger als im Vorquartal und 22.900 weniger als im dritten Quartal 2018. Vor allem große Flächen von mehr als 2000 Quadratmeter gibt es in der Innenstadt nicht. Entsprechend steigen die Mieten. Cushman & Wakefield gibt Durchschnittspreise von 25,05 Euro und Spitzenwerte von 38 Euro pro Quadratmeter bei Neuvermietung an. Gegenüber den Vorjahreswerten stellt das eine Steigerung von 5,35 Euro (27 Prozent) bei den Durchschnitts- und sechs Euro (19 Prozent) bei den Spitzenwerten dar.

Eine Entspannung auf dem Berliner Büromarkt ist nach Auffassung des Immobilienunternehmens zunächst nicht absehbar. Zwar werden im kommenden Jahr 640.000 Quadratmeter durch Neubau oder Sanierung zur Verfügung gestellt. Die sind allerdings bereits zu 70 Prozent vorvermietet. Für die drei folgenden Jahre sind zwar jeweils 900.000 Quadratmeter angekündigt. Allerdings bleibt abzuwarten, wie viel davon tatsächlich fertiggestellt werden.

IHK fordert mehr Büros in Hochhäusern

Abhilfe könne nur Neubau schaffen, sagt IHK-Bereichsleiter Brückmann. „Daher wäre es gut, wenn wir uns in Berlin schnell und verlässlich darauf verständigen könnten, wie und wo in zentralen Lagen Büroflächen entstehen können - nicht zuletzt in neu zu bauenden Hochhäusern.“ Der vom Land vorgelegte Entwurf eines Hochhausleitbilds mit seinem Zwang zu einer Nutzungsmischung sei dabei allerdings nicht hilfreich. Auch Berlin Partner-Chef Franzke plädiert für mehr Flächen, allerdings „ohne das eine gegen das andere auszuspielen: Wohnen gegen Gewerbe, private Investitionen gegen öffentliche“.

Berlin Partner unterstützt Unternehmen auch bei der Suche nach geeigneten Büroräumen. Wie lange das im Schnitt dauert, lässt sich laut Sprecher Lukas Breitenbach nicht pauschal beantworten. „Nach wie vor findet sich über kurz oder lang für fast jedes Gesuch auch ein passendes Angebot.“ Bei Gesuchen mit kleineren Flächen seien die Vorläufe kürzer. Bei mittleren und großen Flächengesuchen ab 5000 Quadratmetern aufwärts kämen meist nur Projektentwicklungen in Frage. Laut Cushman & Wakefield waren von den zehn größten Anmietungen des laufenden Jahres sieben in Projektentwicklungen.