Berlin

Haakon und Mette-Marit - Prinzenpaar mit Bodenhaftung

Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen geben sich in Berlin unaufgeregt.

Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen und Haakon von Norwegen am Sonnabend bei ihrer Ankunft in Pankow.

Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen und Haakon von Norwegen am Sonnabend bei ihrer Ankunft in Pankow.

Foto: Maurizio Gambarini

Dass sie Königs können, stellte das norwegische Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit am Sonnabendnachmittag in Berlin unter Beweis. Bei „Pankebuch“ an der Wilhelm-Kuhr-Straße in Pankow winkten die royalen Besucher – sie im cremefarbenen Rollkragenpullover, er im dunkelblauen Anzug – Schaulustigen, herzten Kinder, strahlten und gaben sich nordisch-bodenständig.

Immerhin bereitet sich der norwegische Thronfolger bereits seit 46 Jahren auf die Rolle als zukünftiger König seines Heimatlandes vor. Seine Frau hat die Prinzessinnenrolle seit fast 20 Jahren verinnerlicht. Der Sohn von König Harald V. von Norwegen und Königin Sonja ist seit 2001 mit der Bürgerlichen Mette-Marit Tjessem Høiby verheiratet. Die beiden hatten sich zwei Jahre zuvor auf einem Musikfestival kennengelernt.

Anlass des Besuchs in der Hauptstadt ist eine fünftägige Deutschlandreise im Auftrag der Literatur. Norwegen ist der diesjährige Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse, die am Mittwoch beginnt. Das Paar wird dort zur Eröffnung erwartet. Am Freitagabend hatten die beiden bereits in Düsseldorf mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet eine Ausstellung mit Werken von Edvard Munch besucht. Zusammengestellt hat die Bilder der norwegische Bestsellerautor Karl Ove Knausgård.

Deutschland und Norwegen seien Freunde in Kunst und Kultur, sagte Haakon in seiner Rede, die er auf Deutsch hielt. In Berlin ließ der Kronprinz seiner Frau den Vortritt im Rampenlicht. Mette-Marit ist Botschafterin für norwegische Literatur im Ausland. Gemeinsam mit dem norwegischen Schriftsteller Geir Gulliksen hat sie im Luchterhand Verlag die Anthologie „Heimatland... und andere Geschichten aus Norwegen“ herausgebracht.

Die Mädchen Mette und Marit treffen ihre Namenspatin

Exakt zur vorher angekündigten Zeit fuhr der königliche Konvoi um 13.15 Uhr an der kleinen Buchhandlung unweit des Bürgerparks Pankow vor. Dort warteten bereits einige Adelsfans. So wie die beiden Nachbarsmädchen Mette und Marit, deren Mütter die einmalige Gelegenheit genutzt hatten, den Nachwuchs der berühmten Namenspatin zu präsentieren.

Die zeigte sich entzückt und lobte die eigens mitgebrachte Norwegen-Flagge, bevor es, flankiert von deutscher und norwegischer Polizei, zum Gespräch mit den beiden „Pankebuch“-Inhaberinnen Katrin Mirtschink und Petra Wenzel ging. Seit 2011 sind die beiden spezialisiert auf nordische Literatur. Sie liebe kleine Buchhandlungen wie diese, sagte die Kronprinzessin. Auch in London gebe es einen Laden, dem sie jedes Mal einen Besuch abstattete, wenn sie vor Ort sei.

Mette-Marit will auch ihre Kinder für Literatur begeistern

Bei den Berlinerinnen hatte es Mette-Marit besonders die Auswahl an Kinderbüchern angetan. „Karis magischer Sommer“ von Åsa Anderberg Strollo sei einer ihrer absoluten Favoriten. Als Mutter sei es ihr wichtig, auch ihre drei Kinder für Literatur zu begeistern – glücklicherweise mit Erfolg. Auch ihre Mutter habe ihr früher viel vorgelesen, beispielsweise Anne-Cath Vestly oder Astrid Lindgren. Er habe viel Henrik Ibsen gelesen, könne sich aber sonst gar nicht so genau an prägende Bücher erinnern, sagte hingegen Kronprinz Haakon.

„Literatur und das Lesen war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens“, so Mette-Marit. „Deshalb macht es mich sehr glücklich, dass Norwegen der diesjährige Ehrengast der Frankfurter Buchmesse ist.“ Zusammen mit norwegischen Autoren und deutschen Schulkindern wird das Kronprinzenpaar am Montag von Berlin mit Zwischenstopp in Köln in einem Literaturzug nach Frankfurt reisen und dabei norwegische Kinderbücher vorlesen. In Norwegen fährt Mette-Marit regelmäßig mit einem „Litteraturtog“ durchs Land. Diese Tradition möchte sie nun nach Deutschland bringen. „Ich freue mich besonders, mit den Kindern über Literatur zu sprechen.“

Die High-Heels und das Berliner Kopfsteinpflaster

Das Kronprinzenpaar sei sehr sympathisch und nahbar gewesen, waren sich die „Pankebuch“-Inhaberinnen nach dem einstündigen Besuch einig. Mit ganz bürgerlichen Problemen kämpfte Mette-Marit dann auch angesichts des Zusammentreffens ihrer Louboutin-High-Heels mit dem Berliner Kopfsteinpflaster. Als die norwegischen Royals sich um kurz nach 14 Uhr verabschiedeten, hatte Mette-Marit das widerspenstige Schuhwerk gegen ein paar Leoparden-Ballerinas getauscht. Schließlich hatte die 46-Jährige in Prenzlauer Berg noch eine Herzensangelegenheit auf dem Programm.

Am Bücherbaum auf dem Kollwitzplatz hinterlegte sie eine Ausgabe ihrer Anthologie inklusive Widmung für einen glücklichen Finder. Zwölf Autoren, darunter Karl Ove Knausgård, Siri Hustvedt, und Tomas Espedal, stellen sich darin der Frage, was es für sie bedeutet, norwegisch zu sein. Norwegen sei für sie das Helle in ihr, der Ort an dem sie zu Hause sei, so die Kronprinzessin. „Wir sind beide ein Produkt unseres Landes, es verbindet uns, dass wir beide aus dem Norden stammen“, sagte hingegen ihr Mann Prinz Haakon. „Aber natürlich ist Identität viel mehr als Nationalität.“

Bei ihrem Besuch wollen sie aber nicht nur ihr eigenes Land repräsentieren, sondern vor allem auch ein anderes kennenlernen. Literarisch habe sie den beiden zu diesem Zweck Christa Wolf empfohlen, verriet Petra Wenzel.

Am Sonntagabend wird Mette-Marit im Großen Sendesaal des rbb an der Masurenallee aus ihrer Anthologie lesen. Die Schauspieler Fritzi Haberlandt und Joachim Król lesen Passagen auf Deutsch.